Synchronsprecher

Die Stimme der Stars

08.06.2016

Eine Stimme, die jeder kennt. Eine Synchronsprecherin leiht Stars wie Mila Kunis, Paris Hilton, Emma Stone und Olivia Wilde ihre Stimme. Aber wer ist die Person dahinter?

          Eine von vielen auf dem Berliner Ku’damm |Quelle: Leonie Rothacker

Sprechen ist ihr Beruf. Jeder kennt ihre Stimme, aber niemand kennt sie. Das Geheimnis um Anja Stadlober.

Anja Stadlober leiht Stars ihre Stimme. Synchronsprechen ist für sie nicht nur Beruf, sondern Berufung. Ihre Tätigkeit begleitet sie neben dem Arbeitsalltag auch in der Freizeit, die Grenze zwischen beidem verschwimmt. „Die Arbeitszeiten sind sehr flexibel, aber auch sehr lang: Ein Arbeitstag geht manchmal von neun bis 24 Uhr", erzählt Anja.

Selbst wenn sie frei hat, lässt der Beruf sie nicht ganz los. „Bei einem DVD-Abend mit Freunden kann es schon einmal vorkommen, dass ich aus dem Wohnzimmer geschmissen werde, weil ich mich lautstark über den asynchronen Sprecher aufrege", lacht sie. Anja nimmt das zwar locker, aber es gibt auch Dinge, die sie ein bisschen aufregen: „Mein bester Freund hatte ganz lange die Titelmelodie von ‚New Girl’ als Klingelton, wenn ich anrufe. Das war mir irgendwie … unangenehm." Diese kleinen Probleme nimmt sie selbst nicht ganz ernst – und weiß genau, dass ihre Freunde manchmal allen Grund haben, sich ein bisschen aufzuregen: „Sie beschweren sich permanent, dass sie immer mich hören, sobald sie den Fernseher einschalten", meint die Synchronsprecherin grinsend. Dafür freue sich ihre Mutter aber umso mehr: „Sie sagt, sie kann dann einfach einen Film angucken, und schon bin ich bei ihr."

Kein Leben zwischen Promis

Über Probleme mit Freunden und Familie kann Anja sich nicht ernsthaft beklagen, ganz ohne Konflikte läuft ihr Alltag dennoch nicht ab. „Es ist immer ein bisschen schwierig, wenn jemand fragt: ‚Was machst du beruflich?’ Und man antwortet: ‚Synchronsprecher’", erklärt sie, „dann ist man meistens in ein sehr langes Gespräch darüber verwickelt, wie Synchron funktioniert, welche Schauspieler man spricht, ob man berühmte Leute kennt, ob man zu den Premierenpartys eingeladen wird – und ob man wahnsinnig reich ist."

Reich wird sie nicht – das haben wir ja schon gehört – aber wie sieht es denn mit den berühmten Leuten und den Premierenpartys aus?

„Ich hab’ Emma Stone einmal bei einer Premiere von weitem gesehen", ist Anjas Antwort. Dass sie kein Leben zwischen Promis führt, scheint sie aber nicht zu stören: „Ich will die alle gar nicht kennen lernen. Ich habe ehrlich gesagt Angst, dass die Schauspieler mich angucken und sagen: ‚Was ist das denn für eine Komische? Entschuldigung, ich möchte nicht, dass die mich auf Deutsch spricht, kann das bitte jemand anderes machen? Die sieht doof aus‘, oder ‚Die ist mir unsympathisch‘, oder ‚Die lacht so komisch‘."

Anja gefällt ihr Leben im Dunkeln, abseits der Öffentlichkeit. Früher hat sie in der Kinderserie ‚Schloss Einstein’ eine Internatsbewohnerin gespielt, heute meint sie dazu nur lachend: „Naja, ich war jung und brauchte das Geld", und fügt ernsthafter hinzu: „Ne, war nicht meins. Das gewisse Etwas zum Schauspielern hat mir gefehlt."

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Über die Autoren

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