Virtueller Einsatz

#meerrettich – ein Hashtag für Weltretter

06.06.2017

Mit maximal 140 Zeichen das Meer vor tonnenweise Plastik retten. Eine Sache der Unmöglichkeit? Jungagiert und Greenpeace zeigen mit dem Umweltschutzprojekt #meerrettich, wie es funktionieren kann.

Plastic is displayed on a beach and the word ‘Trash’ is spelt out from golf balls. The wide variety of items shown in this image highlight the diverse range of sources from which the plastics in our oceans originate. This is part of the Ocean Defenders Campaign in which the Greenpeace ship Esperanza MV sails to the Pacific Ocean, sometimes referred to as the North Pacific garbage patch, to document the threat that plastic poses to the environment and sea life.Bis zu 13 Millionen Tonnen Kunststoff gelangen laut Greenpeace jährlich über Gewässer, Wind, Sturmfluten oder Hochwasser vom Land ins Meer. |Foto: Greenpeace/ Alex Hofford

Handy raus, Twitter auf. Der rechte Daumen wischt mit gleichmäßigen Bewegungen über den Bildschirm. Ihre Augen wandern von einem Tweet zum nächsten. „Oh man", denkt sich Sabrina, „was läuft denn bei Flo schief? Wieso twittert er über Meerrettich?!" Irritiert und neugierig zugleich klickt die 20-jährige Studentin auf das gleichnamige Hashtag. Doch unter #meerrettich verbergen sich nicht wie erwartet scharfe Rezepte. Twitter-Nutzer berichten über ihren Einsatz gegen Plastikmüll im Meer. Angesteckt von dem Engagement der anderen hinterlässt auch Sabrina einen kurzen Tweet: Hab inzwischen immer eine Stofftasche dabei. Die halten eh mehr aus als Plastiktüten.

„Bei #meerrettich – also Meer rett‘ ich – sind wir so vorgegangen, dass wir mit Jugendlichen und dem Projektpartner Greenpeace einen inhaltlichen Workshop gemacht haben. Dort gibt es verschiedene Dinge, die wir miteinander kreieren, erarbeiten und entscheiden", erklärt Anna Frey, Vorstand von Jungagiert e. V. Den jungen Teilnehmern des Workshops sei relativ schnell klar gewesen, dass das gemeinsame Projekt gegen Meeresverschmutzung unter dem Namen #meerrettich laufen soll. Ein Ergebnis des Workshops ist unter anderem das erfolgreiche YouTube Video „Michael Schulte covert Marteria". Mit zahlreichen selbsterstellten Plakaten informieren die Workshop-Teilnehmer den Zuschauer des Musikvideos über die Folgen des Plastikmülls.

In den Workshops von Jungagiert werden nicht nur Videos gedreht. Die engagierten Jugendlichen können hier ihrer Kreativität freien Lauf lassen. |Foto: Jungagiert

Retter gesucht

Trotz oder wie in Sabrinas Fall gerade wegen der Verwechslungsgefahr mit dem Wurzelgemüse erregt das Hashtag des gemeinnützigen Vereins große Aufmerksamkeit im Internet. Ziel ist es, junge Leute über die sozialen Netzwerke für Meeresschutz zu begeistern.

„Jungagiert will zeigen, dass sich Jugendliche sehr wohl für bestimmte Themen einsetzen wollen und können. Uns geht es eigentlich nicht darum, möglichst viele Mitglieder für Jungagiert e.V. zu gewinnen, sondern Unterstützer bei den einzelnen Projekten", so der Vorstand des Vereins.

Nicht nur die Zielgruppe, sondern auch der Verein selbst ist noch jung. 2014 beschlossen Mitarbeiter von Minax, eine Gesellschaft für Jugend- und Dialogmarketing in Dresden und Berlin, den Verein zu gründen. Seitdem ist der We-Like Blog das größte Projekt des Vereins. Wer dort einmal vorbeischaut, wird feststellen, dass nicht nur junge Blogger, sondern auch ein Wiesel auf mysteriöse Weise Beiträge veröffentlicht.

