Stromproduktion

Energiewende in der Fitnessbranche?

18.12.2014

Circa 8 Millionen Bundesbürger schwitzten 2013 in kommerziellen Fitnessstudios - Tendenz steigend. Ausdauergeräte, wie Fahrradergometer, sind oft ein fester Bestandteil jeder Trainingseinheit. Einige Fitnessanbieter versuchen diese Geräte zur Energieproduktion zu nutzen. Der Freizeitsportler von morgen als potenzielle Kraftquelle? Wie realistisch ist dieses Szenario? Wunschdenken oder schon längst Realität?

Tagtäglich verrichten Breitensportler physikalische Arbeit in den 7940 Fitnessstudios Deutschlands. Dies tun sie aus den unterschiedlichsten Gründen. Ein Großteil möchte etwas für seine Gesundheit tun, andere wiederum wollen ihre Leistung steigern oder aber ihre Figur verbessern. Doch durch Fitnesstraining einen Beitrag zum Klimaschutz leisten? Dieses Motiv könnte in Zukunft vielleicht häufiger unter den Studiomitgliedern anzutreffen sein.

Pionierarbeit in Berlin

In einer Berliner Fitnessanlage können Mitglieder seit 2009 an den Ausdauergeräten ihren eigenen Strom produzieren. Die Geräte verfügen über einen Anschluss für elektronische Geräte, somit kann der Kunde beispielsweise sein Tablet oder Smartphone aufladen. Rene Eick, Inhaber des Studios und gelernter Raumfahrttechniker, hat die Geräte in Eigenregie umgebaut. Dazu wandte er sich zunächst an die Hersteller und forderte Konstruktionspläne der Ausdauergeräte an. Bei der Lektüre der Pläne ging ihm ein Licht auf: „Ich hatte sofort die Assoziation: Stromerzeugung im Auto. Damit schien es eine realistische Chance zu geben, einen technisch machbaren Weg zu finden, die erzeugte Energie in irgendeiner Form nutzbar zu machen", so Eick. Zusammen mit seinem Vater, einem Elektroingenieur, und weiteren Elektrotechnikern tüftelte er in einer Garage an der technischen Umsetzung. Das Team schaffte es 19 Ausdauergeräte für die Stromerzeugung fit zu machen. Jedes Gerät produziert durch eine Art Lichtmaschine Strom. Dieser elektrische Generator wandelt, analog dem Dynamo beim Fahrrad, mechanische in elektrische Energie um. Den produzierten Strom speichert Eick in einer Solarbatterie zwischen. Von hier aus nutzt er ihn teilweise zur Beleuchtung seines Studios oder er gibt ihn an die eigentlichen Produzenten, die Sportler, weiter. Diese können sich dann beispielsweise ihre geleistete Arbeit, in Form eines vollgeladenen Handys, mit nach Hause nehmen.

Doch Eick ist nicht nur Tüftler sondern auch Marketingstratege: Er änderte den Namen des Studios von Gold’s Gym Berlin in Green Gym Berlin. Neuerdings können sich seine Mitglieder sogar einen sogenannten Energiepass ausstellen lassen. Wenn sie in einem bestimmten Zeitraum fleißig Energie produzieren zahlt, sich diese Leistung in einem reduzierten Monatsbeitrag aus. „Wir wollen unsere Mitglieder auf diese Weise zur bewussten Bewegung motivieren, denn je nachdem wie gut das Energiekonto jedes Einzelnen gefüllt ist, sind bestimmte Vergünstigungen geplant, von denen die Mitglieder dann auch direkt profitieren können", sagt Eick.

Grüne Fitness in den USA

Ein Bewusstsein für körperliche Bewegung und Strom wollte auch die studentische Projektgruppe HPG (Human Power Generation) an der University of California, in Berkeley bei San Francisco schaffen. In einer Machbarkeitsstudie untersuchten sie die Energieeinsparpotenziale, an der universitären Fitnesseinrichtung RSF. Durch die Nutzung von körperlicher Bewegung an Ausdauergeräten sollte die Energieeffizienz gesteigert werden. Das Ergebnis: Wenn das Unisportzentrum 28 seiner Crosstrainer umbauen würde, ließen sich damit jährlich 10 000 kWh Strom produzieren. Diese Menge entspricht einem durchschnittlichen Jahresenergieverbrauch zweier Fünf-Personen-Haushalte. Für das riesige Unisportzentrum ist diese Energiemenge jedoch verschwindend gering, könnte es damit lediglich ein Prozent seines jährlichen Energieverbrauchs decken. Finanziell würde sich ein Geräteumbau somit für das RSF nicht lohnen. Die Kosten-Nutzen-Analyse ist ernüchternd: Das Projekt würde sich erst in 20 Jahren amortisieren.

Projekt: Human-powered Gym, University of California, Berkeley

Die studentische Forschergruppe HPG stellt das das Projekt: Human-powered Gym am Hochschulsportzentrum der University of California, Berkeley vor.

Energiebewusstsein schaffen

Obwohl sich das Projekt in Berkeley wirtschaftlich nicht auszahlt, so erfüllt es nach Ansicht der Studenten doch eine wichtige Bildungsfunktion: Energie wird greifbar und es entsteht ein Bewusstsein für den Energieverbrauch von Trainingsgeräten. Denn nur wenige Sportler wissen, dass Laufbänder wahre Stromfresser sind. Während Crosstrainer in einer Stunde lediglich 15 Watt verbrauchen, schlucken Laufbänder bis zu 2000 Watt in derselben Zeit. Diese Problematik wird von einigen Geräteherstellern, in Form von energiesparenden Laufbändern, zunehmend aufgegriffen. Doch Ausdauergeräte, die Strom produzieren, bleiben nach wie vor eine Randerscheinung. Von einer Energiewende in der Fitnessbranche kann deshalb noch keine Rede sein. Rene Eick hat trotzdem schon mal ein Patent auf ein von ihm entwickeltes Steuerelement angemeldet. Bis sich die stromproduzierenden Geräte im Markt durchsetzen, sollte der umweltbewusste Fitnessstudiogänger also möglichst auf die Nutzung von Laufbänder verzichten und stattdessen auf Crosstrainer oder Fahrradergometer umsteigen.

Wie hoch ist der Stromverbrauch von Ausdauergeräten und wie viel Strom lässt sich mit ihnen produzieren? (Grafik: Alexander Wallach)

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Über den Autor

Alex Wallach

Crossmedia-Redaktion-Public-Relations
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