Fernsehautor Jens Oliver Haas

Humor ist manchmal reines Handwerk

23.05.2016

Der Klassenclown ist Jens Oliver Haas nach eigener Aussage nie gewesen. Trotzdem verdient er heute sein Geld damit, witzig zu sein - allerdings nicht als Stand-up-Comedian oder Showmaster, sondern hinter den Kulissen, als einer der erfolgreichsten Morderations-Texter und Gag-Schreiber Deutschlands.

Jens Oliver Haas - Der Mann hinter dem Witz. | Bild: Nico Klinger

Auch wenn sich bei der Meinung zu der RTL Sendung „Ich bin ein Star - holt mich hier raus!", die Geister scheiden, so sprechen doch die Einschaltquoten für sich. Mehr als sechs Millionen Menschen haben jeden Abend die nun schon zehnte Staffel der Show mit Kultcharakter verfolgt.

Ein Grund für den Erfolg des „Dschungelcamps", ist mit Sicherheit die bissige Narration des Moderatoren-Duos, Sonja Zietlow und Daniel Hartwich – und damit auch die Erzählkunst von Jens Oliver Haas.

Schon seit der ersten Folge 2004 schreibt dieser zusammen mit seinem Kollegen Micky Beisenherz die Moderationstexte für die Show, in der ausgebrannte „Stars" noch einmal um das letzte Fünkchen Rampenlicht kämpfen. Die Witze sind dabei oft selbstironisch, meist bitterböse, aber immer top aktuell am Tagesgeschehen.

Witzig, aber keine Witzfigur

Das Aussehen des Mannes dessen Beruf zum Teil daraus besteht, andere Leute verbal in der Luft zu zerreißen, lässt auf den ersten Blick vermuten, er könne dies auch physisch tun:

großgewachsen, trainiert, kahlköpfig. Mit markanten Gesichtspartien und strengem Blick, der sich trotz eines schmalen Grinsens nur leicht aufhellt, als wir uns per Handschlag begrüßen. Obwohl er meiner Einladung auf ein Bier gefolgt ist, bestellt er ein Glas vom offenen Weißwein.

Die anfängliche Anspannung löst sich, sobald Haas mit klarer, herzlicher Stimme zu reden beginnt.

Beruf: Fernsehautor

In der Branche ist der heute 49-jährige Haas, wie die meisten seiner Kollegen, als Quereinsteiger gelandet.

Lesestoff
Jens Oliver Haas schreibt nicht nur Moderationstexte. Die Bestseller „101 Gründe ohne Frauen zu leben" und „If..., Die wahre Geschichte der Welt" stammen auch aus seiner Feder.

Begonnen hat er seine Karriere als Journalist. Erst für das Gelnhäuser Tageblatt, später bei der Bildzeitung. Man ahnt, wo er sich den süffisanten Tonfall seines Humors angeeignet hat.

Nachdem er dort vier Jahre gearbeitet hat, wagt er erste Gehversuche beim Fernsehen, wird bei RTL und SAT1 Redakteur, Producer, Redaktionsleiter und wendet sich dann wieder dem Schreiben zu. Unter anderem als Autor für Moderationen und Stand Up Comedy Shows. Die Bezeichnung „Gagschreiber" hört er allerdings trotzdem ungern.

„Ich schreibe Bücher und Drehbücher, betreue Comedians und veranstalte Coachings. Insofern ist Gagschreiber zwar auch eine Berufsbezeichnung, trifft aber nur stellenweise auf mich zu".

Abseits vom Dschungelcamp arbeitet Haas unter anderem mit Größen des deutschen Showbusiness, wie Hape Kerkeling oder Harald Schmidt zusammen.

Rampenlicht ist nichts für ihn

Die Annahme, auch die Privatperson Jens Oliver Haas müsse ebenso witzig sein wie seine Texte, verneint er: „Ich selbst empfinde mich nicht als lustig. Der Klassenclown bin ich auch nie gewesen".

Vielmehr handele es sich bei Humor manchmal um ein klassisches Handwerk, das sowohl Zeit, als auch Übung verlange.

„Aber etwa 50 Prozent sind Talent", gibt er mit einem Augenzwinkern zu.

