Unterschätze Droge

Erste Regel: Rauf den Pegel!

31.01.2017

„Keine gute Geschichte beginnt mit Salat.“ Ein Zitat das für eine ganze Jugendkultur als Rechtfertigung für ungesunden Alkoholkonsum herhalten muss. Können die witzigen Geschichten Krankheiten, Gewalt und Familientragödien aufwiegen?

Alkohol - das beliebte Genussmittel gehört mittlerweile einfach dazu.

Es ist drei Uhr morgens. Eigentlich würdest du um diese Uhrzeit schlafen und nicht zu dem Song tanzen, bei dem du sonst im Radio immer wegdrückst. Du hättest nicht einmal getraut die Person anzusprechen, mit der du jetzt glückstrunken durch die Straßen deiner Stadt läufst. Es wäre nie ein so gelungener Abend geworden, an dem du über die simpelsten Dinge gelacht hast.

Alkohol – Die Zauberformel für ein gelungenes Fest funktioniert! Und das schon seit der Mittelsteinzeit. Mit Beginn des industriellen Zeitalters nahm die Verbreitung alkoholischer Getränke zu. Dadurch machten sich auch die gesundheitlichen Folgen immer stärker bemerkbar. Diese Gesundheitsrisiken werden allerdings oft unterschätz. Wir sind der Meinung Alkohol könne uns persönlich nichts anhaben. Dies hat weitreichenden Folgen, denn es gibt keinen risikolosen Alkoholkonsum. Neben Alkohol können auch andere Stoffe oder Verhaltensweisen süchtig machen. Schokolade, Kaffee, Nikotin, Glücksspiel, Internet und vieles mehr. Das muss nicht immer zum Problem werden, aber gerade Alkohol und Zigaretten haben ein sehr hohes Suchtpotenzial.

Abhängigkeit

Die wichtigste Voraussetzung ist die einfache Verfügbarkeit einer Droge. In Deutschland gelten rund 1,3 Millionen Menschen als alkoholabhängig. Doch was ist Abhängigkeit überhaupt und wie kommt es dazu?

Um als Alkoholabhänig zu gelten, müssen drei der sechs Kriterien erfüllt sein:
1. Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, die Substanzen zu konsumieren.
2. Verminderte Kontrollfähigkeit in Bezug auf den Beginn, die Beendigung oder die Menge des Konsums.
3. Ein körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduktion des Konsums, nachgewiesen durch substanzspezifische Entzugssymptome.
4. Nachweis einer Toleranz gegenüber der Substanz, im Sinne von erhöhten Dosen, die erforderlich sind, um die ursprüngliche Wirkung hervorzurufen.
5. Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügungen oder Interessen zugunsten des Substanzkonsums sowie ein erhöhter Zeitaufwand, um die Substanz zu konsumieren.
6. Anhaltender Substanzkonsum trotz des Nachweises eindeutig schädlicher Folgen.

Vereinfacht erklärt sich die Abhängigkeit von einem Stoff, mit der Fehlsteuerung des Belohnungssystems. Hier ist Dopamin der wichtigste Botenstoff. Das Belohnungssystem ist für die Auslösung von Glücksgefühlen zuständig. Man möchte Handlungen, wie beispielsweise essen, immer wiederholen, da es mit positiven Gefühlen belohnt wird. Auch Drogen stimulieren das Belohnungssystem und bewirken, dass wir uns gut fühlen. Dadurch entsteht das Verlangen: Wir erinnern uns an die positiven Gefühle und wollen diesen Zustand wiederherstellen. Außerdem tritt bei Suchtmitteln keine Sättigung ein. Das Belohnungssystem will immer mehr. Durch regelmäßigen Konsum kann die Ausschüttung der Neurotransmitter gehemmt und die Anzahl der Rezeptoren verringert werden. Deshalb wird eine immer höhere Dosis benötigt um den ursprünglichen Effekt zu erzielen. Man spricht von einer Toleranzentwicklung. Dabei wird die Psyche und auch der Körper immer abhängiger von dem Suchtmittel.

Alkohol gelangt über die Schleimhäute in den Blutkreislauf und somit in den gesamten Körper. In etwa 30 bis 75 Minuten ist das Maximum der Blutalkoholkonzentration (BAK) erreicht. Die Abbaugeschwindigkeit beträgt konstant zwischen 0,1 und 0,2 Promille pro Stunde.

Schäden

Alkohol verteilt sich durch die Blutbahn im ganzen Körper. Länger andauernder Alkoholmissbrauch kann daher beinahe alle Organe schädigen. Vor allem die Leber wird beeinträchtigt, da sie größtenteils für den Abbau des Alkohols zuständig ist. Oftmals ist Leberzirrhose die Folge, welche auch zum Tod führen kann. Besonders zu nennen ist außerdem die zerstörerische Wirkung auf das Gehirn. Neben den körperlichen Folgen machen sich meist auch psychische Probleme bemerkbar. Die Betroffenen leiden oft unter Stimmungsschwankungen, Angstzuständen und Depressionen, was schlimmstenfalls zu Selbstmordgedanken führt. Auch Persönlichkeitsveränderungen wurden bereits bei vielen Alkoholikern nachgewiesen. Oft leiden darunter nicht nur sie selbst, sondern vor allem auch die Menschen im näheren Umfeld. Beziehungen und Ehen zerbrechen. Dadurch entstehen immer weitere Probleme, welche wieder zum Alkoholkonsum führen können. Ein nie endender Teufelskreis.

Alkohol = Alkoholismus?

Nein, das stimmt natürlich nicht. Es gibt einerseits das genussvolle Trinken nach der Arbeit oder zu besonderen Anlässen. Die unheilvolle Seite des Alkohols, muss allerdings ebenfalls beleuchtet werden. Die Grenzen zwischen Genuss, gesundheitsgefährdendem Konsum und schwer heilbarer Sucht sind fließend. Auf Dauer wird es immer schwieriger, diese Grenzen wahrzunehmen und zu kontrollieren. Manchmal ist es eine Ausnahmesituation, die den Genuss in Sucht verwandelt. Es kann aber auch ein jahrzehntelanger Prozess sein, in dem aus dem täglichen Feierabendbier eine übermächtige Droge wird, gegen die man sich nicht mehr aus eigener Kraft wehren kann.

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Über die Autoren

Fenja Fecht

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