Leben und kochen in Syrien

Es war einmal ein Syrien vor dem Krieg

07.07.2015

Auswandern nach Syrien. Das ist heute unvorstellbar, 2001 jedoch nicht. Damals ging Sarah mit ihrer Familie nach Syrien. Es war das Land ihrer Träume, sie gingen jedoch nicht in Erfüllung. Mit DIYA spricht Sarah über ein Land, das wir nur aus den Nachrichten kennen.

Als Sarah 2001 nach Syrien kommt ist das Land im Aufbruch. Ein Jahr zuvor ist Hafi al-Assad gestorben. Er war das Familienoberhaupt der Assad Familie und herrschte 30 Jahre lang als Diktator über Syrien. Sein Sohn Baschar al-Assad tritt die Nachfolge an und erfüllt den Wunsch nach Reformen. Er entlässt politische Flüchtlinge, zieht Truppen aus dem Libanon ab und legalisiert das Internet. Syrien ist im Aufbruch, es scheint als hätte man die Diktatur überwunden.

Kinderaugen sehen anders

Sarah zog mit ihrer Familie zu Verwandten nach Damaskus. Dort besuchte sie eine staatliche Schule und erlebte ein ganz neues, aber auch fremdartiges Gefühl von Gemeinschaft. „Wir trugen Uniformen und sangen gemeinsam beim morgendlichen Appell. Es war eine unbeschwerte und schöne Zeit", erinnerte sich Sarah. Dass sie neben Mathe und Englisch auch Militärunterricht hatte oder schwören musste, Syrien mit ihrem Leben zu verteidigen, nahm Sarah und ihre Klassenkameraden nicht ernst. „Für uns war es nur ein Spruch, der unser Gemeinschaftsgefühl ausdrückte. Nicht mehr", sagte Sarah.

Kinder sind ehrlich

Doch auch außerhalb der Schule merkte sie, dass Syrien die Diktatur noch nicht überwunden hatte. Als die Präsidentschaftswahlen anstanden, wunderte sich Sarah über die Plakate in den Straßen von Damaskus. „Es hingen nur Plakate von Assad in den Straßen. Ich musste lachen, als die anderen Kinder sagten, es seien eben Wahlen", erinnerte sich Sarah. Sie erklärte ihren Schulfreunden, dass es keine Wahl sei, wenn man nur einen Partei wählen könnte. Als ihre Eltern davon erfuhren, verbaten sie Sarah über Politik zu reden. „Mein Mutter warnte mich, die Wände hätten Ohren", berichtete Sarah.

Zurück in die Heimat geht nicht mehr

2005 verließ ihre Familie Syrien erneut. Der Wunsch zurückzukehren, blieb jedoch. Sie vermisste ihre syrische Familie, den Zusammenhalt und die uneingeschränkte Gastfreundschaft, die es hier in Deutschland nicht in dem Maße gebe. Nur zwei Jahre später reiste Sarah erneut nach Syrien. „Ich wollte in Syrien leben, aber es ging nicht", sagt Sarah. Alle Vorzüge des Landes konnten nicht über die massive Einschränkungen der Rechte, vor allem der von Frauen, hinwegtäuschen. Nach einem halben Jahr kehrte Sarah nach Deutschland zurück. Seitdem ist sie nicht mehr in Syrien gewesen.

Ein Stück Heimat in Deutschland

Trotzdem fühlt sie sich mit der syrischen Kultur und Lebensart tief verbunden. Wie durften uns bei einem Besuch von der kulinarischen Kultur Syriens und Gastfreundschaft überzeugen lassen. Zusammen mit Sarah haben wir ein typisch syrisches Gericht gekocht und über ihre Zeit in Syrien gesprochen:

Typisch arabisches Maklube gekocht von Sarah

Zum mitkochen, einfach die Zutaten vom Rezept unten bereitelegen und hier im Video schauen wie es genau geht.

Ohne viel Aufwand könnt ihr selber syrisch kochen, probierts aus! Infographik: Matthias Wiench

Total votes: 614
 

Über die Autoren

Bertram Oeler

Medienwirtschaft
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2014

Matthias Wiench

Medienwirtschaft
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2014