Feng Shui in der westlichen Welt

Lebensweisheiten aus dem Nahen Osten

09.02.2015

Der Wert des Zuhauses lässt sich nicht nur in Quadratmeter messen, sondern auch anhand der Zeit, die man dort verbringt. Was kann verändert werden, um sich in den eigenen vier Wänden noch wohler zu fühlen? Feng Shui – die Harmonielehre aus China liefert Antworten.

Das Handwerkszeug eines Feng Shui Beraters: Ein Kompass, ein Pendel und eine Schablone für die Bagua Analyse. Die Himmelsrichtungen sind ausschlaggebend für die Ausrichtung der Möbelstücke und die Farbauswahl. (Foto: Sarah Krader)

Der Ursprung der Idee

Ursprünglich wandten die Chinesen die Kunst des Feng Shui zur Gestaltung von Grabstätten an – nach und nach auch zur Dekoration von Gärten bis hin zur Einrichtung von Wohnräumen. Doch was ist Feng Shui überhaupt? Es handelt sich um eine Lehre in der Lebensräume umgestaltet werden. Das Ziel ist die optimale Harmonisierung des Menschen mit seinem Umfeld. Feng Shui, das steht für Wind und Wasser. Die vier Elemente und die Himmelsrichtungen spielen hierbei eine tragende Rolle. Der Feng Shui Berater muss das Chi, die unsichtbare Lebensenergie in allem um uns, in einem Raum erkennen und so leiten, dass es ungestört fließen kann. Hört sich kompliziert und wenig greifbar an – und womöglich klingt es absurd, doch es scheint tatsächlich zu funktionieren. Denn ungestörter die Energie fließen kann, desto größer ist der nachhaltige Effekt auf den Menschen.

Harmonisches Wohnen im Westen

Die chinesische Lehre hat sich längst auch in Europa herumgesprochen. Hauptsächlich zu finden war sie ursprünglich in den USA und England, doch mittlerweile hat es Feng Shui auch nach Deutschland verschlagen. Sabine Rieder, Feng Shui Beraterin in Stuttgart, konnte somit ihr Hobby zum Beruf machen. Sie hat mich in ihr Zuhause eingeladen. Ihr Haus trägt die Nummer acht, die Zahl der Unendlichkeit. Betritt man den Eingangsbereich, fühlt man sich sofort wohl. Wie kommt’s? Es handelt sich um einen hellen Raum ohne Abtrennungen und große Fenster. Meine erste Frage ist natürlich ob sie auch hier, in ihrem Eigenheim, ihr Feng Shui Wissen hat miteinfließen lassen. Rieder lächelt und nickt. Sie erklärt, dass sich beim Eintreten der Energiefluss ungestört ausbreiten könne, man finde keine Barrieren. Das Chi lasse ich lenken, erläutert sie, mit Bildern an der Wand, Möbelstücken und Teppichen. Eine harmonische Farbkombination zu finden, sei besonders wichtig. Bei Feng Shui geht es für sie jedoch nicht nur um das Wohnen. Auch die Ernährung, der Körper und Ordnung gehöre dazu und lasse sich nicht abgrenzen. Feng Shui bedeutet auch, abzuschalten und sich wohlfühlen zu können, wenn man von einem stressigen Tag nach Hause kommt. Der esoterische Aspekt steht im Hintergrund. „Wir sind hier in Europa und nicht in Asien", stellt sie schmunzelnd fest. Die Gebäude und Gärten hier seien anders angelegt, man müsse die Richtlinien des Feng Shui anpassen. Mit Pflanzen und Steinen ließe sich viel leiten, so Rieder. „Legt man zum Beispiel einen Kristall neben den Computer, lenkt dieser die vom Gerät ausgehenden Strahlen ab." Rieder hat sich schon immer für Farbgestaltung und Innenarchitektur interessiert, der Schritt zu Feng Shui war also naheliegend. „Meine Ausbildung habe ich in Freiburg absolviert, dort hat sich meine Wahrnehmung für Dinge deutlich sensibilisiert", so die Feng Shui Beraterin. Der Kurs habe sie vieles klarer sehen lassen und sie habe gemerkt, dass man im Leben nie auslernt. Unser Lebensfluss sei wie beim Feng Shui immer in Bewegung und nicht statisch, man könne sein Leben und so auch sein Umfeld immer wieder korrigieren.

Wie macht man’s richtig?

Rieders Kunden kommen aus unterschiedlichen Gründen auf sie zu. Ein Ehepaar zum Beispiel bat sie um Rat, da ihre kleinen Kinder ständig unruhig waren. Eine junge Frau benötigte Hilfe bei der Umgestaltung ihrer Wohnräume aufgrund von Partnerschaftswünschen. Und tatsächlich: so tiefgründig wirkende Probleme ließen sich mit Hilfe von Feng Shui verbessern, beteuert Rieger. „Die Gestaltung unseres Lebensraums hat einen erheblichen Einfluss auf unser Befinden", erklärt sie mir. Nimmt man Rieders Beratung in Anspruch, macht sie sich zuerst mit dem äußeren Umfeld des Gebäudes, wie der Lage und der Zugänglichkeit, vertraut. Daraufhin erstellt sie eine Feng-Shui-Raumkonzeption – mit Hilfe eines Kompasses. Das Wichtigste hierbei ist es, den Energiefluss, das „Chi", zu bestimmen und eine Bagua-Analyse durchzuführen: Anhand des Grundrisses des Gebäudes oder des Raumes wird das Energiezentrum „Tai Chi" festgestellt. Davon ausgehend – und den Himmelsrichtungen entsprechend – können nun bestimmte Farben bei der Einrichtung verwendet werden. Der Norden zum Beispiel steht für die Lebensreise und das Wasser. Blaue Farbtöne und Pflanzen werden zur Verdeutlichung eingesetzt. Allgemein gelten Regeln wie das Einsetzen heller Farben und die Wände werden so konstruiert, dass der Energiefluss nicht unterbrochen wird. „Offene und helle Flächen sind dabei essentiell", sagt Rieger. Häufig handelt es sich jedoch um bereits gebaute Räume, dort kann das Chi geschickt umgeleitet werden.

Alles nur Kommerz?

Viele stehen dem Thema Feng Shui kritisch gegenüber. Der Theologe Rüdiger Hauth begründet seinen Argwohn damit, dass der Energiefluss Chi, die Grundlage und somit ein wichtiges Element der Harmonielehre, naturwissenschaftlich nicht gemessen werden kann. Weiterhin stellt er fest, dass Feng Shui auf einem Glauben basiere, der mit dem Christentum nicht vereinbar sei. Hierbei stellt sich natürlich die Frage, wie man Feng Shui auslegt. Rieger, als Feng Shui Beraterin selbst, hat sich weitaus von der esoterischen Seite entfernt. Für sie ist Feng Shui als eine Lebensweise, eine Einstellung, die den menschlichen Körper und das Wohlbefinden mit dem Lebensumfeld vereint. Die herkömmliche Inneneinrichtung und Farbfindung sei eng damit verbunden. Wie alles im Leben so ist auch Feng Shui eine Sache der Auslegung. Und das aus gutem Grund: Denn wie ließe sich auch ein harmonisches und friedvolles Leben mit naturwissenschaftlichen Maßeinheiten messen?

Die Arbeit eines Feng Shui Beraters

Ich habe Frau Rieder, Feng Shui Beraterin in Stuttgart, bei ihr Zuhause besucht

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Über den Autor

Sarah Krader

Crossmedia Redaktion / Public Relations
Eingeschrieben seit: SS2014