Restaurants

Integration ist ein Genuss

26.05.2015

Griechen, Italiener, Türken und viele andere Gastronomen mit ausländischen Wurzeln sorgen für Vielfalt. Den Hunger zu stillen ist nur ein Aspekt, die Restaurants bewirken mehr. Menschen unterschiedlichster Herkunft treffen dort zusammen und kommen miteinander ins Gespräch.

Ali Civelek vor seinem Restaurant Dedemoglu in Feuerbach. Foto: Hans-Jörg Ernst

Ali Civelek und seine Leute haben alle Hände voll zu tun: es ist Mittagszeit in Stuttgart-Feuerbach und das türkische Restaurant Dedemoglu in der Mauserstraße ist beliebt für seinen deftigen Mittagstisch und die feinen Baklava-Kreationen des Chefs. Die Gäste genießen Lahmacun und türkische Spezialitäten vom Grill – dabei geben sie ein buntes Bild ab. An einem Tisch sitzt eine türkische Familie, die Frauen tragen Kopftuch. Am Nachbartisch gibt eine Dame mittleren Alters im schönsten Stuttgarter Schwäbisch ihre Bestellung auf. Gleich daneben unterhalten sich junge Leute in einer Mischung aus Deutsch und Türkisch und einen Tisch weiter diskutieren Herren in Businessanzügen miteinander in einem sauberen Hochdeutsch. Immer wieder kommen die einzelnen Gruppen auch untereinander ins Gespräch. Auf eine angenehme Art tragen Restaurants so zur Integration bei.

Beim Mittagstisch gibt es keine Unterschiede

Die internationale Gastronomie ist zu einem Bestandteil der deutschen Kultur geworden. Doch nicht alleine nur Deutsche oder die „eigenen Leute" nutzen die Restaurants. Wie zur Mittagszeit im Dedemoglu in Feuerbach, trifft sich in vielen Restaurants eine bunte Mischung. Das bestätigt auch Levent Günes von der Abteilung für Integration der Stadt Stuttgart. „Restaurants dienen auch als Begegnungsorte. Hier treffen sich die unterschiedlichsten Personen. Das heißt, dass Stuttgarter unterschiedlichster Herkunft zum Beispiel beim Stuttgarter äthiopischer Herkunft essen."

Das Dedemoglu ist eines der wenigen großen türkischen Restaurants in Stuttgart und bekannt für sein Baklava. Zu den kleinen süßen Kunstwerke aus hauchdünnen Teigschichten, die mit grünen Pistazien oder mit braunen Walnüssen gefüllt sind wird Tee, Ayran oder türkischer Kaffee getrunken. Inhaber Ali Civelek hat in Istanbul Konditor gelernt und lebt seit 15 Jahren in Deutschland. Sein Restaurant betreibt er seit vier Jahren. Civelek hat im Vergleich zu den unzähligen Dönerbuden schon ein recht umfangreiches Speisenangebot. Gerne würde er seinen Gästen die hohe türkische Küche bieten, doch es fehlen die Küchenmeister. „In der Türkei leben viele Volksgruppen mit einer unterschiedlichen Küchenkultur, aber der Papierkram mit den Behörden macht es schwer gute Küchenmeister nach Deutschland zu holen", betont Civelek.

Internationale Speisen machen neugierig

Bei Enzo Lagana im Restaurant La Palma wird am Tresen italienisch gesprochen. Bella Italia – da entstehen gleich Bilder im Kopf, von südländischer Lebensfreude und Herzlichkeit. 1989 kam sein Vater Carmelo nach Deutschland und hat zwei Jahre später in der Kleinstadt Renningen bei Leonberg das italienische Restaurant eröffnet. Enzo war damals achtzehn. „Wir kommen aus Kalabrien, von ganz weit unten. Aber ich war jetzt schon dreizehn Jahre nicht mehr in Italien", erzählt Enzo Lagana. In den letzten Jahren hat er Urlaub in Deutschland gemacht. Bei seinen deutschen Gästen ist Italien als Urlaubsland beliebt. „Die Leute, die fragen uns woher wir kommen und wie es da so ist in Kalabrien", berichtet Enzo.

Gemeinsam im Restaurant zu sitzen und zu essen verbindet. Den meisten Gästen scheint es dabei leicht zu fallen, mit Fremden und mit den Besitzern der Restaurants ein Gespräch zu beginnen und sich auszutauschen, über den Urlaub, landestypische Rezepte und die Herkunft. Levent Günes: „Als gebürtiger Stuttgarter bin ich in dieser phantastischen Vielfalt aufgewachsen. Ich glaube, dass dies auch für die meisten Stuttgarter zutrifft. Der Besuch eines internationalen Restaurants weckt auch das Interesse für das Herkunftsland, was wiederum zu einem Informationsaustausch mit den Besitzern führen kann, sofern das Essen schmeckt."

"Schon gewusst?"

Etwa 30 Prozent der Stuttgarter Unternehmer haben ausländische Wurzeln. Die meisten davon sind in der Gastronomie tätig. Das zeigt die Branchenverteilung. Exakte Zahlen gibt es nicht. Dieser Trend ist jedoch rückläufig. Die zweite und dritte Generation an Stuttgarter Unternehmern mit Migrationshintergrund ist zunehmend in den Branchen Finanzen, Ingenieurswesen und Handel tätig. Quelle: Levent Günes, Abteilung Integration Stadt Stuttgart

Integration geht durch den Magen

Menschen mit ausländischen Wurzeln haben mit ihren Restaurants ein Stück ihrer Kultur nach Deutschland gebracht und damit die deutsche Kultur verändert. Die leckeren Speisen machen nicht nur Appetit, sondern auch Lust auf Land und Leute.

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Über den Autor

Hans-Jörg Ernst

Crossmedia-Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2014/2015