Das smarte Leben

Gadgets als Alltagshelfer

14.01.2016

Smartwatches, Fitnesstracker und Co. zieren die Handgelenke vieler Menschen. Schon längst ist es alltäglich geworden, dass Menschen mit ihrer Uhr sprechen. Diese sogenannten „Gadgets“ oder „Wearables“ verlängern die Funktionen von Smartphones an das Handgelenk. Doch wie beeinflussen sie das Verhalten ihrer Träger?

Markus kann über seine Apple Watch vieles steuern, für das er zuvor sein Handy brauchte. (Foto: Felix Schwarz)

Markus macht gerade seinen Master in Unternehmenskommunikation an der Hochschule der Medien in Stuttgart und besitzt seit einem halben Jahr eine Apple Watch. Für ihn ist dieses Gadget vor allem eine Erleichterung im Umgang mit dem alltäglichen Informationsaufkommen. „Wenn man mit der S-Bahn fährt, haben nahezu alle Leute in unserem Alter ihr Handy in der Hand und mir ging es bisher auch immer so. Als ich die Uhr neu hatte und zum ersten Mal mit der Bahn gefahren bin, ist mir aufgefallen, dass ich einfach mal nur die Menschen um mich herum angeschaut habe", berichtet er. Durch seine Smartwatch habe er wieder mehr Zeit seine Umwelt bewusster wahrzunehmen und fühle sich weniger an sein Handy gebunden. Er kann seine Musik steuern, den Kalender durchgehen und in Kurzform auf Nachrichten antworten. Statt ständig auf dem Smartphone nach Neuigkeiten zu suchen, nimmt er nur noch die Benachrichtigungen wahr, die seine Uhr ihm durch ein kurzes „Antippen" liefert. „Leute, die kritisieren, dass Smartwatches einem noch mehr Zeit rauben, haben so etwas meistens einfach noch nie ausprobiert." Fitness- und Gesundheitsapps spielen für ihn keine Rolle. Wenn Markus joggen geht, zieht er seine Apple Watch bewusst nicht an. Alle Funktionen, die Daten über ihn sammeln, hat er ausgeschaltet. „Ich brauche kein Gerät, das mir sagt, wann ich Sport machen oder trinken soll."

Christian trägt an beiden Armen Technik. (Foto: Felix Schwarz)

Ganz anders geht es da Christian, Medienmanagement Student

„Mein Fitnessarmband erinnert mich daran regelmäßig zu trinken. Dadurch fühle ich mich gesünder." Christian, Medienmanagement Student, trägt mittlerweile an beiden Handgelenken smarte Geräte. Seit einem dreiviertel Jahr nutzt er nun ein Fitnessarmband, seit zwei Wochen zusätzlich eine Smartwatch der Firma Pebble. Um die Funktionen zu vergleichen und auszuloten, welches Gerät für welchen Zweck besonders geeignet ist, testet er beide parallel. „Am Anfang war die Pebble so programmiert, dass sie bei jeder Benachrichtigung auf meinem Handy vibriert hat. Das war schon ziemlich störend. Mittlerweile bekomme ich aber nur noch von mir piorisierte Mitteilungen." Auch er fühlt sich erleichtert durch die Technik an seiner Seite. Vor allem aber nutzt er die Funktion sich an verschiedene Dinge zu erinnern. Nach mehreren gescheiterten Versuchen führt er jetzt zum Beispiel das erste Mal schon zwei Monate am Stück ein Haushaltsbuch. Zwei Mal am Tag erinnert ihn sein Armband daran Einkäufe nachzutragen. Aber auch der Schrittzähler ist für ihn ein eine interessante Funktion. „Ich mache zwar nicht unbedingt mehr Sport als vorher, es ist aber immer ein schönes Gefühl, wenn man sein Tagesziel an Schritten erreicht hat", erzählt Christian. Für ihn kommt so zum gesundheitlichen Mehrwert durch die Trink-Erinnerungen auch ein psychologischer Effekt hinzu. Smartwatch und Fitnesstracker sollen nicht das Ende der Gadget-Fahnenstange sein: Mittlerweile hat er sich sogar eine smarte Wasserflasche bestellt, die ihn ebenfalls an die regelmäßige Flüssigkeitszufuhr erinnern soll.

