Ein Herz für Tiere

Eine tierische Mission

30.06.2017

Tierunfälle passieren tagtäglich. Ein verletztes Wildtier am Waldrand, eine streunende Katze in einer Wohngegend oder ein toter Vogel. Das ist nur eine kleine Aufzählung der Unfälle. Jeder weiß von ihnen, doch wer kümmert sich schlussendlich um die hilfsbedürftigen Lebewesen?

Das Ehepaar Völker ist seit sieben Jahren mit vollem Herzen bei der Tierrettung dabei. |Foto: Julia Mollus

Lenore und Jürgen Völker haben 2010 die Tierrettung am mittleren Neckar gegründet. Sie sind 24 Stunden, 365 Tage im Jahr für alle Tiernotfälle in Bereitschaft. Durch einen einfachen Anruf kann man Jürgen bei Notfällen erreichen. Mit einem seiner beiden Rettungswägen kommt er direkt an den Einsatzort und kann verletzte oder kranke Tiere medizinisch versorgen. Gegebenenfalls wird das Tier weiter zum Tierarzt gebracht, um innere Verletzungen ausschließen zu können. Auch kümmern sie sich um verloren gegangene, entrissene oder gar verstorbene Tiere. Unterstützt wird das Ehepaar von zehn weiteren Ehrenamtlichen, die sich im Landkreis Esslingen und Teilen des Rems-Murr-Kreises einsetzten. Ungefähr 12.000 bis 15.000 Einsätze hat das Tierrettungsteam jährlich zu bewältigen.

Verbundenheit zwischen Mensch und Tier

Die Gründer haben eine humanmedizinische Ausbildung. Jürgen war Krankenpfleger und Rettungssanitäter und wollte nach vielen Jahren einen anderen Weg einschlagen. Er wollte seine Leidenschaft zur Medizin und sein Herz für Tiere zusammenbringen. Seine Frau, die vorher Arzthelferin war, führt nun die Buchhaltung, schreibt Einsatz- und Medikamentenlisten und kümmert sich um die Rechnungen. Alle ehrenamtlichen Helfer der Tierrettung haben eine Ausbildung zur Tierrettungssanitäter/-in oder Ersthelfer/-in von Lenore erhalten. Seit sieben Jahren setzt sich Jürgen mittlerweile für die Rettung ein. Zusammen mit dem Tierheim Esslingen, Göppingen und Kirchheim Teck vermitteln sie die Tiere weiter, die ihr Herrchen verloren haben. Zu 95 Prozent findet der treue Begleiter somit wieder in sein Zuhause zurück. Falls die Tiere nicht vermittelt werden können, nehmen die Gründer auch selbst welche bei sich auf. Verstorbene Tiere werden von den Tierrettern auf eigene Kosten eingeäschert. Die Tierkörperbeseitigungsanlage kommt für sie nicht in Frage.

„Jeder sollte die Augen für hilflose Tiere offen halten", meint Lenore Völker. |Quelle: Julia Mollus

Beide verbindet die Liebe zu Tieren. Selbst besitzen sie fünf Hunde und zwei Wasserschildkröten. „Das Gefühl, etwas Sinnvolles gemacht zu haben, einem Tier in einer schweren Situation geholfen zu haben, ist toll", bekennt Jürgen. Im Moment ziehen sie sieben Füchse bei sich zu Hause auf, bis sie die Tiere mit gutem Gewissen freilassen können. Einer der Füchse ist blind, er wird bei Familie Völker bleiben, da er in der Natur nicht überleben würde.

Bei Jürgen Völker ist jeder Einsatz mit vielen Emotionen verbunden. |Foto: Julia Mollus

„Wer die Menschen kennt, liebt die Tiere", sagt Jürgen. „Die Dankbarkeit der Tiere ist eine andere", fügt er hinzu. Nach vielen Jahren der Tierrettung können beide bestätigen, dass Tiere die Hilfe erkennen und dankbar sind. Laut Lenore sollte ein Tier kein Therapeut, sondern ein Gefährte fürs Leben sein. Tiere können ältere Menschen vor der Vereinsamung beschützen. Deswegen möchten das Ehepaar auch diejenigen unterstützen, die nicht mehr in der Lage sind, eigenständig ihr Tier zum Tierarzt fahren zu können.

Bis jetzt kein Ende in Sicht

Wie es mit der Tierrettung weitergehen soll, wenn das Ehepaar nicht mehr in der Lage dazu ist, 24 Stunden in Bereitschaft zu sein, ist noch unklar. Vor allem die Tiere in der freien Natur sind auf Hilfe angewiesen. Beide wären froh, wenn ein Tierarzt oder eine Tierärztin ihre Position übernehmen würde, da dann auch die Behandlungsmöglichkeiten für die Tiere steigen würden.

Bis dahin sind es aber noch viele Jahre. Bis dahin stecken Lenore und Jürgen Völker ihre ganze Tierliebe und ihre menschliche Kraft in die Rettung der Lebewesen, die ihre Hilfe täglich benötigen.

Das Einsatzgebiet der Tierretter erstreckt sich über den Landkreis Esslingen und Teile des Rems-Murr-Kreises. |Quelle: Julia Mollus

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Über den Autor

Julia Mollus

Crossmedia Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2016/2017