Rettungshundestaffel

Letzte Chance für Vermisste

14.06.2017

Suchen, wenn die menschlichen Sinne nicht mehr ausreichen. Polizei und Feuerwehr alarmieren die Rettungshundestaffel Orsenhausen-Biberach, wenn sie nicht mehr weiter kommen. Damit die ehrenamtlichen Helfer Erfolg haben, müssen sie regelmäßig trainieren und Prüfungen meistern.

Trainieren, suchen, retten – so sieht der Alltag von Rettungshund Angus aus. | Foto: Madita Dorn

Michaela Schliefer setzt sich zusammen mit ihrem Rettungshund für Vermisste ein.

Bei jedem Bellen zuckt die Reporterin Sonja zusammen. Der Kiefer des Hundes ist direkt vor ihr. Er zeigt ihr seine spitzen Zähne. Doch der Hund kommt nicht näher. Er bleibt vor Sonja stehen und bellt, bis sein Herrchen angerannt kommt und ihn mit einem Befehl zur Seite zieht. Was für Sonja von redaktionzukunft in diesem Moment erschreckend ist, rettet jedes Jahr viele Leben. Denn Angus greift sie nicht an. Er ist ein Rettungshund des Arbeiter-Samariter Bundes (ASB) und hat die Journalistin im Laufe seines heutigen Trainings gefunden.

Vorbereitung ist alles

Rettungshunde kommen dann zum Einsatz, wenn die menschlichen Fähigkeiten nicht mehr ausreichen. Mithilfe ihres Geruchssinns riechen die Tiere Menschen in bis zu 500 Metern Entfernung. Mit ihrer feinen Nase spüren sie Vermisste in schwer begehbarem Gelände auf – auch bei Nacht.

Während des Rettungseinsatzes sind die Vierbeiner nie allein. Mit ihrem Hundeführer und einem Helfer mit GPS-Gerät suchen sie in Dreier-Teams nach Menschen in Not. Dabei dient das Gerät nicht nur der Orientierung, sondern auch der Abgrenzung des eigenen Suchgebietes von dem der anderen Teams. Diese Taktik nutzt der ASB, um mehrere Hunde gleichzeitig einsetzen und somit großflächige Gebiete zielsicher absuchen zu können.

Die Mitglieder des ASB Orsenhausen-Biberach auf dem Weg zu einem Einsatz. | Foto: Chiara Hiller

Den Umgang mit GPS, Erste Hilfe an Mensch und Hund, sowie Fachwissen zur Einsatztaktik lernen die Hundeführer parallel zur anderthalb- bis zweijährigen Ausbildung der Tiere. Im wöchentlichen Training auf dem Platz und im Wald befolgen die Hunde Kommandos und spüren Menschen in Übungseinsätzen gezielt auf.

Ein Hund ist ab Kniehöhe als Rettungshund geeignet. Der ASB bildet sie je nach Einsatzgebiet zum Flächensuchhund, Trümmerhund oder Personenspürhund (Mantrailer) aus. Das Ziel aller Suchmannschaften ist es, vermisste Menschen möglichst schnell zu finden. Meist handelt es sich bei den Vermissten um ältere Menschen oder Kinder, die nicht mehr nach Hause finden.

Ein Ehrenamt rettet Leben

Der Rettungshundezug des ASB Orsenhausen-Biberach findet durchschnittlich eine Person pro Jahr. Die Suchen sind dann erfolglos, wenn die vermisste Person nicht in dem, von der Polizei angegebenen, Gebiet ist. Somit ist die aktuelle Erfolgsquote, laut Michaela, hervorragend.

Michaela Schliefer ist seit elf Jahren Mitglied der Rettungshundestaffel und hat bereits einer Frau das Leben gerettet. Gemeinsam mit ihrem Hund Angus fand sie die ältere Dame unterkühlt im Gebüsch. „Für solche Momente zahlt sich das viele Training aus", findet Michaela. Sie strahlt. Die Freude über ihren Erfolg ist auch jetzt noch sichtbar.

Michaela und Angus – das erfolgreiche Team. | Foto: Michaela Schliefer

Anspruchsvolle Prüfung

Bundesweit hat der ASB derzeit 43 Standorte. Alle 18 Monate müssen die Teams eine Prüfung meistern, damit die Qualität ihrer Suche im Notfall gesichert ist. Diese Prüfung stellt die Gruppe oft vor eine große Herausforderung. Auch in Michaelas Staffel haben nicht alle Tiere und Führer die Prüfung bestanden. Zu den Aufgaben zählt das Aufspüren von Menschen und ein Theorietest. Zusätzlich müssen sich die Hunde ruhig vom Menschen tragen lassen. Wer nicht besteht, kann die Prüfung ein halbes Jahr später wiederholen. Nach erfolgreichem Abschluss sind Mensch und Hund wieder als Rettungskräfte zugelassen.

Erst dann muss das Mitglied der Rettungshundestaffel 24 Stunden am Tag erreichbar sein. Bezahlt wird es dafür nicht, denn die Arbeit in der Rettungsstaffel ist ehrenamtlich. Doch für die Hoffnung, die die Rettungskräfte den Angehörigen und Vermissten geben, nehmen sie das gern in Kauf. Die Ehrenamtlichen wissen: Ihr Einsatz ist oft die letzte Chance für Vermisste.

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Über die Autoren

Madita Dorn

Crossmedia-Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 16/17

Sonja Lingg

Crossmedia Redaktion/ Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2016/2017

Chiara Hiller

Crossmedia-Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 16/17