Einsatz für Hunde im Ausland

Hoffnung für Straßenhunde

08.05.2017

Qual, Angst und Tod – diese Begriffe beschreiben das Leben der Straßenhunde in Süd- und Osteuropa. Um die Situation der Tiere zu verbessern wird auf unterschiedlichen Wegen Einsatz gezeigt. Jedoch gibt es viele verschiedene Wege, sich zu engagieren.

Dieser Hund hat es geschafft. Er ist weg von der Straße und darf auf ein neues, liebevolles Zuhause hoffen. |Foto: Viviana Graner

Alleine, ängstlich und krank schleppt sich ein kleiner Mischlingsrüde über die Straßen von Ungarn. Sein Rudel hat ihn zurückgelassen. Er ist zu schwach, um mit ihnen mitzuhalten. Mühsam quält er sich in die nächste Seitenstraße, um sich ein wenig auszuruhen. Doch dort wartet keine Erholung auf ihn. Kaum ist er um die Ecke gebogen, packen ihn zwei kalte Hände und schmeißen ihn in einen dunklen Transporter.

Hier endet die Geschichte von dem kleinen hilflosen Hund aus Ungarn, denn der Transporter ist zu einer von 400 kommunal finanzierten Auffang- und Tötungsstationen unterwegs. Offiziell ist der Zweck solcher Stationen die Seuchenbekämpfung. Jährlich werden allein in Ungarn ca. 80 000 bis 100 000 Straßenhunde eingeschläfert. Da es allerdings deutlich günstiger ist, werden Straßenhunde in Süd- und Osteuropa oftmals vergast, erschlagen und vergiftet. Grund dafür ist, dass in diesen Regionen massenhaft Hunde auf der Straße leben. Im Gegensatz zu Deutschland werden Hunde dort mehrheitlich als Nutztiere betrachtet. Für den Fall, dass sie nicht ihren Zweck erfüllen, werden sie ausgesetzt. Sie ernähren sich von Abfällen und setzten sich dabei jeden Tag aufs Neue der Gefahr aus, verjagt, misshandelt oder auf brutalste Weise getötet zu werden. Jede läufige Hündin wird gedeckt und gebärt irgendwo ihre Welpen auf der Straße. So entsteht ein unaufhörlicher Strom an Hunden, den viele Menschen nicht wollen. Für Tierschützer ist das Töten der Tiere keine Lösung der Problematik. Iris Tzamalidis möchte mit ihrem Verein „Paradies für Tiere e.V." gegen genau diese Missstände in Süd- und Osteuropa vorgehen. Die 54-Jährige wünscht sich, dass der Tierschutz europäisch gesehen wird und Partnerschaften zwischen den verschiedenen Organisationen geschlossen werden.

Iris Tzamalidis äußert sich zu ihrer ehrenamtlichen Arbeit in dem von ihr gegründeten Verein „Paradies für Tiere e.V." |Video: Ina Andrea Busch, Franziska Freudenberg und Thomas Rausch

Die Frage, wie Hundefänger im Ausland finanziert werden, stellt sich neben Iris Tzamalidis auch die 47-jährige Anja Wickertsheim. Sie lebt in Nufringen und engagiert sich selbstständig seit 14 Jahren im Tierschutz. Momentan hat Anja drei Hunde aus dem Ausland bei sich aufgenommen. Einen der drei Hunde hat sie auf eigene Faust aus Sri Lanka zu sich geholt. Zusätzlich sammelt sie selbstständig Spenden für weitere Hunde in Sri Lanka. Diese leben dort in einem sogenannten Hunde-Shelter (engl. Unterschlupf, Unterkunft) und werden dank ihrer Spenden versorgt. Anja ist bewusst in keiner Tierschutzorganisation. Ihr ist es wichtig, dass sie selbst entscheiden kann, wohin ihr Geld fließt und wofür es eingesetzt wird. Des weiteren ist sie der Meinung, dass die meisten Tierschutzorganisationen für sich alleine kämpfen, obwohl sie doch mehr erreichen könnten, wenn sie zusammenarbeiten würden.

Anja Wickertsheim mit ihrer zweijährigen Mischlingshündin aus Sri Lanka. |Foto: Franziska Freudenberg

Iris Tzamalidis würde hingegen gerne vermehrt mit anderen Organisationen zusammenarbeiten. Doch eine Kooperation kommt meist nicht einmal zustande, da die über Spenden finanzierten Vereine oft in einem Wettbewerb zueinander stehen. Und dieser hat nach Iris Tzamalidis im Tierschutz nichts zu suchen.

Rahmenbedingungen für Vereine

Damit Hunde und andere Tiere nach Deutschland eingeführt werden dürfen, muss einem Verein die Erlaubnis hierzu erteilt werden. Allerdings werden keine Vereine finanziell vom Landwirtschaftsministerium unterstützt, die Tiere zum Zweck der entgeltlichen Abgabe an Dritte einführen. Das kommt daher, dass viele Vereine vermehrt Junghunde nach Deutschland bringen. Dabei liegt oft die Vermutung nahe, dass diese aus finanziellem Interesse handeln. Um dies zu vermeiden, gelten für die Erlaubniserteilung strikte Rahmenbedingungen. Es muss beispielsweise ein schriftlicher Sachkunde-Nachweis (z.B. Berufsausbildung als Tierpfleger) vorgelegt werden. Außerdem wird geprüft, ob die verantwortliche Person im Rahmen von Tierschutz schon einmal auffällig war.

Ariane Kari ist Amtstierärztin und arbeitet seit Mai 2016 in der Stabsstelle der Landesbeauftragten für Tierschutz. Sie unterscheidet zwei Arten von Auslandstierschutz: Auslandstierschutz der im Ausland vor Ort gemacht wird und Import von Hunden aus dem Ausland ins Inland.

Ariane Kari: Kommentar zu den Gefahren des Auslandstierschutzes und welche Herausforderung es darstellt, einen Hund mit Migrationshintergrund zu halten. |Quelle: Thomas Rausch

Die Stabsstelle vertritt die Meinung, dass im Ausland Möglichkeiten geschaffen werden müssen, um dauerhaft die Tiere vor Ort zu schützen. Ein Beispiel hierfür ist das Tierschutz- & Kastrations-Zentrum ODESSA in der Ukraine. Die Grundidee für das Projekt ist, den Teufelskreis im Leben der Straßentiere zu durchbrechen. Unter der Strategie „Fangen, Kastrieren, Freilassen" wirkt das Projekt dagegen. Im dafür errichteten Zentrum vor Ort werden die Hunde medizinisch versorgt, geimpft und kastriert. Mit diesem Projekt wurde innerhalb von zehn Jahren die Zahl der Straßenhunde in der Ukraine von geschätzten 80.000 auf aktuell 20.000 Tiere reduziert.

Ob Tierschutz-Verein, privat oder von staatlicher Seite: Am Ende möchten alle die Situation der Straßenhunde im Ausland verbessern. Damit die Geschichte des kleinen Mischlingsrüden vom Anfang ein besseres Ende finden kann.

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Über die Autoren

Thomas Rausch

Medienwirtschaft
Eingeschrieben seit: Wintersemester 14/15

Franziska Freudenberg

Medienwirtschaft
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2014/15

Ina Andrea Busch

Medienwirtschaft
Eingeschrieben seit: Wintersemester 14/15