Ein Selbstversuch

Im Wandel der Kommunikation

15.12.2015

Heute sieht man überall Menschen die stundenlang stur den Kopf gesenkt halten und wie wild auf ihre Smartphones einhämmern. Ich fragte mich deshalb, wie und ob überhaupt, ein Leben ohne Smartphone in der heutigen Zeit noch möglich ist? Wenn ja, welchen Herausforderungen muss ich mich stellen?

Codename „Wandel"

Früher als Jungs noch blöd und die Schule einfach war, ist man, nachdem man pflichtbewusst seine Hausaufgaben erledigt hatte, zum Hörer gerannt. Hat dann die auswendig gelernte Nummer der besten Freundin eingegeben und fröhlich nach einem gemeinsamen Spieleabenteuer gefragt. Selbst ein paar Jahre später, als Jungs dann cool und die Schule schon ein bisschen anstrengender wurde, ist man nach nicht mehr ganz so pflichtbewusst erledigter Hausaufgaben zum Festnetztelefon gegangen. Man hat die Nummer eingegeben und sich darüber aufgeregt, dass das Telefon so eine kurze Schnur hatte und sich dann aus der Not heraus Mädchennamen für den Schwarm erfunden. Völlig ungeachtet dessen, dass schon vor 20 Jahren die Mama Codenamen für ihren Schwarm hatte. Heute läuft das Ganze, völlig unbeobachtet von Mama, im eigenen Zimmer mit Smartphone in der Hand ab. Nicht mal mehr Codenamen werden benötigt, da das Handy, neben dem Fakt das es schnurlos, auch noch internetfähig ist. Somit kann, bemerkt nur von der NSA, ausschweifend über den Angebeteten geschwärmt werden.

Der Wandel selbst

Diese ganzen Erfahrungen wird die heutige Generation also nicht mehr machen. Denn sieht man sich um, haben schon die Kleinsten Smartphones so groß wie ihre Köpfe. Dafür haben sie es um einiges bequemer. Doch nicht nur diese (Schnur-) Probleme haben sich für die Generation der „Digital Natives" erledigt, vieles ist einfacher geworden. Zum Beispiel das in Kontakt treten und bleiben mit Freunden und ganz neuen Bekanntschaften. So muss man sich heute nicht mehr die Zeit für ein eventuell langes Telefonat mit dem Freund nehmen. Nein, heute tippt man mit „überentwickelten Daumen" in sekundenschnelle eine Nachricht und schon hat man wieder Kontakt aufgenommen. Zu jemandem den man vielleicht seit einem Jahr nicht mehr gesehen hat. Oder man will sich einfach für den Abend verabreden und nicht gleich die ganze Lebensgeschichte am Telefon erzählt bekommen. Auch dann ist ein kurzes „Wie sieht´s aus heute Abend?" schnell in den Nachrichtendienst getippt und effizient ist es allemal. Daraus resultiert, dass man einfacher in Kontakt mit Menschen kommt und vor allem auch bleibt. Früher steckte dahinter mehr Aufwand als heute mit diesem praktischen Ding in der Tasche.

Außerdem ist es unglaublich angenehm zur Informationsbeschaffung. Egal ob man seinen Raumplan kontrollieren oder den neuesten Klatsch erfahren muss, ein paar Fingertipps und schon hat man ein Ergebnis.

Das Smartphone ist also letztendlich ein Erzeugnis der Bequemlichkeit oder einfach gesagt der Faulheit, der Menschen.

Die Risiken

Neben den ganzen Vorteilen gibt es natürlich auch Nachteile. Forscher und Ärzte warnen schon lange vor unberechenbaren Folgeschäden durch übermäßigen Smartphonekonsum. Ich habe mich daher an das Bundesamt für Strahlenschutz gewandt um mehr über die Risiken und deren Auswirkung zu erfahren.

Doch erst mal gilt zu klären, was denn genau das Schädigende an einem Handy ist. In jedem einzelnen Smartphone steckt eine kleine Antenne, welche Signale an die Mobilfunkanlage im Umkreis sendet und von dort auch empfängt. Von dieser Antenne geht eine elektrische Strahlung aus, die teilweise vom Körper aufgenommen und dann zu Wärme umgewandelt wird. Diese „Wärme" erzeugt dann auf Dauer gesundheitliche Probleme wie Kopfschmerzen oder Schlafstörungen. Auch wird vermutet, dass das Krebsrisiko durch einen dauerhaften Gebrauch des Smartphones ansteigt. Das kann jedoch erst per Langzeitstudien bestätigt werden. Außerdem gibt es keinen wissenschaftlich belegten Zusammenhang zwischen Krankheiten und der Strahlung des Handys. Genauso wenig kann aber auch das Gegenteil bewiesen werden.

Deshalb wurden Grenzwerte eingeführt, der sogenannte SAR-Wert (spezielle Absorptions-Rate). Dieser gibt an wie viel Strahlungsenergie unser Körper vom jeweiligen Gerät aufnimmt (gemessen in Watt pro Kilogramm). Ein Apple Iphone 5 beispielsweise hat einen SAR-Wert von 0,9 W/kg. Ein Samsung Galaxy S5 0,56 W/kg. Beide liegen somit unter der Maximalgrenze von 2,0 W/kg.

Wer also merkt, dass er schlechter schläft wenn das Smartphone eingeschaltet neben einem liegt, sollte das Ding einfach mal ausschalten. Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt außerdem weitere Tipps, um in der heutigen Zeit die Strahlenbelastung so gering wie möglich zu halten. Einerseits wird dazu geraten, wenn ein Festnetztelefon in der Nähe ist, dieses zu benutzen. Zudem das Telefonieren bei schlechtem Empfang vermeiden, da dies die Strahlung ansteige lässt. Ansonsten gilt: Handy weg vom Körper!

Das Fazit

Was ich also zum Schluss aus der Sache mitnehme? Ja, es ist in der heutigen Zeit noch möglich ohne internetfähiges Handy auszukommen. Auch wenn es zu jedem Gerät, sei es die Waschmaschine oder das Auto, eine App gibt die dich damit „connected", sind das Dinge, die man entweder nicht braucht oder umgehen kann. Die ganz großen Felsbrocken wurden mir in diesen fünf Tagen ohne Smartphone also nicht in den Weg gelegt. Die Dinge bei denen ich dachte „Jetzt wäre mein Handy nicht schlecht" habe ich auch ohne hinbekommen! Das wiederum geht einher mit mehr Aufwand, was letztendlich jeder selbst abwägen und entscheiden muss.

Und ja, man sollte es einfach mal ausprobieren. Der Effekt ist nicht, dass man danach heulend sein Handy anbetet, sondern eher das Gegenteil. Es wird einem vor Augen geführt, was sich doch so alles verändert hat in den paar Jahren in denen die Forschung auf dem Gebiet der Smartphones so rasend schnelle Fortschritte gemacht hat.

Dass früher alles besser war, würde ich niemals unterschreiben. Wer rührt im wahrsten Sinne des Wortes nicht gerne nur seinen „kleinen Finger" um etwas zu erledigen? Aber sich darüber bewusst zu sein, wie abhängig man eigentlich doch von einem so kleinen Kasten ist und dann zu versuchen das Ganze etwas runter zu schrauben, ist sicher keine schlechte Idee.

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Foto: Luisa Merklinger, thinglink

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Über den Autor

Luisa Merklinger

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Eingeschrieben seit: Sommersemester 2015