Stadttauben Projekt

Friede, Taube!

14.01.2015

Einstmals des Menschen bester Freund, gilt die Taube heute als Plage und Schädling. Es begann ein Krieg um die Dachgiebel der Stadt. Mittlerweile hat sich der Tierschutz den Tauben angenommen. Silvie Brucklacher-Gunzenhäußer hat in Stuttgart deswegen ein besonderes Projekt ins Leben gerufen. Es soll die Menschen vor den Tauben und die Tauben vor den Menschen schützen.

Stadttauben

„Ratten der Lüfte", Plage, Schädling. Tauben sind nicht gerade beliebt. Dabei geht es den Tieren in den Städten oft richtig schlecht. Ein besonderes Projekt soll helfen.

„Es gibt sehr viele Tauben, das kann man auf jeden Fall sagen. Sie als Problem zu bezeichnen ginge aber zu weit." sagt Stefan Kinkeling vom Ordnungsamt der Stadt Stuttgart. Die Betreiber von Imbissständen sehen das jedoch anders. „Die kommen ständig herein und laufen sogar bis in die Küche! Wir sind den ganzen Tag damit beschäftigt die Viecher wieder weg zu jagen. Wenn das mal jemand mitkriegt, bekommen wir bestimmt Probleme." Beklagt sich die Bäckereifachverkäuferin Mirjam Schöller. Und tatsächlich: Wer die Hygienevorschriften nicht einhält riskiert Bußgelder bis zu 5000 Euro.

Engagement für die „Ratten der Lüfte"

Doch nicht Jeder sieht in den Tieren eine Plage, sondern schlicht Lebewesen, „die eben auch nur Hunger haben". Unter Ihnen ist auch Silvie Bucklacher-Gunzenhäußer. „Es ist unmöglich wie die Menschen mit den Tauben umgehen und das, obwohl sie die Tiere selbst in die Städte geholt haben!" findet sie. Als Taubenbeauftragte erreichen sie ständig Nachrichten über verletzte Tiere, die sich an Stacheln aufgespießt haben oder in Netzen festhängen. Vor sieben Jahren rief sie deshalb das Stadttaubenprojekt Stuttgart ins Leben. In eigens eingerichteten Taubenschlägen bekommen die Tiere Nistplätze, Wasser und artgerechtes Futter. Sobald die Vögel Eier legen, werden diese durch Gips-Attrappen ersetzt. Über 8000 Eier wurden bisher ausgetauscht. Auf diese Weise soll die Taubenpopulation nachhaltig und tierfreundlich verringert werden.

„Einfach nur warten"

Die Realität sieht jedoch anders aus. Um die Anzahl der Tiere tatsächlich zu verringern bräuchte es laut Silvie Brucklacher-Gunzenhäußer mindestens zwanzig solcher Taubenschläge. Derzeit gibt es allerdings gerade einmal sieben. Der Stadt stünde zwar genug Geld zur Verfügung, doch es gibt keine Standorte für neue Taubenschläge. Von dem Geld soll nun ein Teil verwendet werden, um eine halbe Stelle für einen Taubenbeauftragten einzurichten. Dessen Aufgabe soll es sein neue Standorte zu finden.

Die Taubenschützer arbeiten zwar eng mit der Stadt zusammen, dennoch liefe vieles nur zäh. „Das Problem ist die Verwaltung. Die ganze Stadt, die ganzen Bürger. Alles wird verwaltet. Da wird etwas vorgeschlagen, dann besprochen und dann warten. Einfach nur warten. " erzählt Silvie Brucklacher-Gunzenhäußer.

Das Projekt ist ein Erfolg

Seit zwei Jahren wartet sie nun auf den neuen Taubenschlag in der Kriegsbergstraße. Im Zuge von Stuttgart 21 Bauarbeiten wurde ein Schlag abgerissen. Tauben sind jedoch sehr standorttreu. Haben sie einmal einen Nistplatz gefunden, verlassen sie diesen normalerweise nie mehr. Durch den Abriss, irren nun etwa 300 verwirrte Vögel am Hauptbahnhof umher. Die Bauarbeiten für einen neuen Taubenschlag in der Kriegsbergstraße waren bereits beinahe abgeschlossen. Gefehlt hatte nur ein Kran, der den Schlag auf das Dach hievt. Für eben diesen Kran gab es allerdings keine Genehmigung, so dass das Projekt abgeblasen werden musste. Silvie Brucklacher-Gunzenhäußer ist enttäuscht: „Das sind die Dinge, die ich nicht verstehen kann. Die machen es mir als Ehrenamtliche manchmal so schwer, dabei zu bleiben". Trotzdem glaubt die Taubenschützerin an das Projekt: „Achteinhalb Tausend nicht geborene Tauben sind ein Erfolg! Denn kein geborenes Täubchen hätte ein gutes Leben, sondern nur ein echtes scheiß Leben!"

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Über den Autor

Linda Dörr

Crossmedia-Redaktion/PR
Eingeschrieben seit: SS14