Zukunft der Sprache

Ein Wort in Pflege nehmen

28.10.2014

Um etwas zu schützen und unterstützen kann man eine Patenschaft übernehmen. Bei einer Patenschaft für ein Kind wird dieses finanziell unterstützt. Wird man Pflanzenpate hilft man dabei, eine bestimmte Pflanzenart zu erhalten. Doch was macht ein Wortpate?

Im August 2005 hatte Tobias Mindner, damals Pressesprecher des Vereins Deutsche Sprache, einen Einfall: Patenschaften für Wörter. Was als einjährige Werbeaktion am 21. Februar 2006 startete, entwickelte sich immer weiter und ist jetzt, über acht Jahre später, immer noch beliebt.

Wortpatenschaft - wie, was, warum?

Es handelt sich um eine Sprachpflegeaktion. Laut Tobias Mindner, Initiator von Wortpatenschaft, gehe es darum, die deutsche Sprache zu schützen und zu erhalten. Um das zu tun kann sich jeder, der sich für eine Wortpatenschaft interessiert, auf der Internetseite wortpatenschaft.de sein Lieblingswort suchen und, wenn dieses noch nicht vergeben wurde, Pate werden. Im Anschluss erhält der Pate eine Urkunde, wird auf der Internetseite eingetragen und dann?

„Und dann ist es dem Paten selbst überlassen, was er damit macht und wie er das tut", sagt Tobias Mindner. „Wir lassen uns da selbst überraschen und geben das natürlich nicht vor."

Selbstverständlich kann man sein Patenwort nicht besuchen, man kann ihm keine Freude zu Weihnachten bereiten und das Wort wird auch nicht auf Briefe antworten. Viele Wortpaten haben jedoch Ideen, wie sie ihr Wort trotzdem zu etwas Besonderem machen können. „Es gab tatsächlich schon mal jemanden, der sich sein Wort in die Trauringe eingravieren lassen hat", erinnert sich Tobias Mindner.

Immer noch kommen täglich ungefähr drei Wortpaten dazu. Und auch Prominente und bekannte Unternehmen nehmen ein Wort in Pflege. Die Schauspielerin und Komikerin Annette Frier ist Patin für die Wortschöpfung „Sternschnuppenschnee". Und auch die Drogeriemarktkette Rossmann pflegt als Pate ein Wort. Pressesprecher Stephan-Thomas Klose hat schon vor Jahren Rossmann als Pate für das Wort „Drogeriemarkt" eintragen lassen. Die symbolische Aktion war ihm wichtig, um die Nähe des Unternehmens zur deutschen Sprache zu zeigen und „das Rossmann-Kundenmagazin auf eine klare und verständliche deutsche Sprache zu verpflichten", erklärt er. „Seither wird das Magazin im redaktionellen Teil auf die Vermeidung von Anglizismen und ‚Denglisch‘ zertifiziert." Ist der Einfluss der englischen Sprache auf die deutsche tatsächlich ein Problem?

Verzerrung der deutschen Sprache durch Anglizismen?

Laut Duden sind drei Prozent der deutschen Wörter Anglizismen. Tobias Mindner sieht es jetzt nicht mehr so tragisch wie noch vor ein paar Jahren, dass sich viele englische Begriffe in die deutsche Sprache mischen: „Jeder spricht so gut wie er es gelernt hat und so gut wie er dazu in der Lage ist."

Ähnlich sieht das der Verein Deutsche Sprache (VDS). Es werden nicht alle Anglizismen grundsätzlich abgelehnt, da einige kein bestehendes deutsches Wort verdrängen. Hobby, Baby und Internet sind zum Beispiel solche ergänzenden Anglizismen. Allerdings machen diese einen sehr kleinen Teil (3%) an allen Anglizismen, die im Anglizismen-INDEX aufgelistet sind, aus. Das Problem sei der Einfluss, den die englische Sprache auf die deutsche hat. „Die deutsche Sprache wird der Fähigkeit beraubt, sich weiterzuentwickeln, neue Begriffe zu bilden", sagt Monika Elias, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim VDS. Vor allem in den Medien werde oft auf Anglizismen gesetzt, um die jugendliche Zielgruppe anzusprechen. Dadurch würden diese Wörter fester Bestandteil der Umgangs- oder Jugendsprache. „Dies ist jedoch kein Problem, solange die Jugendliche in anderen Situation die deutsche Standardsprache beherrschen", meint Monika Elias. In bestimmten Situationen wie beim Bewerbungsgespräch sei diese weiterhin unabdingbar.

Gemeinsam die Sprache retten

Der VDS hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Kulturgut Sprache zu fördern. „Jeder Einzelne kann etwas zur Pflege der deutschen Sprache beitragen, indem er bewusst auf seinen Sprachgebrauch achtet", so Elias.

Dazu passend auch der Leitsatz der Wortpatenschaften: „Jeder Pate beschirmt sein Wort, alle Paten die ganze Sprache."

Eine Umfrage in der Fußgängerzone

In die Jugendsprache schleichen sich immer häufiger Anglizismen und Abkürzungen. Doch wie sieht es mit fast vergessenen deutschen Wörtern aus? Sind diese bei jungen Menschen noch bekannt? Eine Umfrage in der Fußgängerzone zeigt: Viele Jugendliche haben Wörter wie Labsal und Kleinod zwar schon gehört, diese zu erklären fällt ihnen jedoch schwer.

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Über den Autor

Carolin Schneider

Crossmedia Redaktion/Public Relations (Bachelor)
Eingeschrieben seit: SS 2014