Wer steckt hinter dem We-Like Wiesel? |Quelle: Merle Flachsbarth

Mission: Mobilisieren

Hintergrundgedanke des We-Like Blogs ist die Idee eines Engagement-Kompasses. Jungagiert plant einen Printkatalog für Multiplikatoren wie Lehrer oder andere Personen, die sich für Angebote für Jugendliche engagieren. Dieser Kompass wird verschiedene Möglichkeiten präsentieren, sich einzusetzen. Laut des Vereins „muss ein Bewusstsein geschaffen werden, was der Einzelne ausrichten kann. Zum einen, was die Verschmutzung der Meere angeht, zum anderen betrifft das auch viele weitere Umweltthemen. Jeder Einzelne unterschätzt oft, wie viele er mit seinen Taten mitreißen kann."

Mitreißen – das kann Hannah Stienen. Die 19-jährige Sängerin gilt als Influencerin in den sozialen Netzwerken. Auf ihrem YouTube Kanal produziert sie Videos zu Themen, die die Jugend beschäftigen. In ihrem Format #CommunityTalk besprechen Hannah und ihre Zuschauer Themenpunkte wie Liebeskummer, Handynutzung oder Berufsorientierung. Die Initiatoren von #meerrettich erkennen die Chance und nutzen Hannahs #CommunityTalk, um auf das Umweltschutzprojekt aufmerksam zu machen.

„Ich habe sowieso mit dem Gedanken gespielt, ein Video zu dem Thema zu drehen. Vielleicht habe ich noch keine besonders große Reichweite, aber die Reichweite, die ich habe, möchte ich dafür nutzen, etwas Gutes zu bewirken", sagt Hannah.

Bei der Produktion ihres Videos sei Hannah sehr frei gewesen. Neben Fakten und Zahlen zur Meeresverschmutzung, berichtet die Influencerin über ihren Selbsttest zum Plastikverbrauch im Alltag. Besonders beim Einkaufen versuche sie unnötige Verpackungen zu vermeiden und mache auch ihre Freunde auf ihren Plastikkonsum aufmerksam.

Hannah Stienen war nicht die einzige Influencerin bei dem Projekt #meerrettich. Nach welchen Kriterien werden die Influencer ausgesucht? Anna Frey erzählt es uns. |Quelle: Merle Flachsbarth

Gemeinsam Großes bewirken

Anna Frey sieht den Erfolg des #meerrettich Projektes darin, dass junge Menschen auf Augenhöhe miteinander kommunizieren. Für sie ist ebenfalls entscheidend, dass Jungagiert Vorbilder gefunden hat, „die glaubhaft deutlich machen, worum es geht und wieso es wichtig ist, sich dafür einzusetzen."

Diese Beweggründe sind bei jedem Unterstützer natürlich individuell. Sabrina dachte bei der Teilnahme am Projekt bereits an ihre Nachkommen. Weder ihren Kindern, noch Enkelkindern möchte sie einmal von ausgestorbenen Meeresbewohnern erzählen müssen. Für ihren Einsatz unter dem Hashtag wurde die Tourismusmanagementstudentin sogar mit dem Hauptgewinn des Projektes belohnt: Ein Wochenendtrip nach Hamburg inklusive Schlauchbootfahrt für sie und drei weitere Freunde. „Ich war total überrascht, da ich bis zur E-Mail von Greenpeace mit dem Betreff ‚Herzlichen Glückwunsch‘ nicht mal wusste, dass das ein Gewinnspiel war."

Der anfangs vermeintlich belanglose Tweet über Jutebeutel zahlte sich letzten Endes aus. Zweifel an dem Erfolg von Umweltprojekten habe die 20-Jährige aber ohnehin nie gehabt:

„Natürlich können solche Projekte etwas bewirken! Jeder weiß, dass die Weltmeere verschmutzt sind und wir Menschen nicht länger so weitermachen können. Aber wie genau man helfen kann, wird meist nur durch solche Kampagnen bewusst. Abgesehen von meinem Tweet gibt es noch viel mehr Denkanstöße. Gemeinsam kann man letztendlich etwas Großes bewirken, jemand muss nur klein anfangen."

(M)EinSatz als Weltretter

Twitternutzer verraten uns ihren persönlichen Einsatz gegen Meeresverschmutzung in einem Satz. |Fotos: Merle Flachsbarth

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Über den Autor

Merle Flachsbarth

Crossmedia-Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 16/17