Kirchenasyl

Letzte Chance: Zuflucht durch die Kirche

04.05.2015

Die Flucht aus Krisengebieten ist gefährlich. Auf deutschem Boden angekommen steht Flüchtlingen aber die nächste Hürde bevor: der Asylantrag. Asylpfarrer Werner Baumgarten erklärt die Unterstützung durch die Kirche.

Seit über 30 Jahren ist es der Kirche in Deutschland möglich, illegale Flüchtlinge zeitlich befristet aufzunehmen. Das sogenannte „Kirchenasyl" können Gemeinden gewähren, wenn bei einer Abschiebung Folter oder Tod drohen. Laut Erhebungen der Bundesarbeitsgemeinschaft „Asyl in der Kirche" würde so in über 75 Prozent der Fälle eine Lösung gefunden, die Flüchtlinge vor menschrechtswidrigen Zuständen bewahre.

Werner Baumgarten ist seit 1991 „Asylpfarrer" des Evangelischen Kirchenkreises Stuttgart. Er setzt sich für die Rechte von Flüchtlingen ein und ist Ansprechpartner für Gemeinden, die erwägen einem Flüchtling Kirchenasyl zu gewähren. Vor dreißig Jahren hat er den Arbeitskreis Asyl Stuttgart gegründet, der Initiativen für Flüchtlinge organisiert. In seinem Büro in Stuttgart hängen von Flüchtlingen gemalte Bilder an den Wänden. Er erzählt von seiner Arbeit und erklärt, wie Kirchenasyl funktioniert:

Vom Kirchenasyl zur Briefbombe

Werner Baumgarten erklärt, wie sich die Kirche für Flüchtlinge einsetzt und was unter Kirchenasyl zu verstehen ist. Außerdem spricht er darüber, wie er von Rechtsextremisten bedroht wird.

Fehlende Kommunikation

Doch wieso gibt es so etwas wie Kirchenasyl? Bei Härtefällen müsste doch in Deutschland sicher Asyl gewährt werden, oder? Baumgarten zufolge liege das einerseits an schlechter Vorbereitung auf die erste Anhörung in einer der Außenstellen. Dort müssen die Flüchtlinge auf 25 Standardfragen antworten. Diese Fragen würden oft nicht genügen, um die genauen Umstände zu erfassen. So müssten die Flüchtlinge selbst auf entsprechende Situation zu sprechen kommen – was sie oft nicht tun, weil sie das nicht wissen. Oder weil es eben nicht einfach ist, von gewissen Vorfällen, wie etwa Vergewaltigungen, zu berichten. Baumgarten setzt sich intensiver mit den Flüchtlingen auseinander und genießt dabei auch wegen des Beichtgeheimnisses hohes Vertrauen. So kann er sich ein genaueres Bild verschaffen und den Flüchtling besser auf dessen nächste Anhörung vorbereiten, um Glaubwürdigkeit und somit die Chance auf Asyl zu erhöhen.

Das erste Kirchenasyl wurde 1983 in Berlin gewährt. Seit dem hat es Kirchenasyl.de zufolge mehreren tausenden Menschen das Leben gerettet. Im vergangenen Jahr waren bundesweit rund 400 Flüchtlinge betroffen. Eigentlich entspricht Kirchenasyl keiner gültigen Rechtslage. Aber Recht oder Unrecht umfasst mehr als die Frage nach der Legalität, deswegen ist Kirchenasyl ein Appell an unsere Menschlichkeit.

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Über den Autor

Fabian Rohr

Crossmedia Redaktion (PR)
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2014/15