Nachhaltig verpacken

Generation Plastik - geht es auch ohne?

03.12.2014

Polypropylen, besser bekannt als Kunststoff ist günstig, leicht und einfach herzustellen - doch auch eine Gefahr für die Umwelt. Bilder von zugemüllten Meeren und toten Robben mit Plastik im Bauch sind längst zur Realität geworden. Ein Verzicht im Alltag ist jedoch oft schwer. Welche Alternativen wirklich effektiv sind, verrät Julia Barthel von der Deutschen Umwelthilfe dem HUIZ-Magazin.

Frau Barthel, weshalb gefährdet Plastik die Umwelt?

BARTHEL: In den meisten Fällen werden Plastiktüten aus Öl hergestellt. Öl wird risikoreich geborgen, zum Beispiel in der Arktis und im Golf von Mexiko. Außerdem ist Plastik ein Einwegprodukt, der Rohstoff wird also verschwendet. Dieser kann nur schwer recycelt werden und wird daher einfach verbrannt. Einige Plastiktüten landen trotz spezieller Entsorgung in den Flüssen und gelangen so ins Meer. So wurden beispielsweise Strände an der Ostsee und der Nordsee untersucht, wobei in einem Abschnitt von 100 Metern 68 deutsche Plastiktüten gefunden wurden.

Es wird ja oft behauptet, Papiertüten seien nachhaltiger. Wäre das denn eine gute Alternative zum Werkstoff Plastik?

BARTHEL: Leider nicht. Um Papiertüten herzustellen, bedarf es mehr Material als bei Plastiktüten und somit sind diese auch schwerer. Beim Transport von Papiertüten wird also mehr CO2 ausgestoßen als bei Plastiktüten. Außerdem sind für die Produktion von Papiertüten lange Papierfasern nötig. Daher wird nicht viel Recycling-Papier mit eingebunden, sondern immer wieder neu hergestelltes Papier verwendet. Dazu kommt, dass Papiertüten eine begrenzte Wiederverwendbarkeit haben. Das einzig Gute ist: Wenn sie weggeschmissen werden, verrotten sie einigermaßen schnell.

Wenn nicht Papier, welche Möglichkeiten gibt es dann, dem hohen Plastikverbrauch entgegenzuwirken?

BARTHEL: Zum Einkaufen kann man eine eigene Tasche mitnehmen – Jutetaschen sind ja inzwischen im Trend. Ein leerer Pappkarton tut es oft auch. Oder einfach mal die kleinen Dinge in der Jackentasche verstauen, zum Beispiel nach dem Apothekengang. Für die Getränke empfiehlt es sich, Glasflaschen zu kaufen, da sie wiederverwendbar sind. Dagegen wird jede Plastikflasche neu produziert und ist somit ein Einwegprodukt.

Wie glauben sie, würde sich der Verzicht von Plastik auf die Wirtschaft auswirken?

BARTHEL: Unternehmen sind normalerweise interessiert an Produktverpackungen, die vom Marketing entwickelt werden. Dabei wird selten an Nachhaltigkeit gedacht, sondern eher an Umsatzzahlen. Meiner Ansicht nach ist das Ressourcenverschwendung – man muss nicht immer alles zwei, drei oder sogar vier Mal verpacken: Wenn man Müsli kauft, ist in der Schachtel noch mal eine Verpackung. Es muss eine Rückentwicklung zur Mehrverpackung geben, beispielsweise Joghurt in Gläsern. Das ganze wäre auf jeden Fall eine Herausforderung für die Firmen, aber durchaus machbar. Deutschland ist das Land der Ingenieure. Die Leute würden deswegen trotzdem nicht weniger konsumieren – Verhaltensmuster können sich ändern.

Was halten sie von dem Konzept eines plastikfreien Ladens?

BARTHEL: Im Prinzip eine gute Idee, allerdings sollte man darauf achten, wie die Produkte hier alternativ verpackt werden. Eine Papierverpackung statt einer Plastikverpackung ist, wie schon erwähnt, natürlich nicht ganz im Sinne der Nachhaltigkeit. Man kann schließlich nicht die Pest mit der Cholera bekämpfen. Die beste Alternative wäre, die Dinge in eigene Gefäße abzufüllen.

Besuch in der Plastikfreien Zone

Wir haben Katrin Schüler in ihrem plastikfreien Laden „Naturlieferant" in München besucht. Mit ihrem Konzept möchte sie Menschen motivieren, im Alltag auf Plastik zu verzichten.

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Über die Autoren

Anne Jethon

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