Sprachförderung

Integration – früh übt sich

28.05.2015

Im Rahmen des Bundesprogrammes „Frühe Chancen – Schwerpunktkitas Sprache und Integration“ soll am Kindergarten St. Johannes schon den Kleinsten dabei geholfen werden ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Sprachtrainerin Jarmila Snethlageova berichtet von ihren Erfahrungen.

Der St. Johannes Kindergarten in Durlach Aue, Karlsruhe ist bunt und gemütlich. Die Wände sind vor lauter Fotos und Kunstwerken der Kinder kaum mehr sichtbar. Alles ist in Miniaturgröße. Die Bänke, auf denen die Kinder ihre Straßenschuhe gegen Hausschuhe tauschen reichen mir kaum bis zum Schienbein. Die kleinen Stühle könnte ich als Trittbrett benutzen. Die Wände sind gesäumt von den Jacken der Jungs und Mädchen, die in ihren Gruppenräumen sind. Es ist 8.30 Uhr und die meisten Kindergartenkinder sind schon am Spielen. Nur ein paar Nachzügler fehlen noch.

Sprachförderung in Kleingruppen

Am Ende des Ganges, versteckt hinter Gummistiefeln und einer Küche verbirgt sich ein kleiner Raum. Hier findet dreimal die Woche Sprachförderung für die Kinder statt. In der Mitte des Raumes stehen kleine Hocker im Kreis, an den Wänden stehen Regale und Schränke voll mit Kinderbüchern. Aus einem dieser Schränke holt Jarmila Snethlageova eine große Handpuppe. „Konnie hilft mir die Kinder zu holen", erklärt mir die gebürtige Tschechin. Durch ihr Studium „Deutsch als Fremdsprache" ist sie auf Sprachförderung aufmerksam geworden. Den Sprung an den Kindergarten machte sie durch „Frühe Chancen", ein Programm des Bundes, das Sprache und Integration an Kindergärten und Kitas fördern soll.

Zusammen mit Konnie als Verstärkung macht sie sich auf den Weg in die einzelnen Gruppenräume. Zwei Mädchen stehen schon von ihren Stühlen auf und schauen die Puppe erwartungsvoll an. Wieder andere werden direkt von Konnie angesprochen: „Rui, kommst du heute auch mit?", aber Rui ist noch in sein Spiel vertieft, er verspricht nachzukommen.

Der Kindergarten St. Johannes

Einige Eindrücke aus dem Kindergarten

„Ich will die Kinder nicht nach Deutschkenntnissen unterteilen"

„Es gibt immer Kinder, auf die ich gezielt zugehe, damit sie an der Förderung teilnehmen. Dennoch versuche ich die Gruppen gemischt zu halten. Nur so können die Kinder auch voneinander lernen, und nur so kann Integration gefördert werden. Ich will die Kinder nicht nach Deutschkenntnissen unterteilen. Es steht allen Kindern offen, am Sprachunterricht teilzunehmen, " erzählt Snethlageova. Erfolgsmomente machen die Arbeit von der Sprachtrainerin besonders schön. Sie erzählt: „Ein Mädchen, das neu im Kindergarten war, war anfangs so schüchtern, dass sie gar nichts gesagt hat. Mehrere Monate habe ich eine persönliche Bindung zu ihr aufgebaut und inzwischen redet sie in vollständigen Sätzen und führt kleine Tänze auf. Das ist ein schönes Gefühl."

Rhythmus als Lernhilfe

Gelernt wird spielerisch. Inmitten von Gedichten, Bildspielen und einem flauschigen kleinen Küken fällt es gar nicht auf, dass die Kinder neue Begriffe und ein bisschen Grammatik lernen. Mit Liedern werden Namen und neue Wörter vermittelt und Rhythmus hilft bei der richtigen Betonung. „Sobald Kinder Wörter richtig betonen können, sind sie in der Lage bekannte Wörter aus Sätzen heraushören und so den Sinn zu verstehen. Auch mit begrenzten Deutschkenntnissen."

Geringe Deutschkenntnisse sollen die Kinder nämlich nicht vom lernen und Kontakteknüpfen abhalten. Spielen ohne gemeinsame Sprache. Obwohl es manchmal zu Missverständnissen komme sei dies mehr als nur möglich. Dennoch bliebe eine gewisse Frustration nicht aus, vor allem bei den Kindern, die Deutsch nicht von Haus aus lernen. „Stellen Sie sich vor, Sie hören jeden Tag Unterhaltungen, in denen Sie kein Wort verstehen. Das würde jeden frustrieren."

Nicht alles läuft einwandfrei

Trotz dessen oder gerade deshalb mangelt es nicht an Begeisterung bei den Kindern an der Sprachförderung teilzunehmen. Das gleiche ließe sich leider nicht von allen Eltern behaupten. Und unter der mangelnden Kooperation litten auch die Kinder, da eine Zusammenarbeit mit den Eltern vor allem schüchternen Kindern den ersten Schritt zu einer neuen Sprache erleichtern würde, so Snethlageova.

Trotz dessen erhofft sich die Sprachtrainerin eine Verlängerung des Projekts, um das Thema Integration weiter in den Vordergrund zu rücken. Außerdem werde Fachpersonal benötigt, um den Anforderungen gerecht zu werden. „Der Aufwand ist einfach zu groß, um von den Erzieherinnen getragen zu werden. Da helfen auch die gestellten Mittel des Bundes nicht."

Weitere Infos zu „Frühe Chancen"

Die Homepage des Bundesprogramms

Das Programm stellt sich vor

Das Bundesprogramm „Frühe Chancen" startete 2014 in die zweite Runde. Quelle: Frühe Chancen Grafik: Meike Maurer

In der Evaluation der bisherigen Programmphase zeigen sich erste Schwierigkeiten. Quelle: Frühe Chancen Grafik: Meike Maurer

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Über den Autor

Meike Maurer

Crossmedia-Redaktion/ Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2014/15