Einblicke in die Integrationspolitik

10.06.2015

Ekin Deligöz ist 1971 in der Türkei geboren und lebt seit 1979 in Deutschland. Sie studierte Verwaltungswissenschaft in Wien und Konstanz und ist seit 1998 als Mitglied der Grünen im Bundestag. Dabei beschäftigt sie sich unteranderem mit Bildungs- oder Kinder- und familienpolitischen Themen.

Politikerin Ekin Deligöz gibt Einblicke in die politische Sichtweise zum Thema Integration. Foto: Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen; Gestaltung: Lena Biberacher

Diya: „Deutschland ist ein Einwanderungsland." Immer größere Teile der Bevölkerung stimmen dieser Aussage zu. Wie muss Integrationspolitik gestaltet sein, um Zuwanderern den Start in Deutschland zu erleichtern?

Deligöz: Vor allem muss Zuziehenden die Möglichkeit gegeben werden, Teil der Gesellschaft zu werden. Dies geschieht über Sprache, über den Arbeitsplatz, über Bildung und auch über die Freizeit. Integrationspolitik muss die jeweiligen Menschen dort abholen, wo sie stehen. Dazu gibt es bewährte Unterstützungsmaßnahmen vielfältiger Art. Die müssen jedoch ausreichend finanziert sein.

Diya: Sie beschreiben Frauen als einen „wichtigen Motor für Integrationsprozesse". Helfen an dieser Stelle reine Frauenkurse?

Deligöz: Ja, ich bin überzeugt, dass reine Frauenkurse ein probates Mittel sind, um Frauen überhaupt in Kurse zu bringen. Frauen müssen oft aus einer familiären Isolation ausbrechen und Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein lernen bzw. aufbauen. Dies ist unter Frauen einfacher. Die Politik muss die Rolle, die Frauen und Mütter für die Integration der Kinder bedeuten, besser begreifen. Den Frauen Perspektiven zu zeigen bedeutet auch, dass diese für ihre Kinder bei der Suche nach Perspektiven unterstützen können.

Obwohl Integrationsprogramme einen immer größeren Stellenwert einnehmen, wollte die Bundesregierung im Haushaltsentwurf 2014 die Mittel dafür kürzen. Wie gehen Sie mit solchen scheinbaren Rückschritten um?

Deligöz: Ich kann hier nur versuchen über gute Argumente und Beispiele die anderen Mitglieder des Haushaltsausschusses davon zu überzeugen, dass die Mittel an dieser Stelle nicht gekürzt werden dürfen bzw. wieder aufgestockt werden müssen. Und ich stelle erfreut fest, dass der Druck auf die Regierung mittlerweile von vielen Seiten kommt, aus der Bürgergesellschaft, von Gewerkschaften ebenso wie von Arbeitgebern, aus Kirchenkreisen usw.

Welche aktuellen Veränderungen passieren auf politischer Ebene?

Deligöz: Zum einen wird stärker noch als vor einigen Jahren Zuwanderung auch als Chance begriffen. Natürlich resultiert für einige das Umdenken aus der demografischen Entwicklung und dem Fachkräftemangel. Aber das soll mir recht sein, solange es zu nachhaltigen Veränderungen im Sinne einer offenen Gesellschaft kommt. So kommt es nicht von ungefähr, dass wir eine ernsthafte politische Debatte um ein Einwanderungsrecht haben – auch wenn der Weg dahin noch lang sein wird.

Über den Autor

Lena Biberacher

Crossmedia-Redaktion/ Public-Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2014/2015