Inklusion

Ein Dorf der besonderen Art

04.02.2015

Die Dorfgemeinschaft Tennental ist eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft für Menschen mit und ohne Behinderung. Ihre Zusammenarbeit steht in allen Bereichen im Mittelpunkt. Durch die dorfeigenen Produktionsstätten kann sich die Gemeinschaft weitestgehend selbst versorgen.

Das Tennental: ein kleiner Ort mit 250 Einwohnern. Und wo genau liegt er? Zwischen Tübingen und Stuttgart, in einer Senke zwischen den Orten Deckenpfronn, Gärtringen und Oberjesingen.

Die dort seit einigen Jahren bestehende „Dorfgemeinschaft Tennental" ist eine sozialtherapeutische Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, die auf anthroposophischer Grundlage beruht. Menschen mit geistiger Behinderung leben hier zusammen mit Betreuern in kleineren und größeren Wohngemeinschaften und Familien.

Tagsüber gehen alle Bewohner verschiedenen, auf sie abgestimmten Tätigkeiten im Dorf nach. Sie arbeiten beispielsweise in der Bäckerei, der Einmachküche oder der Käserei. Auch die Schreinerei, die Astholz- und die Metallwerkstatt bieten viele Arbeitsplätze. Zudem gibt es einen landwirtschaftlichen Betrieb und eine Gärtnerei im Dorf.

Letztere produzieren eine Vielzahl an Nahrungsmitteln, die zum Teil für die Selbstversorgung oder für die Tiere der Landwirtschaft genutzt werden. Außerdem werden viele Produkte in der Einmachküche zu Kompott, Pesto, Marmelade, Aufstrichen und vielem mehr verarbeitet. Ein Teil der Lebensmittel wird im Dorfladen verkauft. Doch die Erntemengen sind so groß, dass die Bewohner des Tennentals gar nicht alles verwenden können. Ein Großteil der Ware wird deshalb über Einzel- und Großhändler vermarktet und lässt sich unter anderem in den Bioläden der Umgebung finden. Dazu zählen neben den Waren der Gärtnerei und Landwirtschaft auch das Brot, das Knäckebrot und Süßwaren, die in der Dorfbäckerei gebacken werden. Die Lebensmittel aus der Dorfgemeinschaft entsprechen alle den biologisch dynamischen Demeter- Richtlinien und sind aus einem ökologischen Anbau.

Doch nicht nur Lebensmittel werden im Tennental verkauft. Auch Bau- und Spielmaterial (z.B. Puppenwagen, Laufräder, Modellautos) aus der Schreinerei oder Schalen und Kerzenhalter aus der Metallwerkstatt kommen auf den Markt.

Natürlich darf auch ein Arzt im Dorf nicht fehlen. Da hier überwiegend Menschen mit Behinderungen leben, kümmert sich ein Therapeut vor Ort um alle. Zudem gibt es im Tennental eine eigene Fachschule für die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Dort erfahren die Auszubildenden aufgrund der Überschaubarkeit des Dorfes und des intensiven Kontakts durch das Zusammenleben eine besonders praxisnahe Ausbildung.

Es ist also für alles gesorgt im Tennental. Aber wie ist es, dort zu leben? Wird das nicht langweilig? Warum wohnen die Bewohner in dem Dorf? Verläuft jeder Tag gleich? Michael Sehne arbeitet in der Gärtnerei und in der Landwirtschaft. Bei ihm ist das Tennentaler Konzept sehr gut aufgegangen: er ist geistig behindert, aber innerhalb seines Lebens- und Arbeitsbereiches ist davon kaum etwas zu merken. Er ermöglicht uns einen Einblick in sein Leben und in das der Dorfbewohner.

Einblicke ins Tennental

Michael Sehne gibt einen Einblick in das Leben im Tennental.

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Über den Autor

Vivien Busse

Crossmedia-Redaktion/Public Relations
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