Stadtentwicklung

Leerstand ist Rückschritt

05.02.2015

Die Baubranche in Deutschland boomt. Überall entstehen neue Objekte, angefangen von Wohnungen, über Bahnhöfe bis hin zu riesigen Konsumtempel. Bei all den schillernden Neubauten gerät ein Aspekt häufig in Vergessenheit: Die alten und leer stehenden Gebäude. Durch sogenannte Zwischennutzungen soll wieder Leben in alte Immobilien gebracht werden.

Die Nachteile, die leer stehende Objekte mit sich bringen sind eindeutig: Das Stadtbild und die damit verbundene Attraktivität leiden darunter. Nicht nur, da sich die Bausubstanz zunehmend verschlechtert, auch sind leer stehende Immobilien eine Einladung zum Vandalismus. Sprayer verunreinigen die Fassaden und auch für Rebellierende bieten leere Objekte einen optimalen Spielplatz zum Austoben. Die Gebäude dienen zudem den Obdachlosen als mietfreie Unterkunft oder oftmals auch als Toilettenersatz für all Diejenigen, die es besonders eilig haben. Deutliche Schäden erleiden die Immobilien aber auch in ihrem Innersten. Wasser- und Rohrleitungen werden mit zunehmendem Stillstand immer maroder und rosten ein. Diese Rückwärtsentwicklung schmerzt auch dem Immobilienbesitzer.

Zwischennutzung als Lösung

Bei der Zwischennutzung handelt es sich um die temporäre Inbetriebnahme einer leer stehenden Immobilie. Im Mittelpunkt stehen Geschäftsideen, die für einen begrenzten Zeitraum auf die Beine gestellt werden können. Dadurch entwickelt sich die Stadt fortlaufend und wirkt Rückschritt und Verschleiß entgegen. Die Neueröffnungen locken Anwohner und Besucher der Stadt an und entpuppen sich somit als ideale Lösung für den Attraktivitätsverlust der Stadt. Darüber hinaus entstehen auch Win-Win-Situationen für Mieter und Vermieter. Während Kreative ihr Geschäftsmodell auf günstigere Weise umsetzten können, erfreuen sich Vermieter an ihrer Einnahmequelle. Die Hochburg aller Zwischennutzungen ist Berlin. Hier gehört es zum selbstverständlichen Impuls der Stadt, dass Einkaufspassagen oder Cafe’s früher oder später für darauffolgende Geschäftsideen weichen müssen. Wie lange Interessenten das Gebäude zu ihren Zwecken einnehmen dürfen, entscheidet der Vermieter. Insbesondere kreative Köpfe sind gern gesehene Bewerber für Zwischennutzungen. Die Bewerber können mit ihren ausgefallenen Konzeptideen auch auf die Unterstützung der Stadt zählen. Auch die Wirtschaftsförderung in Stuttgart greift hier den potenziellen Zwischennutzern gerne unter die Arme.

Zwischennutzung Stuttgart

Interview bei der Wirtschaftsförderung Stuttgart

Umfunktionierung - Die Zwischennutzung 2.0

Gebäude die in ihrem früheren Leben ausgedient haben, bekommen durch eine Umfunktionierung nicht nur einen komplett neuen Anstrich, sondern bieten den Leuten auch ein einmaliges und neues Konzept zur Freizeitgestaltung. Bestes Beispiel ist die Stadt Wolfsburg: Dort zauberte man aus einem alten Hallenbad ein buntes Kulturzentrum. In den Sechzigern war das Hallenbad ein beliebter Treffpunkt. Doch 2002 war dann Schicht im Schacht. Das Wolfsburger Hallenbad wurde trockengelegt. Erst fünf Jahre später leuchtet das ehemalige Stadtbad wieder auf und das, als beliebter Kulturtreff: Theater, Kino, Konzerte oder heiße Parties. Hier findet alles unter einem Dach statt und hat sich so als ein attraktives Aushängeschild der Stadt etabliert. Das Schwabenländle kann hier mit seiner Superschanke in der Nähe des Stuttgarter Hauptbahnhofs locker mithalten. In der ehemaligen Tankstelle wird nun Bier anstatt Benzin gezapft.

Superschanke Stuttgart

Interview bei der Superschanke

Stuttgart. Die ehemalige Tankstelle ist heute Club, Bar und Restaurant.

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