Einsatz im Team

Lucky sorgt für strahlende Gesichter

09.06.2017

Beobachten, berühren, kommunizieren. Ganz unterschiedlich reagieren die Bewohner, wenn Jürgen Ammer mit Therapiehund Lucky die Diakonie in Stetten betritt. Der Hund genießt die Aufmerksamkeit und geht munter auf die Menschen zu. Doch nicht immer darf Lucky seiner Freude freien Lauf lassen, denn das Therapie-Team besucht Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung.

Jürgen Ammer und sein Therapiehund Lucky sind als Team unterwegs. |Foto: Isabel Mayer

Jürgen nimmt seinem Hund das Gliederhalsband ab und bindet ihm ein Halstuch mit der Aufschrift „Therapiehund Lucky" um. Für den fünfjährigen Rüden ein klares Zeichen: Ab jetzt ist er im Einsatz. Er wirkt konzentriert und man merkt ihm die Vorfreude an. Den Weg vom Auto zu den Bewohnern kennt er genau. Laute Begrüßungsrufe einiger erreichen Lucky schon von Weitem, von allen Seiten kommen die Menschen aus den Wohnräumen um den Vierbeiner willkommen zu heißen.
Jeden Montag und Donnerstag besuchen Jürgen Ammer und sein ausgebildeter Therapiehund Lucky die Diakonie in Stetten. Dort leben Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung in Wohngruppen zusammen oder werden zeitweise betreut. Die beiden verbringen Zeit mit einzelnen Bewohnern, oder auch in Gruppen von bis zu acht Personen. Der 68-Jährige bereitet dafür verschiedene Aufgaben vor, die die Bewohner zusammen mit Lucky bewältigen.

Robert (links) hat keine Berührungsängste. Er streichelt Lucky gerne und genießt den Körperkontakt. |Foto: Isabel Mayer

Extrazeit
Seit über zehn Jahren können sich Menschen über die Plattform „Extrazeit" bei der Diakonie in Stetten im Remstal engagieren. Mehr als 1000 ehrenamtliche Helfer bereichern den Alltag der Menschen mit Behinderung. Dabei darf sich jeder so einbringen wie er möchte, nur die gewisse „Extra-Zeit" sollte er mitbringen. Egal ob für Gespräche, Spaziergänge oder andere Tätigkeiten – hier werden den Ideen keine Grenzen gesetzt. Ansprechpartner dafür ist Thomas Leicht. Als Koordinator betreut er die Ehrenamtlichen und hilft ihnen, die richtige Aufgabe für sich zu finden.

Ehrenamt als neue Aufgabe

„Ich hatte im Leben viel Glück und ich habe Freude daran, etwas davon an andere Menschen weitergeben zu dürfen."

Als Jürgen kurz vor der Rente steht, überlegt er, wie er sein künftiges Leben gestalten möchte. Ein neuer Hund soll eine Rolle darin spielen und an eine ehrenamtliche Tätigkeit hatte er schon länger gedacht. „Ich möchte zu Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung gehen" – so viel steht für ihn fest, als er zum Züchter geht. Zuvor hatte er sich über verschiedene Hunderassen informiert: Der Hovavart gefiel ihm besonders gut. Durch einen Bericht über ein anderes Therapiehunde-Team wurde er auf das Thema aufmerksam und befasste sich intensiv mit der Betreuung von Menschen mit Behinderung. Der Züchter macht nach sieben Wochen einen Wesenstest mit den Welpen. Lucky beweist sich als sehr kontaktfreudig, aber trotzdem immer gelassen, ruhig und vorsichtig im Umgang mit anderen: Perfekte Voraussetzungen für die Karriere als Therapiehund. Nach erfolgreicher Ausbildung üben die beiden zunächst in einem Seniorenheim. Jürgen will sich vor dem Beginn der Arbeit mit Menschen mit Behinderung erst richtig sicher fühlen. „Heute bin ich sehr glücklich und zufrieden in der Diakonie in Stetten. Ich habe das Gefühl, man kümmert sich um mich und bei Problemen ist immer einer da."

Lernen, trainieren, agieren

Lucky musste einiges lernen, bevor er als Therapiehund eingesetzt werden konnte. 2014 macht Jürgen mit ihm die Ausbildung zum Begleithund. Hierbei geht es um den allgemeinen Gehorsam des Hundes. Dazu gehören Kommandos wie „Sitz", „Platz" oder „Steh", oder auf bestimmte Hör-und Sichtzeichen zu reagieren. Doch damit war es noch nicht getan. 2015 steht die Therapiehundeausbildung an. Sechs Monate lang paukt Jürgen jede Woche einmal Theorie und trainiert am Wochenende mit Lucky die Praxis. Die Hunde lernen den Umgang mit Menschen, die im Rollstuhl sitzen, und wie sie sich ihnen gegenüber verhalten müssen. Am 15. Juli 2015 ist es so weit: Die beiden legen die Prüfung zum Therapiehunde-Team ab und sind somit bereit für ihren ersten Einsatz.

Nicht immer verlässt Jürgen die Diakonie mit einem guten Gefühl. Er berichtet von den weniger schönen Momenten bei seiner Arbeit mit Menschen mit Behinderung. |Quelle: Isabel Mayer

Eisbrecher und Spannungslöser

„Ich genieße die Zusammenarbeit mit Lucky, wenn er mir zeigt, dass er den Menschen mit Behinderung unvoreingenommen begegnet und sie so nimmt, wie sie eben sind." Durch viele verschiedene Aspekte hilft das Team den Menschen in der Diakonie. Für manche ist allein schon der Anblick des Hundes eine willkommene Ablenkung von ihrem Alltag. Sie beobachten Lucky aus sicherer Entfernung und lassen ihn nicht mehr aus den Augen. Andere dagegen umarmen den Hund freudig und genießen die Zärtlichkeiten und den Körperkontakt. Lucky wirke oft als „Eisbrecher" und „Spannungslöser", erzählt Jürgen. Den größten Erfolg hatte das Team bei einem Bewohner, der seinen Oberkörper nicht kontrollieren konnte und unter Zuckungen litt. Die beiden besuchten ihn wöchentlich. Er streichelte Lucky und kuschelte mit ihm. Nach nur wenigen Minuten entspannte er sich und die Zuckungen waren fast komplett verschwunden. „Dies zu sehen, hat mich sehr berührt, und ich werde die Bilder wohl nie vergessen".

So vielseitig kann Helfen sein

Kurz mal raus in die Sonne und sich mit Freunden auf einen Kaffee treffen. Für die Meisten nichts besonderes. Doch für viele Menschen mit Behinderung geht das nicht so einfach. Darum sind die ehrenamtlichen Helfer so wichtig für die Diakonie in Stetten.

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Über den Autor

Isabel Mayer

Crossmedia-Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 16/17