Muslimische Frauen

Im Job zählt, was im Kopf ist, nicht auf dem Kopf!

05.06.2017

WoW – „With or Without“ – Menschen, die sich mit viel Leidenschaft für Minderheiten einsetzen. Genau darum geht es bei dem Pilotprojekt für die Integration und Gleichberechtigung von muslimischen Frauen. Die Mitarbeiter wollen die Vorurteile auf dem Arbeitsmarkt bekämpfen und den Frauen die Chancen verschaffen, die ihnen zustehen.

Die junge Studentin und ehrenamtliche Mitarbeiterin bei „WoW" – Samira Ghozzi im Mókuska Caffè | Foto: Charlotte Muziol

Vor eineinhalb Jahren wurde die in New York lebende Lara-Zuzan Golesorkhi auf eine Ausschreibung der UNO für die Projektförderung von jungen Leuten aufmerksam. Innerhalb kürzester Zeit hat sie daraufhin das Projekt ihres Herzens „WoW" geplant und entworfen. Damit konnte sie die Ausschreibung gewinnen, was ihr eine finanzielle Unterstützung von einem Jahr garantierte. Kein halbes Jahr später, im April 2016, wurde das Projekt in Laras Heimatstadt Stuttgart realisiert und existiert schon erfolgreich über ein Jahr.
Konkret gibt es drei verschiedene Programme, mit denen „WoW" sich für die Eingliederung muslimischer Frauen in die Arbeitswelt engagiert.

Das „Job Ready"-Programm

Das „Job Ready-Programm" hat sich das Ziel gesetzt hat, Frauen mit muslimischer Migrationsgeschichte auf den deutschen Arbeitsmarkt vorzubereiten. Sie bieten in diesem Rahmen kostenlose Seminare und Workshops an. Die Teilnehmer werden in die deutsche Gesetzeslage eingeführt, bekommen eine Übersicht zur aktuellen Situation auf dem Arbeitsmarkt, werden in die Arbeitsplatzsuche eingeführt und lernen den Ablauf von Bewerbung und Bewerbungsgespräch.

Die „I Pledge"-Kampagne

Bei der „I Pledge-Kampagne" handelt es sich um ein Outreach Programm (dt. Programm zur Reichweite) zu Arbeitgebern, Diversity Management (dt. Vielfaltsmanagement) und Human Resource Personal (dt. Personalmanagement). Das Ziel ist es, gemeinsam Lösungsansätze zur Förderung von Frauen mit muslimischer Migrationsgeschichte im Arbeitsmarkt zu finden. Es soll ein Anreiz dazu gegeben werden, diese Arbeitnehmerinnen ohne Voreingenommenheit zu berücksichtigen, um hiermit die Gleichberechtigung sicherzustellen. Auch hierzu gibt es Seminare, Workshops und Arbeitsgruppen zu diversen Themen. Fokus sind Kommunikation und Dialog sowie der Brückenbau zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Die „WithorWithout"-Kampagne

Zuletzt gibt es noch die „WithorWithout-Kampagne", die die Gesellschaft berücksichtigt. Die Bevölkerung soll auf die Situation aufmerksam gemacht werden und sich diesbezüglich engagieren. Durch diverse online und offline Aktionen wird dazu eingeladen, aktiv die Herausforderungen anzugehen und für ein gutes Miteinander einzustehen. Zwei Aktionen kamen bisher schon aktiv zum Einsatz. Zum einen die Kampagne „Es zählt nicht, was auf dem Kopf ist" und zum anderen die Gestaltung eines Kartenspiels zum Thema „Muslime und Islam in Deutschland". Außerdem wurden Jutebeutel und Postkarten mit verschiedenen Slogans designt, die sich mit hoher Nachfrage verkaufen.

„With or Without" – die Jutebeutel und Postkarten werden zu Werbezwecken verkauft. | Foto: WoW e.V.

Junges Engagement

„Ich persönlich habe mich eigentlich so noch nicht diskriminiert gefühlt", sagt Samira Ghozzi.
Samira Ghozzi, Studentin und ehrenamtliche Mitarbeiterin von „WoW", engagiert sich schon seit Jahren für muslimische Frauen und seit April 2016, also von Beginn an, für die Integration von muslimischen Frauen in die Arbeitswelt. Die Motivation habe sie schon immer gehabt, aber in die Organisation „WoW" sei Samira eher zufällig reingerutscht, wie sie selbst erklärt. Aus Interesse sei sie auf dem Toleranzgipfel in Stuttgart gewesen und wurde dort von Mitarbeitern des Programms angesprochen, erzählt sie weiter. Daraufhin habe sie mit der Projektleitung gesprochen. Seitdem ist sie fest im Team integriert und arbeitet motiviert für die Rechte ihrer eigenen Kultur.

„Bei meiner Arbeit in einem Drogeriemarkt ist es allerdings so, dass einzelne Kunden mit Vorurteilen kommen und mich zum Beispiel fragen, ob ich denn auch Erdogan wähle. Aber wer hat zum einen überhaupt gesagt, dass ich Türkin bin und warum wird so ein Gespräch überhaupt dort geführt? Und das ist natürlich provokant gemeint."

Samira zeigt mit ihrem jungen Engagement, was alles bewirkt werden kann, wenn sich Menschen für ihre Mitmenschen einsetzen, egal welcher Herkunft. Junge Projekte wie "WithorWithout" helfen Arbeitnehmern, Arbeitgebern und der Gesellschaft. „Diskriminierung jeglicher Art sollte heutzutage längst ein absolutes No-Go sein."

Samira Ghozzi teilt ein einschneidendes Erlebnis. |Quelle: Charlotte Muziol

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Über den Autor

Charlotte Muziol

Crossmedia-Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 16/17