Architektur

Ein Stück Ägypten im Schwabenland

16.12.2014

In Bönnigheim im Landkreis Ludwigsburg entsteht ein energieeffizientes Haus. Das ist in der Zwischenzeit nichts Besonderes mehr. Doch außergewöhnlich ist die Form des Hauses.

Handwerker steigen über große Berge Dreck. Es ist ein schöner Tag, trotzdem aber sehr kalt. Doch die drei Männer, die da am Bönnigheimer Stadtrand arbeiten, frieren nicht. Und das nicht nur, weil sie viele Schubkarren voller Erde in den Garten bringen. Sie arbeiten unter einer großen Glaspyramide – im Pyramidenhaus des Hobby-Architekten Bruno Staiger.

Mehrere Möglichkeiten, Energie zu erzeugen

Die Konstruktion ist so noch nie dagewesen: Über das Wohnhaus ist eine Glaspyramide gestülpt, die bis zum Boden reicht. Das lässt das Pyramidenhaus nicht nur interessant aussehen, sondern macht es außerdem zum Energie-Plus-Haus. Durch die Haus-in-Haus-Konstruktion können Heizkosten gespart werden. Wind und Kälte werden zum Teil von der schützenden Glaswand abgehalten, deshalb ist es unter der Glaspyramide ganzjährlich wärmer als draußen. Deshalb muss zwischen Glashaus und eigentlichem Wohnhaus kein so großer Temperaturunterschied ausgeglichen werden wie bei einem Haus, das nicht von einem Glashaus umgeben ist.

Durch Photovoltaikanlagen auf den Carports, die vor dem Eingang geplant sind, soll Strom gewonnen werden. Ein Teil der Energie wird zur Warmwasserversorgung genutzt, der andere Teil in das Stromnetz eingespeist. Zusätzlich ist eine Wärmepumpe installiert. Diese zieht entweder von innerhalb des Glashauses oder von außen warme Luft ein und gibt sie als Wärme an den Heizkessel im Keller des Wohnhauses ab.

Bei direkter Sonneneinstrahlung kann es unter der Glaspyramide sehr warm werden. Für diesen Fall sind im unteren Teil der Glaspyramide 32 Lüftungsklappen eingebaut. Durch diese kann frische Luft ins Innere strömen. Verteilt um die gesamte Pyramide sorgen sie für eine zugfreie Lüftung.

Begeisterung für die Pyramide

Die gläserne Pyramide ist ein echter Hingucker: Schon von weitem sieht man sie am Rand des Wohngebietes stehen. Doch eine bestimmte Funktion hat die Form nicht. Vielmehr war es Bruno Staigers Traum, so ein Haus zu bauen, seit er vor einigen Jahren in einem pyramidenförmigen Restaurant in Hannover gegessen hatte. „Die Pyramide ist die schönste Form", sagt Bruno Staiger und ihm ist anzumerken, wie begeistert er von dieser Form ist.

Die Architektur ist das liebste Hobby des 75-Jährigen. Vor über 40 Jahren gründete er ein Unternehmen, das spezialisiert in der Ventiltechnik ist. Auch die Firma, in der das Unternehmen mit heute circa 200 Mitarbeitern untergebracht ist, wurde aus den Ideen und Plänen Staigers entwickelt. „Stein auf Stein ist dieses Gebäude entstanden. Und das war dann das erste ökologische Industriegebäude in Deutschland", erklärt Staiger, dann lacht er. „Ich hab schon ökologisch gebaut, da wussten viele noch gar nicht wie man ‚ökologisch‘ schreibt."

Ein Wohnhaus unter einer Glaspyramide gab es in Deutschland bisher nicht. Doch die Idee, einem Wohnhaus ein Glashaus überzustülpen, ist nicht neu. Es gibt einige Häuser, die in ihrer Art und ihrem Aufbau unterschiedlich sind. Das Gefühl, von einer Glaswand umgeben zu sein, ist sicherlich gewöhnungsbedürftig. Einige Menschen möchten wahrscheinlich nicht im Glashaus sitzen. Dennoch gibt es Familien, die sich genau dafür entschieden haben. Was macht den Reiz denn aus, in solch einem Haus zu wohnen?

Mediterranes Flair

Familie Weyers wohnt seit 2009 in ihrem „Haus im Glashaus" in Ehlscheid in Rheinland-Pfalz. Allerdings ist ihr Wohnhaus nicht von einer Glaspyramide umgeben. Das Glashaus hat die Form eines typischen Gewächshauses. Im Wintergarten habe es immer circa zehn Grad mehr als draußen, sagt Norbert Weyers. Das sei sehr angenehm. Außerdem genieße er die Ruhe im eigentlichen Wohnhaus. Denn dank dem Glashaus ist das Haus vor Lärm geschützt.

Die mediterranen Temperaturen gefallen den Familienmitgliedern. Doch im Sommer kann es im Glashaus natürlich sehr schnell warm werden. Um die Hitze abzumildern gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen schließen sich Jalousien an der Glaswand bei längerer Sonneneinstrahlung automatisch und beschatten den großen Wintergarten. Zusätzlich kann das Dach – über einen Computer gesteuert – geöffnet werden.

„Wir haben hier länger Herbst und früher Frühjahr. Man muss einfach selbst mal drin gelebt haben, um zu erfahren, wie das ist", so Norbert Weyers. Bis im Pyramidenhaus in Bönnigheim jemand wohnt und die verlängerten Jahreszeiten genießen kann, dauert es noch ein bisschen. Bruno Staiger hat keine Eile, das Haus fertigzustellen. „Die Architektur ist ein Hobby von mir. Ich werde oft gefragt, wann das Haus fertig sein wird", sagt Staiger, „derjenige, der mich im Herbst fragt, bekommt von mir die Antwort ‚Im Frühjahr‘, der, der im Frühjahr kommt, bekommt die Antwort ‚Im Herbst‘."

Das Pyramidenhaus – ein Hingucker

Ob bei Tag oder bei Nacht: Das Pyramidenhaus erregt aufgrund seiner ungewöhnlichen Form immer Aufmerksamkeit.

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Über den Autor

Carolin Schneider

Crossmedia Redaktion/Public Relations (Bachelor)
Eingeschrieben seit: SS 2014