Zeitalter interaktiver Whiteboards

Kreidehände waren gestern

26.01.2016

Die interaktiven Whiteboards halten Einzug in immer mehr deutschen Schulen. Laut der aktuellsten Statistik verwenden bereits 62% der deutschen Schulen diese Technologie. Eine Schule, die bereits komplett auf interaktive Whiteboards umgestellt hat, ist das Gymnasium Dinkelsbühl in Mittelfranken.

„Unsere Schule verfügt mittlerweile über 40 Whiteboards in mehreren Gebäuden der Schule", erzählt der Schulleiter Bernhard Rieck. Als das Gymnasium im Jahr 2010 grundsaniert wurde, musste sich Direktor Rieck zwischen neuen Kreidetafeln und den interaktiven Whiteboards entscheiden. Schließlich fiel die Entscheidung auf die 95 Zoll großen interaktiven Bildschirme, die mit Computer und Beamer verbunden sind.

Anfängliche Herausforderungen

Die Einführung stellte den Schulleiter und die Lehrkräfte vor viele Herausforderungen: „Als die Tafeln überall drin waren, sind die ersten Probleme aufgetaucht. Ich hatte schlaflose Nächte," meint Bernhard Rieck. Die Mehrheit der Lehrer habe der Einführung zwar zugestimmt, letztlich sei er aber die treibende Kraft gewesen. „Da wäre ich hinterher natürlich der Schuldige, wenn es nicht funktioniert hätte", sagt er. Die Schwierigkeiten zu Beginn waren vielfältig. Sie reichten von Softwareproblemen bis hin zu Fehlern beim Einbau. Beispielsweise waren die Boards nicht richtig austariert, sprich sie rutschten beim Hochschieben ständig nach unten. Nach drei Monaten seien aber die gröbsten technischen Fehler erkannt und behoben worden.

Doch zu modern?

Doch damit war es noch nicht getan. Die Lehrer mussten vor dem ersten Einsatz der Whiteboards erst verstehen, wie die modernen Tafeln funktionieren. Der Besuch einer Schulung war Pflicht. Doch das gefiel nicht dem kompletten Lehrerkollegium. Einige ältere Lehrer, die im darauffolgenden Halbjahr pensioniert werden sollten, sprachen sich gegen das Erlernen der neuen Technik aus. Nicht alle Lehrkräfte der älteren Generation sind davon abgeneigt. Der 64-jährige Englischlehrer Hubertus Schmidt zum Beispiel sieht das anders: „Obwohl ich immer mit Tafeln gearbeitet habe, sehe ich in den interaktiven Whiteboards viele Vorteile. Die Schulung hat mir dabei sehr geholfen." Alle anderen Lehrer hätten sich laut des Schuldirektors ebenfalls schnell damit zurechtgefunden.

Nicht nur die Lehrer, auch die Schüler sind beim Thema Whiteboards zwiegespalten. Die Schülerin Alison Paul sieht viele Vorteile in den interaktiven Whiteboards. „Trotzdem vermisse ich irgendwie das Alte-Schule-Feeling, wo Schüler vor dem Unterricht auf der Tafel auch noch Sperenzchen machen konnten." Bei Stromausfall habe das Gymnasium laut Rektor Bernhard Rieck neben den Bildschirmen eine Magnettafel zum Schreiben angebracht. Denn auf funktionierende Technik sei auch nicht immer Verlass.

Erfahrungen mit dem Whiteboard

Wie kommen Schüler und Lehrer mit den Whiteboards zurecht? Wir haben nachgefragt.

Eine Motivation zum Lernen?

„Unsere Schüler wachsen in der neuen Welt auf. Sie sind damit besser vertraut als wir", sagt Englischlehrer Hubertus Schmidt. Das sei seiner Meinung nach aber gleichzeitig die Gefahr. Sie seien zu viel in der digitalen Welt unterwegs. „Man kann sie als Lehrer dort abholen, wo ihre Interessen sind, aber vielleicht fördert es auch das Vordringen dieser digitalen Welt." Nicht umsonst bezeichnet man diese Generation gern als „Digital Natives".

Man könnte vermuten, dass diese moderne Art zu lernen eine große Motivation für die Schüler sei. Geografielehrer Timo Heß sieht das anders: „Die wichtigste Komponente für den Lernerfolg im Unterricht ist aber, was der Lehrer aus dem Unterricht macht." Das Whiteboard allein sei keine Garantie für guten Unterricht. „Es kann unterstützend wirken, letztendlich kommt es aber darauf an, wie die Lehrkraft es einsetzt."

Die beliebtesten Funktionen der Whiteboards am Gymnasium Dinkelsbühl

Ob Mathematik, Geografie oder Englisch - die Funktionen sind vielfältig und erleichtern Lehrern und Schülern den Unterricht.

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Über die Autoren

Jana Schüler

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