Training der Zukunft?

EMS & Freeletics – Fitnesstrends auf dem Prüfstand

13.11.2014

Joggen, Kalorien zählen, stundenlanges Schwitzen im Kraftraum – schon das Lesen dieser Begriffe überanstrengt viele Fitnessmuffel. Hinzu kommt, dass oft Zeit oder Geld fehlen, um herkömmlichen sportlichen Betätigungen nachzugehen. Abhilfe sollen da neue Trainingsmethoden wie EMS oder Freeletics schaffen. Doch haben diese Alternativen echtes Potential das Training der Zukunft zu werden oder sind sie zu schön um wahr zu sein?

EMS steht für Elektromyostimulation. Mithilfe von Elektroden werden einzelne Muskelgruppen an eine Maschine angeschlossen, die in Intervallen Strom fließen lässt. Dadurch kontrahieren sich die Muskeln und sollen so nach und nach wachsen. Eine 20-minütige EMS-Einheit soll laut Studien der Sporthochschule Köln bis zu 20 Stunden Krafttraining ersetzen. Bevor die Elektromyostimulation ihren Weg in den Profisport einschlug, wurde sie bereits jahrelang in der Physiotherapie angewendet um Muskelabbau bei Verletzungen entgegen zu wirken.

Als Wunderwaffe sollte man die Trainingsmethode allerdings nicht betrachten, denn eine sportliche Figur ist auch hier mit Anstrengung verbunden. Während der Sportler „unter Strom steht" werden Übungen wie Liegestütze oder Kniebeugen durchgeführt. Die Stimulation intensiviert diese dann um ein vielfaches.

„EMS als Zusatzprogramm lohnt sich durchaus", sagt der 27-jährige Personal Trainer Michael, „aber komplett auf dieses künstliche Training verlassen würde ich mich nicht. Klar, dass Muskeln durch die Stromstöße wachsen ist unbestreitbar, aber Gelenke können elektrisch noch nicht trainiert werden. Wenn das Ziel mehr als nur ein fitteres Erscheinungsbild ist, sollte immer ein ausgewogenes Training ausgeübt werden. Das kann dann ja EMS einschließen."

Verbesserte Leistung in vier Wochen

Die vierwöchige Studie der Sporthochschule Köln zeigte, dass EMS in kurzer Zeit sowohl Kraft als auch Schnelligkeit signifikant verbessern kann. 80 Sportstudenten machten ohne Gewichte, aber mit elektrischer Stimulation Ausfallschritte und Kniebeugen. Die Leistung, die das Produkt aus Kraft und Schnelligkeit ist, verbesserte sich um ca. 30 Prozent. Besonders die Veränderung der Schnelligkeit überraschte, denn diese lässt sich schwer gezielt trainieren.

Fitter durch Freeletics

Unter Freeletics versteht man ein hochintensives Trainingsprogramm, bei dem keine Geräte benötigt werden. Der Übungswiderstand besteht allein in dem Körpergewicht des Trainierenden. Generell kombiniert das „freie Training" Übungen aus dem Bereich des funktionellen Trainings mit Laufeinheiten. Als funktionelles Training bezeichnet man Übungen, bei denen mehrere Muskelgruppen gleichzeitig beansprucht werden. Es werden also vielmehr Bewegungen als einzelne Muskeln trainiert.

Der Vorteil der Trainingsmethode besteht darin, dass keine Mitgliedschaft im Fitnessclub nötig ist. Parks, Sportplätze und ähnliches eignen sich hervorragend als Trainingsort. Eine Einheit kann zwischen 10 und 45 Minuten dauern – je nach Fitnessgrad. Freeletics kann man sowohl allein als auch in der Gruppe trainieren.

Auspowern bis zur totalen Erschöpfung

Das Ziel der Methode ist jedes Workout so schnell wie möglich zu absolvieren. Die Leistungszeit entspricht der Workoutzeit. Diese kann genutzt werden um sich mit anderen Athleten zu messen und die persönliche Motivation zu steigern. Über eine Webseite oder Handyapp erhalten die angemeldeten „Free Athletes" ein personalisiertes Trainingsprogramm und können ihre Fortschritte mit Usern aus der ganzen Welt teilen.