Dominiks Handgelenke sind frei von smarten Helfern. (Foto: Felix Schwarz)

Bewussteres Leben statt ständiger Erreichbarkeit

Auch Dominik kam schon mit Gadgets in Berührung. Das erste Mal während eines Selbsttests mit einem Fitnessarmband in einer seiner Vorlesungen. Wie Markus und Christian studiert auch er „irgendwas mit Medien". Gleiche Hochschule, gleiches Umfeld. Er fühlt sich allerdings nicht zugehörig zur selben Technik-affinen Zielgruppe. „Das Armband empfand ich als sinnlos. Es konnte nichts, was mein Handy nicht auch schon kann." Außerdem hatte er von Anfang an das Gefühl überwacht zu werden. Immerhin konnte das Band nur seine Schritte zählen. Seinen Herzschlag hätte er nicht preisgeben wollen. Selbst der Schrittzähler funktionierte für ihn als Kampfsportler aber nicht zuverlässig genug. „Nach einem Tag hartem Bodentraining hatte ich die gleiche Laufleistung wie nach einem Tag, den ich auf dem Sofa verbracht hätte. Schon ein leichtes Schütteln der Hand reicht um einen Schritt zu zählen." Nach zwei Wochen Selbsttest war sein Band auch schon kaputt. Für ihn ist diese Technik ein Schritt in die falsche Richtung. Irgendwann merkte er, dass seine Aufmerksamkeitsspanne immer weiter sank. Selbst beim Sport mit seinen Freunden war er zwar physisch anwesend, aber mit seinem Kopf doch woanders. Jetzt versucht er seine Erreichbarkeit schrittweise zu reduzieren und das Smartphone auch mal für eine Weile weg zu legen. „Ich möchte wieder bewusster leben", sagt Dominik. Er glaubt, dass man sein Umfeld erziehen kann. „Wenn man weiß, dass jemand erst drei Tage später auf eine Mail antwortet, dann schreibt man ihm halt einfach früher."

Die Psychologie von Wearables

Wearables befriedigen Bedürfnisse, die wir Menschen schon immer hatten. Das machen sich Produktentwickler der großen Technologie Konzerne zu Nutze, um ihre Produkte zu vermarkten. Der Mensch ist ein „Subjekt der Beziehungen", wie ein Vortrag des Psychoanalytikers Hans-Joachim Maaz nahelegt. Grundlegend narzisstisch veranlagt, ist er auf der ständigen Suche nach Bestätigung durch sein Umfeld. Wearables bieten ihm diese auf verschiedene Weise. Zum einen werden Nachrichten von Kontakten immer in Sichtweite gehalten, was eine Unmittelbarkeit der Informationsversorgung schafft und das Zugehörigkeitsgefühl zu sozialen Gruppen verstärkt. Denn besonders das direkte Feedback auf Handlungen und Meinungen beeinflusst unsere Psyche, das kommt aus der Verhaltensforschung hervor. Dieses Prinzip machen sich auch andere Gadgets zu Nutze, die beispielsweise die Fitnesswerte ihrer Träger messen. Wichtig ist, dass sie keine Schwächen aufzeigen, sondern beim Erreichen von bestimmten Zielen eine positiv verstärkende Nachricht abgeben. Das wäre beispielsweise eine Mitteilung, wenn ein Schrittziel für einen Tag erreicht, genug getrunken oder genug geschlafen wurde. Diese positive Verstärkung hat direkte Auswirkungen auf die Gewohnheiten des Empfängers. Je öfter er sie erhält, desto mehr geht sie in sein Verhalten über. Bei Dingen wie Gesundheit und Fitness kann dieser Effekt noch vorteilhaft sein. Allerdings ist laut dem Journalist Charles Duhigg, Autor des Buches „The Power of Habit" auch jedes andere Szenario denkbar. Durch positive Reize könnten Gadgets ihre Besitzer auch unterbewusst zum Kauf von bestimmten Produkten anregen. Das läge allein in der Hand der Softwareentwickler und Interfacedesigner.

Gadgets in Zahlen

Grafik: Felix Schwarz via Piktochart

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Über den Autor

Felix Schwarz

Medienwirtschaft (Bachelor)
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2012