Tierschutz

Endstation Gnadenhof

03.07.2017

Tieren ein neues Zuhause bieten, wenn sie sonst keiner mehr haben will. Das ist die Hauptaufgabe des Gnadenhofes „animal hope“ in Illingen. Hier bekommen die Vierbeiner regelmäßig Futter, Streicheleinheiten und medizinische Versorgung. Doch so gut ging es ihnen nicht immer...

Felicia Ruhland mit ihrer mittlerweile 41-jährigen Stute Donatha. | Foto: Madita Dorn

Schläge, Hunger und Schmerzen haben zu Donathas Alltag gehört. Zusammen mit anderen Pferden ist sie auf engstem Raum eingesperrt. Es gibt kein Entkommen. Mehrmals wird die Stute vom Veterinärsamt (Tierschutzbehörde) Würzburg beschlagnahmt, doch immer wieder finden ihre Peiniger einen Weg sie zurückzuholen. Das Einzige, was ihr bleibt, ist der Versuch sich zu wehren. Sie entwickelt eine generelle Aggression gegen ihre Feinde, die Menschen. Das Pferd beißt und tritt jeden. Erst nach dem dritten Versuch gelingt die Rettung durch die Veterinäre.

Heute ist Donatha eines der rund 70 Tiere, die auf dem Gnadenhof „animal hope" leben. „Der Hof ist ein Ort, an dem Tiere in Würde und Liebe alt werden dürfen", erzählt Felicia Ruhland, Leiterin und Gründerin von „animal hope."

Die Geschichte des Gnadenhofs ist sehr emotional. Tiere zu retten und wieder aufzubauen sieht Felicia als ihre Bestimmung an. |Quelle: Chiara Hiller, Madita Dorn

Eine bunt gemischte Familie

Beim Betreten des 2,7 Hektar großen Grundstückes werden Besucher von Hundegebell begrüßt. Die Pferde traben über die Weiden. Im Stall essen die Schweine laut grunzend ihr Futter. Der Gnadenhof beherbergt viele Tiere – von Riesendogge bis hin zum Zwergkaninchen, hier findet jeder Vierbeiner ein neues Zuhause. Doch ist bei so vielen verschieden Spezies die artgerechte Tierhaltung noch gewährleistet? Hier orientiert sich Felicia an der Natur: „Meine Pferde halte ich alle zusammen in einem großen Offenstall, da sie Herdentiere sind und normalerweise 16 Stunden am Tag laufen. Deswegen werden meine Pferde auch so alt." Zur Selbstkontrolle und zur Vermeidung von Betriebsblindheit bittet sie außerdem selbst hin und wieder den Amtstierarzt auf das Gelände.

Felicia ist von Pferden umgeben aufgewachsen. Sie weiß, dass ihre Schützlinge viel Auslauf benötigen. | Foto: Madita Dorn

Unterstützung bei der täglichen Arbeit erhält Felicia von ehrenamtlichen Helfern, die zusammen mit ihr auf dem Hof leben. Eine davon ist Lissy, die nach einer gescheiterten Beziehung bei Felicia einen Neuanfang startete. Inzwischen ist sie seit einem Jahr auf dem Hof und übernimmt „als Mädchen für alles" Aufgaben wie Tiere füttern, mit den Hunden Gassi gehen oder Ställe ausmisten. Auch Benji, ein ehemaliger Obdachloser aus Stuttgart, nennt seit zehn Jahren „animal hope" sein Zuhause.

„Meinen Hof muss man sich wie eine Insel vorstellen. Es ist eine eigene heile Welt, in der viele verletze Seelen wieder Ruhe und Heilung finden, ob Mensch oder Tier." – Felicia Ruhland

Die Tiere auf dem Gnadenhof erzählen ihre Geschichte:

Freiwillige Helfer packen an

Der Gnadenhof finanziert sich vor allem aus den Spendenkonten des gleichnamigen Vereins „animal hope". Seit ungefähr 15 Jahren ist auch der Bund deutscher Tierfreunde ein wichtiger Förderer. Außerdem übernehmen Freunde des Hofes Patenschaften für einzelne Schützlinge und hin und wieder veranstaltet Felicia Hoffeste. Freiwillige Helfer führen die Hunde aus, striegeln Pferde oder schmusen mit Hasen. Der Jugendliche Len ist einer dieser Freiwilligen: „Ich darf daheim keinen Hund halten. Deshalb komme ich immer wieder gerne auf den Gnadenhof und gehe mit verschiedenen Hunde spazieren." Auch Sträflinge leisten hier ab und zu ihre Sozialstunden ab und helfen somit dem Hof.

Trotz der vielen helfenden Hände ist es laut Felicia immer ein Kampf ums Überleben. Da ihr Pachtvertrag ausläuft, sucht die Tierschützerin aktuell dringend einen eigenen Aussiedlerhof.

„Es ist immer eine Gradwanderung und es ist nie etwas um reich zu werden. Hier sind purer Idealismus und Passion gefragt." – Felicia Ruhland

Dieses Grundstück ist seit 17 Jahren Felicias Gnadenhof. Er bietet Zuflucht für viele Tiere, aber auch Menschen. | Foto: Madita Dorn

Härtefälle im Tierschutz

Damit genügend Platz für Notfälle vorhanden ist, vermittelt Felicia auch Tiere – vor allem Hunde – weiter. Schlimme Tierschutzfälle habe sie schon viele miterlebt, erzählt sie. Ein Extrembeispiel war ein heruntergekommener Pferdehof auf einem ehemaligen Fischzuchtgelände. Der Besitzer bereicherte sich an dem Geld, das für die Pferde gedacht war. Erst als sich Anwohner über einen übel riechenden Gestank beschwerten wurden die Behörden aufmerksam. Ein Pferd war in einem der alten Fischbecken verdurstet. Die anderen Tiere konnten noch gerettet werden.

Felicia meint, dass jedoch nur 20 Prozent der Tierschutzfälle rein aus menschlicher Bosheit entstehen würden. Oft seien Unsicherheit und fehlendes Wissen über die Tiere der Grund. „Ich bin schon oft zur Hilfe gerufen worden und habe dann gesehen, dass nicht das Tier das Problem war, sondern der Mensch. Dann versuche ich mit den Menschen zu reden und so findet man meistens eine Lösung", berichtet die Leiterin des Gnadenhofes. Felicia hat gelernt, Tiere zu verstehen. Sie findet es schade, dass das vielen Menschen so schwerfällt. „Das Schlimmste ist für mich, dass den Tieren immer noch ihr Herz und ihre Seele abgesprochen wird. Sie haben genauso ihre Gefühle und Gedanken wie wir, nur können sie uns das nicht so einfach zeigen." Als Beweis dafür sieht sich Felicia selbst mit ihrer tiefen Verbindung zur Stute Donatha. Diese lebt nun schon seit 23 Jahren auf dem Gnadenhof „animal hope" und ist dort nicht mehr wegzudenken. Sie gehört zur Familie.

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Über die Autoren

Madita Dorn

Crossmedia-Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 16/17

Chiara Hiller

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Eingeschrieben seit: Wintersemester 16/17