Bienenschutz

Hilfe für kleine Helfer

09.05.2017

Die Biene steckt in einer Krise. Viele werden ihr Fehlen erst bemerken, wenn es bereits zu spät ist. Doch soweit muss es nicht kommen, denn Experten wissen: Jeder kann aktiv werden.

                               Liebhaber haben längst die schönen Seiten des unterschätzten Insekts entdeckt. | Foto: Julia Mähl

Wenn Tobias Miltenberger über seine Arbeit spricht, ist seine Begeisterung ansteckend. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht steht er vor den Bienenkästen. Um ihn herum summt und brummt es, doch er ist vollkommen gefangen in seiner Erzählung über das Leben seiner Schützlinge. Angst davor, dass er gestochen werden könnte, hat er keine. Er vertraut den Bienen. Zusammen mit seinem Kollegen David Gerstmeier gründete er die gemeinnützige Einrichtung proBiene. Als freies Institut arbeiten sie unter anderem daraufhin, dass Bienenzüchter wieder zur wesensgemäßen Imkerei zurückkehren.

Bedeutende Bienen

Aber warum sind den Bienenschützern die kleinen Insekten so wichtig? „Ohne Bienen gäbe es keine Frucht", sagt Lisa Deister, Mitglied des Vorstandes bei Bienenschutz e.V. in Stuttgart. Der Verein wurde 2013 gegründet und kümmert sich um den Erhalt von Hautflüglern – dazu gehören natürlich die Honigbienen, aber auch Hummeln, Hornissen, Wildbienen und Co.. „Bienen sind Teil des Ökosystems und äußerst bedeutend für die biologische Vielfalt", fährt Deister fort. Der Mensch brauche ihren Honig, das Bienenwachs und das Gelee Royal für Medikamente, Nahrung und Kosmetik. Doch trotz der Hilfe, die die Biene leistet, geht der Mensch nicht sehr sorgfältig mit ihr um. In den letzten zehn Jahren hat der Bestand an Honig- und Wildbienen stark abgenommen.

Am gravierendsten ist die Entwicklung in Europa: Hier haben die Imker über 50 Prozent ihrer Honigbienenvölker verloren. | Grafik: Julia Mähl

Schwierige Verhältnisse

Woran liegt das? Laut Lisa Deister sind es viele Faktoren, die den Bienen zu schaffen machen: „Besonders der Verlust von Lebensraum und Nahrungsquellen und der Einsatz von Pestiziden setzen der Biene stark zu." Durch die Monokulturen in der Landwirtschaft fänden die Bienen in bestimmten Jahreszeiten keine Nahrung mehr. Auch die Varroamilbe verursacht Probleme: Der Parasit kommt aus Asien und schädigt die Brut der Bienen. Im schlimmsten Fall tötet und verkrüppelt sie die neugeborenen Bienen und das Volk stirbt aus.

Bienenschutz kann jeder

„Wir versuchen der breiten Öffentlichkeit ein wichtiges Thema näher zu bringen", erklärt Lisa Deister. Beratung und monatliche Treffen für Imker oder Interessierte sind nur ein kleiner Teil ihrer Arbeit. Da wäre zum einen der Bienenkoffer: Mit ihm lernen Kinder, wie groß die Bedeutung und Leistung der Hautflügler im Alltag ist, welche Nahrung sie brauchen und was getan werden kann, um ihren Lebensraum zu schützen. Einmal im Jahr organisiert der Verein gemeinsam mit der Einrichtung proBiene den Bienentag. Hier werden die Besucher mit Honigbroten versorgt und erfahren alles zum Thema Hautflügler. „Es ist schön zu sehen, wie der Verein mit seiner Arbeit ganz neue Gruppen erreicht", sagt Tobias Miltenberger. Doch nicht nur Neulingen muss etwas über Bienen beigebracht werden: Miltenberger betont, dass es genauso wichtig sei, alteingesessene Imker anzusprechen. Viele von ihnen vergäßen, dass es beim Imkern nicht nur um den Ertrag geht.

„An erster Stelle sollte immer die Biene stehen." - Tobias Miltenberger, Agraringenieur

Seminare und Vorträge von proBiene zeigen, wie eine gesunde Imker-Biene-Beziehung funktioniert.

Bieneninteressierte und Imker können bei den Seminaren von Tobias Miltenberger und David Gerstmeier (rechts) noch einiges lernen. | Foto: proBiene

Selbst aktiv werden

Als Imker und Forscher lernt Tobias Miltenberger viel über die Beziehung zwischen Mensch und Biene und weiß, worauf es ankommt. „Wer ein Bienenschützer sein will, kann schon mit kleinen Dingen viel erreichen", verspricht der Bienenexperte.

  • Sich Zeit lassen bei der Wahl des Honigs: In der Honigproduktion gibt es große Unterschiede. Mit regionalen und Demeter-Produkten ist man immer auf der richtigen Seite.
  • Im eigenen Garten auf Pestizide (und am besten auch Herbizide) verzichten. „Je weniger die Biene durch Giftstoffe belastet wird, desto besser!"
  • Buntes säen: Es gibt besondere Samenmischungen, die „bienenfreundliche" Blumen für Garten und Balkon enthalten. „Hilft nicht nur der Biene, sondern sieht auch noch gut aus", sagt Miltenberger.
  • Lebensraum schaffen mit Insektenhotels: Ein Insektenhotel im Garten bietet Wohnraum für viele kleine Mieter – Wildbiene und Co. danken!
  • Bunt statt grün: Grünflächen in Städten sinnvoll bepflanzen und Mähzeiten so abgleichen, dass die Biene jederzeit Nahrung finden kann.
  • Ökologische Landwirtschaft fördern: Durch Vorgaben für Landwirte wird eine ökologische Landwirtschaft gefördert. Weniger Pestizide zu verwenden und Monokulturen zu verringern wäre ein guter Anfang.

Ein Blick in die Zukunft

Die Frage aller Fragen ist jedoch: Was wird die Zukunft bringen? Tobias Miltenberger ist äußerst optimistisch: „Ich glaube, dass der Mensch erkennen wird, wie sehr er die Biene braucht." Aus seiner Sicht wird es keinen Worst-Case geben. „Der Bio-Trend steigt, immer mehr wollen ‚grün‘ sein. Das wirkt sich auch positiv auf die Hautflügler aus", so seine Worte. Lisa Deister ist anderer Meinung und weist auf die besorgniserregende Situation in China hin. Dort werden die Obstbäume bereits von Hand bestäubt. Ihrer Meinung nach trifft es ein Zitat von Albert Einstein am besten:

„Stirbt die Biene, hat der Mensch noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr."

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Über den Autor

Julia Mähl

Crossmedia Redaktion/ Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2016/2017