Wer seine Lieblingssportart findet bleibt fit

Der durchschnittliche Deutsche verbringt laut einer Studie der Technikerkrankenkasse sieben Stunden seines Tages im Sitzen. Ganze 52 Prozent der Deutschen outen sich als Sportmuffel. Dabei gab die Hälfte der Befragten an, dass ihr Bewegungsmangel am inneren Schweinehund liege. Ist der aber erst mal überwunden, greifen rund 39 Prozent regelmäßig zum Fahrrad . Weitere Lieblingssportarten sind Fitness, Wandern und Schwimmen. Immerhin drei Prozent der Deutschen tanzen gerne.

Klar ist, nur wer sich dauerhaft an seiner Trainingsmethode erfreut übt sie über einen langen Zeitraum aus. Deswegen ist es wichtig die Sportart zu finden, die der eigenen Persönlichkeit entspricht.

Die Trendsportarten EMS und Freeletics sind eine Erweiterung der Variation in der großen Welt des Sport. Auch Proband Jonas, der EMS und Freeletics ausprobieren durfte, bestätigt, dass es sich um ernst zu nehmende Alternativen handelt.

EMS und Freeletics - Fitnesstrends auf dem Prüfstand

Jonas probiert EMS und Freeletics aus.

Fünf Fragen an Marc Hoffmann – Freeletics Coach

Kann man Freeletics auch als Sportanfänger ausüben oder braucht man bereits eine gewisse Kondition?

„Das Schöne an Freeletics ist, dass Du selbst ohne Sporterfahrung mit Null Kondition starten kannst. In meinen Gruppentrainings veranstalten wir sogar extra „Newbee Sessions" um die korrekte Ausführung der Übungen sicherzustellen und Einsteiger zu motivieren dran zu bleiben. Oft entwickeln sich dadurch sogar echte Freundschaften."

Wann hast du angefangen sichtbare Erfolge zu sehen?

„Die ersten Erfolge waren schon nach 3 Wochen sichtbar. Was jedoch ein viel größerer Ansporn ist, ist das neue Körpergefühl, welches durch die gesteigerte Kondition ebenfalls nach sehr kurzer Zeit erzeugt wird. Plötzlich fühlt man sich fitter, frischer und hochmotiviert auch in anderen Bereichen des Lebens an sein Limit zu gehen."

Hat Freeletics das Potenzial dazu altbewährtes Krafttraining im Studio zu ersetzen?

„Es kommt dabei immer darauf an, welches Ziel ein Sportler verfolgt. Will man sich fit halten und Kraft sowie Kondition aufbauen ist es ein geniales Werkzeug, um klasse Ergebnisse zu erzielen."

Einen Freeletics-Trainingsplan dauert 15 Wochen an, was ist danach?

„Danach habe ich mehrere Möglichkeiten meine neu gewonnene Fitness zu nutzen. Entweder starte ich direkt eine neue 15 Wochen Runde oder ich gehe den nächsten Schritt und beginne mit dem sogenannten Freestyleworkout, bei dem ich ohne App meine vorher gelernten Übungen nach meinem eigenen Plan durchführe."

Was ist sonst noch zu beachten? Vor-Nach und während des Trainings?

„Vor dem Training empfehle ich meinen Sportlern leichtverdauliche Speisen zu sich zu nehmen. Während des Trainings sollte man auf jeden Fall genug Flüssigkeit zu sich nehmen und die natürliche Atmung beibehalten. Auch wenn es für den einen oder anderen banal klingen mag, es gibt immer wieder Sportler, die während harter Belastungsphasen die Luft anhalten, pressen und plötzlich einen Schwindelanfall bekommen. Beim Belasten ausatmen, beim Entlasten einatmen. Nach dem Workout auf keinen Fall zu stark dehnen, da es sonst zu Zerrungen kommen kann. Ansonsten freut man sich nach dem Workout am meisten auf ein gutes Essen, was man sich redlich verdient hat. Genießt es!"

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Über die Autoren

Jennifer N. Martínez

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