Mit einem seiner Auftraggeber die Plätze zu tauschen, kann er sich trotzdem nicht vorstellen. Ein „alter Medienhase" wie er, habe schon genug Zeit mit Kameras verbracht, um zu wissen, auf welcher Seite er sich am wohlsten fühle. Haas hat erkannt, wie und wo er am besten funktioniert und weiß, dass er sich in seinem Berufsfeld zu einer kleinen Elite zählen kann.

Wie der lustige Spaßvogel, á la Otto Waalkes, sieht Jens Oliver Haas nicht aus. Muss er auch nicht. | Bild: Nico Klinger

Entertainment im Doppelpack

Die Rolle im Rampenlicht stünde sowieso seiner Frau viel besser zu Gesicht, sagt er. Seit 14 Jahren ist Jens Oliver Haas nämlich mit Sonja Zietlow, TV Moderatorin - unter anderem für das Dschungelcamp, verheiratet.

Zusammen leben sie mit drei Hunden in einem Vorort im Münchner Süden und entfliehen dem deutschen Winter in eine Ferienwohnung auf Mallorca.

„Sagen wir mal so: Was meine Frau im Fernsehen moderiert, das schreibe fast alles ich - obwohl wir in der Zusammenarbeit sehr professionell sind."

Dschungelcamp: 19 Tage Scheuklappen

Einmal im Jahr, für 19 Tage und Nächte, hat Jens Oliver Haas dann jedoch nur das Eine im Kopf:

„Ich bin ein Star holt mich hier raus!"

Obwohl er zwar, genau wie seine Frau, vor Ort in Australien arbeitet, bekommt er sie dabei kaum zu Gesicht.

„Es gibt sonst gar nichts, keine Familie, es gibt keinen Hund der Gassi muss, kein Einkaufen, keine Steuer, es gibt kein Telefon, es gibt nur 19 Tage lang diese Sendung. Das ist wie Scheuklappen".

Wegen der verschiedenen Zeitzonen wird die Sendung mit dem australischen Sonnenaufgang live in das deutsche Abendprogramm übertragen. Die Moderation muss am nächsten Morgen bereit sein, um aktuellen Bezug auf Geschehnisse aus der Show und dem Weltgeschehen zu liefern. Für Haas und seine Kollegen bedeutet das, die Nächte Australiens durcharbeiten zu müssen.

Das Beste aus dem Dschungel
Wer sich einmal selbst von Jens Oliver Haas beruflichen Qualitäten überzeugen will, der findet hier die 55 besten Moderationen des Dschungelcamps 2016.

Ein durchschnittlicher Arbeitstag beginnt um 21:00 Uhr mit dem Sichten der ersten geschnittenen Filme des Tages. Anschließend erhält das zwei- bis dreiköpfige Autorenteam nochmals einen Gesamtüberblick darüber, was bisher passiert ist und wie die nächste Sendung in etwa ablaufen soll. Ab diesem Punkt wird geschrieben - oft bis kurz vor Sendebeginn.

Trotz dessen kann sich Jens Oliver Haas keinen besseren Arbeitsplatz vorstellen und wundert sich manchmal selbst, dass er damit sein Geld verdient.

„Ich mag die Leute mit denen ich arbeite. Ich mag die Sendung für die ich arbeite. Die Stimmung ist gut. Die Quoten sind gut. -Da läuft man irgendwann auf Autopilot. Das macht so einen unfassbaren Spaß".

Wird man sich dann aber darüber bewusst, dass dieser Spaß meist auf Kosten der Känguru Hoden verspeisenden Campbewohner geht, drängt sich die Frage auf, ob man als Autor für das Dschungelcamp einen professionellen Hass auf die Kandidaten entwickeln muss.

Ganz und gar nicht, antwortet Haas, vielmehr müsse man sie mögen. Tue man das nämlich nicht, so könne man schnell über das Ziel hinausschießen und statt lustig, würde es dann böse, verletzend und hässlich. In gutem Humor schwinge auch immer eine ganze Menge Respekt mit.

Die meisten Ex-Camper würden das auch verstehen. Nur ein Kandidat hätte sich so unfair behandelt gefühlt, dass er weder mit Haas, noch mit seiner Frau, reden würde. Zumindest wollte ihn noch niemand verprügeln. „Das liegt daran, dass der Großteil mich aufgrund meiner Arbeit im Hintergrund nicht kennt" sagt er „-und dass ich größer bin als die meisten", fügt er grinsend hinzu.

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Über den Autor

Nico Klinger

Crossmediaredaktion & Public Relations Bachelor
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2015/2016