Türkischer Friseur

Haargenau Deutsch

09.07.2015

Egal ob braun, schwarz, blond oder rot. Auch ganz gleich ob kurz, lang, gelockt oder ganz anders. Irgendwann müssen sie alle einmal geschnitten werden. Die Haare. Und da die meisten es sich nicht trauen, es selbst zu machen, geht man zum Friseur. Seit geraumer Zeit ist dabei auch zu beobachten, dass immer mehr zum türkischen Friseur gehen.

Bereits bevor man den Friseursalon von Ali Yilmaz* betritt, hört man ihn von draußen bereits lauthals lachen. Er ist gerade dabei einem Kunden die Haare zu schneiden. Grund für den Lacher ist die angeregte Unterhaltung der beiden. Es geht natürlich um das Thema Frisuren. Jedoch handelt es sich nicht um ein Gespräch über die Haare des Kunden. Sondern vielmehr geht es um die Haarpracht des Ali Yilmaz. Der Kunde ist der Meinung, dass die Frisur total „Old School" und die hochgeföhnten Haare zudem einfach nur unpassender Sechziger-Jahre-Style seien. Die Art und Weise, wie der Kunde das rüberbringt, wirkt nicht wie die übliche Haltung, die man sonst zu seinem Friseur hat. Die Unterhaltung der beiden wirkt wie das Gespräch zweier Kumpels, die sich seit Jahren kennen. Von denen der eine es sich dann erlaubt über die Frisur des anderen zu reden. So nach dem Motto: Ey Alter, geht mal gar nicht. Ali Yilmaz nimmt‘s gelassen. Er nimmt solche Sachen mit Humor.

Spielen mit Puppen brachte Ali Yilmaz zu seinem Traumberuf

Ali Yilmaz wurde 1972 in der Türkei geboren. Er kam aber bereits im Alter von 10 Jahren nach Deutschland. Hier hat er die Hauptschule besucht und auch sein weiteres Leben verbracht. Die Begeisterung für den Friseurberuf war bei ihm schon früh zu spüren. Yilmaz erzählt: „Das ist jetzt vielleicht ein wenig peinlich, aber ich habe früher mit Puppen gespielt. Ich habe ihnen die Haare gemacht und geschaut, wie es am besten aussieht." Deshalb hat er auch sein Schülerpraktikum in einem Friseurbetrieb absolviert und nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zum Friseur gemacht. 1998 kam der Abschluss als Meister hinzu. Nachdem er acht Jahre in einem Friseursalon in Ludwigsburg als Geschäftsleiter gearbeitet hatte kam 2007 der Schritt in die Selbstständigkeit.

Seitdem hat er seinen eigenen Friseursalon in Stuttgart. Das Besondere an diesem Laden ist, dass der größte Teil der Stammkunden Deutsche sind. Yilmaz berichtet: „Mein Chef in Ludwigsburg hat mir damals den Rat gegeben, dass ich meinen eigenen Laden auf deutsche Kundschaft auslegen soll. Er hatte schlechte Erfahrungen mit türkischen Kunden gemacht wegen Unpünktlichkeit und anderer Dinge." Es scheint also deutlich schwieriger zu sein, ein Geschäft auf türkische Kundschaft auszulegen. Der größte Unterschied ist, dass er in seinem Laden Frauen und Männer schneidet. In einem türkischen Friseursalon müsste er einen separaten Raum schaffen für die weiblichen Kunden. Yilmaz erklärt: „Türkische Frauen fühlen sich unwohl, wenn direkt neben ihnen Männer sitzen. Da sind deutsche Kunden doch einfacher."

Skurrile Erfahrung als Friseur

Ganz gleich, ob nun deutscher oder türkischer Friseur, in diesem Berufsfeld kann man immer die verrücktesten Geschichten erleben. Einmal hatte er einen Termin mit einer Kundin, die ihre Hochzeitsfrisur machen lassen wollte. Sie hatte ihr Brautkleid mitgebracht und wollte das in einem Nebenraum anziehen. Doch beim Umziehen kam der große Schock. Der Reißverschluss ging nicht zu. Die Frau war total in Panik. Doch was ein guter Friseur ist, der hat für alles eine Lösung. Yilmaz hat dann ein wenig herumtelefoniert und eine halbe Stunde später stand dann die Schneiderin bei ihm im Salon, die das Problem behob. Gerade nochmal gut gegangen. Kleid gerettet, Hochzeit auch.

Der Charme des Friseursalons

Es stellt sich die Frage, ob es zu Problemen kommen kann, wenn ein türkischer Friseur auf deutsche Kundschaft trifft? Es könnte Vorurteile der Deutschen geben oder Vorurteile seiner türkischen Landsleute, weil er sein Konzept auf deutsche Kunden ausgelegt hat. Er räumt ein, er hätte schon einmal türkische Kunden gehabt, die zu ihm gesagt hätten, er sei mittlerweile richtig „verdeutscht". Doch ihn stört das nicht. „Eine meiner wichtigsten Regeln ist, dass ich immer Deutsch mit meinen Kunden spreche. Das sage ich auch ganz offen zu meinen ausländischen Kunden. Es ist mir ganz wichtig, dass sich die Kunden, gleich welcher Nationalität, nicht gestört oder ausgeschlossen fühlen", erklärt er. Es geht also darum, dass die Kunden sich wohlfühlen. Der Preis spielt da dann wohl keine so große Rolle. „Klar die Menschen schauen auf den Preis, aber ich glaube sie kommen vor allem zu mir, weil sie mit meiner Arbeit zufrieden sind und sich bei mir wohl fühlen. Ich gehe offen auf die Menschen zu." Das alles kann Yilmaz auch nur, weil er seinen Beruf wirklich liebt. Er erzählt, er beschäftige sich auch in der Freizeit mit Frisuren. Während andere Fußball schauten, sehe er sich Hochzeitssendungen an, um sich über die neuesten Frisurentrends zu informieren.

Friseursalon

Zu Besuch im Salon von Ali Yilmaz

*Name geändert von Redaktion

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