Innovative Heizversorgung

Elefantengras - die Alternative zu fossilen Brennstoffen?

14.01.2015

Anton Joachim aus Horb-Talheim ist einer der wenigen, der Miscanthusgras anbaut und sich damit selbst versorgt. Heizöl braucht er nicht mehr. Doch wieso haben sich der wundersamen Pflanze nicht schon mehr Menschen angenommen?

Ein Miscanthusfeld von Anton Joachim in Horb. Foto: Anton Joachim

Miscanthus, Riesen-Chinaschilf oder auch Elefantengras, die wundersame Pflanze hat viele Namen. Anton Joachim ist Energiewirt von Beruf und arbeitet bereits seit 2007 mit Miscanthus. Neben Anbau, Ernte und Verwendung des Grases gibt er auch Workshops und dient als Ansprechpartner für Menschen, die sich für den Brennstoff interessieren.

Joachim selbst wurde durch ein Seminar für Biomasse auf die Pflanze aufmerksam. „Es hat mich fasziniert, dass man nur einmal pflanzen muss, um 20 Mal ernten zu können". Sein Ziel war es, unabhängig von Öl und Gas zu sein. Mit 12 Hektar eigener Anbaufläche benötigt er nun nur noch 5% des Ertrags für sich selbst, den Rest der Ernte verkauft der Energiewirt an das Heizkraftwerk Stauferpark in Göppingen. Es ist eines der wenigen Heizkraftwerke in Deutschland, welche sich der Pflanze aus China angenommen haben. Dass der Talheimer von seinem Produkt überzeugt ist, beweist sein Hof: Neben einem jährlich geschaffenen Elefantengras-Labyrinth, verwendet er die Pflanze auch als Einstreu für seine Tiere. Mittlerweile sieht man Joachims Miscanthus sogar als Dekoration in Blumenbeeten verschiedener Gemeinden.

Zwanzig Jahre Heizölabstinenz

Zwei Jahrzehnte ohne Heizölkosten. Das klingt verlockend, doch wie kann das funktionieren?

Üblicherweise wächst eine Nutzpflanze nach dem Sähen ein Jahr. Der Miscanthus allerdings wächst ohne weitere Saat ungefähr zwanzig Jahre und benötigt lediglich in den ersten ein bis zwei Jahren Pflege in Form von Unkrautschutz und Dünger. Selbst bei der Wahl des Düngemittels ist die Pflanze nicht wählerisch, denn sie begnügt sich mit der Asche des im Vorjahr verbrannten Miscanthus.

Ein Hektar der Pflanze bringt in dem Raum Horb einen jährlichen Ertrag von ungefähr 16 Tonnen, welcher eine Menge von 6250 Litern an leichtem Heizöl ersetzen kann. Mit einem Hektar Elefantengras könnte man also schon ungefähr sechs Wohnungen beheizen. Während eines Jahres bindet der Miscanthus außerdem pro Hektar geschätzte 30 Tonnen CO2 und stellt somit eine klimafreundlichere Alternative zum Heizöl dar.

Mangelnde Umsetzung im Land

Bisher wird ein nennenswerter Anbau unter anderem in der Schweiz und in Österreich betrieben, aber wieso nicht in Deutschland?

Wenn man die großen Vorteile gegenüber fossilen Brennstoffen betrachtet, fällt es schwer nachzuvollziehen, wieso es nicht mehr von Energiewirten wie Anton Joachim gibt. Eine Ursache dafür sieht Peter Naab, technischer Abteilungsleiter des Stauferparks, in der mangelnden Bereitschaft der Landwirte sich 20 Jahre an eine Pflanze zu binden. Von städtischer Sicht hat sich Miscanthus jedoch „als zuverlässige Biomasse" gezeigt, so Naab. Durch die geringe Dichte beim Aufschütten des Grases braucht man jedoch deutlich mehr Lagerplatz als bei herkömmlichen Brennstoffen. Je geringer die Schüttdichte, desto aufwendiger ist es, große Mengen des Brennstoffes zu transportieren. Deshalb, sagt Peter Naab, ist die regionale Kooperation und damit ein kurzer Transport der wichtigste Faktor im Miscanthusanbau. Doch an diesem Punkt hapert es, bestätigt Anton Joachim. Es gebe zu wenig Informationen und Unterstützung der Kommunen. Außerdem, so der Energiewirt, gebe es keine Querdenker im Land.

Der Prozess eines typischen Miscanthusanbaus. Grafik: Lukas Walter erstellt mit Piktochart

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Über den Autor

Lukas Walter

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