Wespenschutz

Kleine, gelbe Nervensägen

07.07.2017

Hand aufs Herz – Wespen zählen wohl die wenigsten zu ihren Lieblingstieren. Vor allem beim Essen im Freien sorgen die kleinen Tiere oftmals für hektische Abwehraktionen und genervte Blicke. Doch es gibt gute Gründe, warum sich Leute wie „Aktion Wespenschutz“-Gründer Peter Tauchert für die kleinen Tiere stark machen.

Im Spätsommer fliegen viele Wespen wieder verstärkt auf Süßes. | Foto: Florian Stelzl

Wer ein Wespennest am eigenen Haus entdeckt, greift in den meisten Fällen schnell zum Hörer: Die Feuerwehr soll das entfernen! „Die Feuerwehr hat dann Wespenneste rigoros vernichtet, weil die Leute das eben nicht haben wollten", erinnert sich Peter Tauchert. Weil er mit den standardmäßigen Vernichtungsaktionen der Feuerwehr unzufrieden gewesen sei, hat der Feuerwehrmann 1993 die „Aktion Wespenschutz" ins Leben gerufen. Hier versucht er mit Aufklärungsarbeit das negative Image von Wespen zu verbessern. „Für mich ist das Erfolgsziel erreicht, wenn ich jemanden durch gute Informationen dazu bewegen kann, das Nest vor Ort zu lassen", erklärt er. Falls das nicht geht, siedelt Peter Tauchert die Wespennester in seiner Freizeit auch selbst um. Für Allergiker und Wespenhasser unvorstellbar: „Manche melden sich am Ende des Jahres und sind so begeistert, dass sie gleich im nächsten Jahr wieder ein Nest wollen."

Aufdringliche Wespen

Viele Biergärten und Cafés geben im Sommer pro Glas gleich zwei Bierdeckel aus – einen als Untersetzer und einen als Wespenschutz. „Noch haben wir keine Wespen, im Hochsommer klagen aber viele unserer Gäste über penetrante Wespen. Das ist nicht gut fürs Geschäft", ärgert sich eine Café-Mitarbeiterin. Wer trotz Vorsicht eine Wespe im Glas findet, verdammt die Tiere schnell kollektiv. Dabei sind nur zwei von insgesamt zwölf Wespenarten für ihren schlechten Ruf verantwortlich. „Nur die deutsche und die gemeine Wespe interessieren sich ab Spätsommer für Süßes. Wenn sie in der Natur nicht mehr genug Nahrung finden, bietet ihnen der Mensch zu dieser Zeit netterweise noch Süßes an", erklärt Peter Tauchert. „Der Rest verrichtet draußen einfach seine Arbeit und kommt dem Mensch nicht in die Quere". Wer Stiche vermeiden möchte, solle einfach die Ruhe bewahren. Wild herumfuchteln mache die Tiere nur unnötig aggressiv.

„Drei Stiche töten einen Mensch, sieben ein Pferd"

Je unbeliebter ein Tier, desto mehr Mythen und Schauergeschichten umgeben es. Bei Wespen ist das nicht anders, doch auch hier sei vieles schlichtweg falsch: „Drei Stiche töten einen Mensch, sieben ein Pferd – das stimmt alles nicht", ärgert sich Peter Tauchert. „Genau bei solchen Märchen versuche ich mit meiner Arbeit eine Lanze zu brechen und durch Aufklärungsarbeit die Tiere in ein positives Bild zu rücken", betont der Feuerwehrmann. Auch Dr. Müller vom Klinikum Stuttgart kann dieses Vorurteil entkräften: „So pauschal kann man das sicher nicht sagen. Für Allergiker kann ein einzelner Stich schon gefährlich werden. Wenn die Wespe aber nicht gerade in den Hals sticht, stirbt daran niemand."

Gute Bienen – böse Wespen

Bienenschutz liegt mittlerweile vielen Menschen am Herzen, beim Thema Wespenschutz reagieren viele trotzdem noch verständnislos: „Am Telefon haben mich viele auch schon ordentlich beleidigt. Manche rufen an und machen einen dann persönlich dafür verantwortlich, dass sich ein Wespennest in der Gartenhütte angesammelt hat", gesteht Peter Tauchert. „Viele denken, dass Wespen total unnütz sind. Das stimmt aber nicht. Wespen bestäuben Blumen genauso wie Bienen. Außerdem vernichten sie schädliche Insekten. Wespen sind also wichtige Regulative im Naturhaushalt", erklärt der Feuerwehrmann.

Warum sind Bienen eigentlich beliebter als Wespen? Wir haben nachgefragt.

Wespennest am Haus – was tun?

Wer ein Wespennest selbst entfernt, macht sich strafbar, denn die Tiere stehen unter Artenschutz. Doch was tun, wenn sich die gelben Tiere in der Nähe eingenistet haben? Peter Tauchert empfiehlt: „Ein guter Weg wäre, sich an das örtliche Umweltamt zu wenden. Die kennen dann meistens einen Wespenberater oder Umsiedler und vermitteln hier einen Kontakt. In 80 Prozent der Fälle können die Nester ohnehin einfach da bleiben, wo sie sind. Im Herbst sterben die Wespennester sowieso ab. Falls das nicht geht, kann man ein Wespennest gleich in der Frühphase bis Juni, Juli umsiedeln. Das mache ich als Umsiedler und hänge es dann mit einem Umsiedlungskasten in freier Natur wieder aus. Wenn man das Nest später entdeckt und partout damit nicht leben kann, muss dann aber auch mal ein Nest vernichtet werden. Aber eben nur, wenn es gar nicht anders geht."

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Über den Autor

Florian Stelzl

Crossmedia Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2016/2017