Grüner Motorsport

Formel E – wie eine Horde Düsenjets

09.02.2015

Der Motorsport ist seit jeher als Umweltverschmutzer verschrieen. Mit der Neugründung der Formel E soll eben dieses negative Image aufpoliert und vor allem das Thema Nachhaltigkeit in die Öffentlichkeit transportiert werden.

Man kennt es aus dem alten Rom. Brot und Spiele, Gladiatorenkämpfe und Wagenrennen. Alles diente damals einem Zweck: Der Volksbelustigung. Schaut man sich heute im 21. Jahrhundert um, findet man in Boxkämpfen und im Motorsport in etwa das Gleiche. Gerade der Motorsport und seine Königsklasse, die Formel 1, ist derzeit in aller Munde. Die Motorsport-Welt blickt dieser Tage nach Abu Dhabi zum großen Titelshowdown zwischen den Mercedes-Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton. Doch hinter den Kulissen der PS-Glamourwelt im Golfstaat gibt es zahlreiche Probleme rund um den Formelsport. Das Hauptproblem ist die massive Umweltbelastung. Zur Verdeutlichung einige Zahlen: Jedes Auto hat pro Rennen 100 Kilogramm Benzin an Bord. Nimmt man das mal 22 Autos und mal 19 Rennen, dann ergibt sich ein Verbrauch von 41, 8 Tonnen Benzin pro Saison - die Trainingssitzungen nicht eingerechnet wohlgemerkt. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Betrachtung des Reifenverbrauchs. Jedem Piloten stehen pro Rennwochenende gesamt 20 Reifensätze zur Verfügung. Summa summarum werden im Laufe einer Saison also über 30 000 Reifen verschlissen. Durchaus frappierende Zahlen.

Alles passiert samstags

Die Formel E steht im Kontrast zur Superlative der F1 und will zum einen den Sport zu den Menschen bringen und zum anderen die E-Mobilität fördern. Beim ersten Rennen in Peking konnte zumindest das erste Ziel erreicht werden. Die Rennboliden fuhren vor vollen Rängen. Ob die elektrische Mobilität in die Köpfe der Menschen vor Ort gebracht werden kann, muss sich erst noch zeigen. Doch fest steht schon jetzt: Die Formel E wird wahrgenommen. In Deutschland berichteten zahlreiche überregionale Zeitungen wie die BILD, der Spiegel und die Süddeutsche von der Rennpremiere in China. Allein die Zusammenfassung im Fernsehen hatte auf Anhieb mehr als 300 000 Zuschauer. Das neue Championat ist anders – vor allem im Vergleich zur Formel 1.

Infografik Vergleich Formel 1 und Formel E (Graphik: Sebastian Buck)

In einer Zeit, in der die Menschen gerade noch die Aufmerksamkeit für 140 Twitter-Zeichen aufbringen können, trifft die neue Rennserie den Nerv der Eventgesellschaft. Mitten in großen Metropolen drehen die Elektro-Flitzer ihre Runden. Und das ganz ohne große Lärmbelastung, denn die Autos sind gerade einmal so laut wie handelsübliche PKW. Ein weiteres Plus der Serie ist die Straffung des Programms. Training, Qualifikation, Rennen, alles wird am Samstag durchgeführt. Zudem ist die Serie kein Spielplatz von No-Name-Fahrern oder Neueinsteigern. Namen wie Nick Heidfeld, JarnoTrulli oder Lucas di Grassi sind nicht nur in Motorsportkreisen bekannt. „Die Formel E hat nach der Formel 1 und der DTM das wahrscheinlich beste Fahrerfeld weltweit", meint Mark Schneider, Pressesprecher bei Abt-Audi.

Technische Finessen unter der Haube

Der Abt-Rennstall aus Kempten ist das einzige deutsche Team in der neuen elektrische Renn-Welt. „Für ABT Sportsline ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Elektrifizierung des Automobils eine große Rolle spielen wird. Die Formel E bietet eine ideale Möglichkeit, die Entwicklungen voranzutreiben und die eigenen Kompetenzen auf diesem Gebiet unter Beweis zu stellen", führt Schneider zu den Beweggründen der Teilnahme aus.

Entwickelt wurden die Boliden der Formel E hingegen schon vor Saisonstart. Hervorzuheben ist die doppelte Energierückgewinnung. Zum einen wird beim Bremsen die frei werdende Energie in einer Batterie zwischengespeichert, um dann bei Bedarf eingesetzt zu werden. Die zweite Variante ist mit einem sechsstufigen Schalter hinter dem Lenkrad gekoppelt. Je nach Einstellung bremst der E-Motor die Hinterachse unterschiedlich stark ab. Auch hier wird Energie frei, die ebenfalls zwischengespeichert wird. Zusammen mit der Hauptbatterie, die im Rennmodus 150 Kilowatt leistet, hält ein Formel-E-Bolide 25 Minuten lang, ehe der Pilot ins zweite Auto steigt. Genau hier setzt auch die Kritik an der Serie an. Die geringe Reichweite, auch das Hauptproblem eines aktuellen Elektro-Fahrzeugs, werde durch die kurze Haltbarkeit der Boliden regelrecht illustriert, kritisieren Umweltverbände wie der BUND. Hinzu kommt, dass die Batterien von Dieselgeneratoren geladen werden müssen, um das Stromnetz der Metropolen nicht zu überlasten. Der hauseigenen Nachhaltigkeitsbericht der Formel E propagiert, dass durch die Außenwirkung der Serie in 25 Jahren rund 900 Millionen Tonnen CO2 eingespart würden. Doch dann ist die Verwendung von Dieselaggregaten zur Aufladung eher suboptimal.

Nichtsdestotrotz können sich deutsche Motorsportfans auf den 30. Mai 2015 freuen. Dann geht die neue Motorsportliga in Berlin auf Zeitenjagd. Mark Schneider freut sich auf das Heimrennen: „Es werden viele Fans erwartet. Der deutsche ePrix kann sich zu einem Highlight der Serie entwickeln." Er ist davon überzeugt, dass die E-Renner, die beim Start an eine Horde Düsenjets erinnern, beim deutschen Publikum gut ankommen.

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Über den Autor

Sebastian Buck

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