Faszination Kino

Eintauchen in die Welt der großen Gefühle

07.12.2016

Seit jeher begeistert Kino die Menschen. Es löst auf magische Art und Weise Emotionen und Gefühle in ihnen aus. Doch ist das Medium Kino überhaupt noch zeitgemäß und wie muss es sich vielleicht verändern, um auch in Zukunft noch zu bestehen?

Kinosaal „Bibliothek" im Traumpalast Leonberg|Foto: Lochmann Filmtheaterbetriebe

In einem kleinen sizilianischen Dorf dreht sich Mitte der 1940er Jahre alles um das Kino. Alfredo betreibt das „Cinema Paradiso" im gleichnamigen Film, das zu dieser Zeit sozialer Treffpunkt und Ort des Austauschs von Neuigkeiten und Informationen ist. Der Protagonist ist, wenn man so will, ein wenig wie Andreas Baumann: Beide verbindet ihr Beruf als gelernter Filmvorführer ebenso wie ihre Leidenschaft für den Film. Doch Baumann ist inzwischen mehr als das: Er arbeitet in erster Linie als Marketingleiter der „Filmtheaterbetriebe Lochmann" und hat seit 1998 gemeinsam mit Unternehmer und Kinomogul Heinz Lochmann sieben „Traumpaläste" in der Region Stuttgart sowie je ein Kino in Berlin, Hamburg und Hannover eröffnet.

Große Themen für die große Leinwand

Dass Leute ins Kino gehen, um Nachrichten zu sehen, ist in Zeiten von Internet und Smartphones undenkbar geworden. Dennoch haben Kino und Film, laut Baumann, weiterhin einen großen gesellschaftlichen Einfluss und Stellenwert: „Ich glaube, dass es große Themen gibt, die auf der großen Leinwand im Kino aufgearbeitet werden, und dass es nach wie vor diese Themen sind, die die Menschen ins Kino ziehen." Als Beispiel nennt Baumann den Kinoerfolg des französischen Films „Ziemlich beste Freunde", der über zehn Millionen Zuschauer anzog. „Der Film schafft es deshalb, weil darin ein Thema kommuniziert wird, das momentan in der Gesellschaft auch auf dem Tisch ist. Deshalb glaube ich schon, dass Kino und Film Menschen dazu mobilisiert, Themen erstmal zu erleben und dann zu diskutieren."

Aber wie hat es das Kino geschafft, über so viele Jahre immer noch zu bestehen? Für Baumann haben Menschen im Kino die Möglichkeit, aus dem Alltag auszusteigen, in die Handlung einzusteigen und ihren Traum zu leben. „Dieser Traum liegt", so Baumann, „in jedem von uns: Wir wollen doch irgendwann mal in die Rolle eines anderen schlüpfen, dem Alltag entfliehen, einfach ganz andere Themen aufgreifen, als die, mit denen wir uns normalerweise beschäftigen. Das geht nirgends besser als im Kino." Gleiches gilt auch für die Aufmerksamkeit: „Die Umgebung um einen herum wird ausgeblendet, das Licht ausgemacht und die ganzen Geräusche sind einfach nicht mehr vorhanden. Dieses Fokussieren ist es, das Emotionen wesentlich schneller und direkter transportiert."

Es geht um die Seele im Haus

Doch genügt angesichts von 3D- oder sogar 4D-Filmen überhaupt noch der klassische 2D-Film? Oder geht der Trend immer mehr zum Eventkino? Für Baumann ist entscheidend, dass der Film im Mittelpunkt steht. Man brauche also erst einmal einen guten Film. „Wenn der Film nichts taugt, nützt es auch nichts, wenn er in 3D ist. Ein richtig guter Streifen funktioniert auch in 2D." Dennoch kann der Einsatz von moderner Technik auch einen guten Film noch besser machen: „Ich denke, Technik ist wichtig, aber nicht Mittel zum Zweck." Auf dem neuesten Stand ist zweifelsohne der Traumpalast in Leonberg. Das modernste Kino Deutschlands wurde Mitte 2016 eröffnet und verfügt über Innovationen wie 3D- und Dolby-Atmos-Technik sowie über bewegliche Sitze. Für Baumann sind es diese Innovationen, die das Kino-Erlebnis ausmachen. „Die Menschen erwarten, wenn sie zu uns ins Kino kommen, tatsächlich ein Erlebnis, das nicht nur auf den Film bezogen ist. Das ganze Drumherum muss passen."

Der Kinobesuch fängt also schon beim Eintreten ins Foyer an: „Den Besuchern muss ein Staunen ins Gesicht kommen", meint Baumann. In der Tat kann man in den Sälen der Traumpalast-Kinos aufwändige Lichteffekte, Installationen und künstlerische Wandmalereien bewundern. Jeder Kinosaal hat ein besonderes Motto: In der „Bibliothek" zieht sich eine längliche und hölzerne Bücherwand durch den Raum, in einem anderen leuchten die Lichter eines orientalischen Traums aus 1001 Nacht. Andreas Baumann erklärt das so: „Wir sind etwas Persönliches. Die Leute sollen reinkommen und sich vom ersten Moment an wohlfühlen. Neben einem guten Service gehört auch die Innenraumgestaltung dazu – es geht schlichtweg um die Seele im Haus."

Impressionen aus den Traumpalästen

Kinosäle in Leonberg und Schorndorf

Im Abendkleid ins Kino

Aktuell sollen also technische Innovationen und kreative Gestaltungen die Kinosäle füllen. Aber wie muss sich das Kino eventuell verändern, um auch in Zukunft zu bestehen? Andreas Baumann sieht dabei vor allem einen aktuellen Trend: „Wir werden immer mehr zum Event-Ort und nennen das Alternative-Content. Seit geraumer Zeit verwandeln wir den Kinosaal sogar zum Opernhaus." Konkret heißt das, dass es Live-Übertragungen aus den großen Opernhäusern der Welt gibt. Dabei locken die Kinobetreiber plötzlich ganz neue Zielgruppen an: „In manchen Häusern ziehen wir das so auf, als wären die Besucher selbst live in der Oper. Es gibt dann einen roten Teppich, Häppchen und Sekt in der Pause – manche kommen sogar im Abendkleid."

So viel Glamour braucht es im beschaulichen Rudersberg nicht. Hier steht die Wiege aller Lochmann-Kinos: Die Rudersberger Löwenlichtspiele. Nach dem Tod seiner Tante Gertrud, übernahm Heinz Lochmann das lokale Kino. Heutzutage bietet das traditionelle Lichtspielhaus ein spezielles Arthaus-Filmprogramm, welches bei Filmfans gut ankommt: „Man muss heutzutage eben schauen: Wo positioniere ich mich mit meinem Kino? Welches Einzugsgebiet habe ich? Welche Zielgruppe wohnt in der Nähe? Und was möchte diese sehen? Wenn ich mich darauf einlasse, kriege ich an jedem Ort etwas auf die Beine gestellt", erklärt Baumann. Ganz egal, wie sich das Kino in Zukunft entwickeln wird, eines gilt für die Rudersberger Löwenlichtspiele ebenso wie für das Cinema Paradiso im fernen Sizilien: „Kino wird es immer geben!", davon ist Andreas Baumann überzeugt.


Andreas Baumann erzählt aus seinem Berufsfeld und erklärt, was ihn dabei persönlich fasziniert.

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Über den Autor

Martin Granzow-Emden

Crossmedia-Redaktion/ Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2016