Wo deutsche Unterstützung hilft und wo sie an ihre Grenzen stößt

Milliardenrätsel „Gute Tat“

03.07.2017

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erklärte Uganda 2007 zum Schwerpunktland. Allein 2015 hat Deutschland Nettozahlungen von 16,173 Milliarden Euro in die Entwicklungshilfe von Dritte Welt Ländern investiert. Doch helfen diese Milliarden Ländern wie Uganda voranzukommen?

Anna Namuddu hilft AIDS-Waisen in Uganda |Foto: zur Verfügung gestellt von F. Kibler

Facts about Uganda | Quelle: Anna-Lena Bindel und Leonie Höfer

Zahlreiche Menschen leiden unter großer Armut, insbesondere Frauen, Bewohner ländlicher Regionen und die Bevölkerung im krisenanfälligen Norden des Landes. Auch das Thema HIV und AIDS ist immer noch ein großes Problem der Bevölkerung.

Ruth Nabembezi wuchs in einem Waisenhaus in Uganda auf. Sie verlor ihre Familie an die Krankheit HIV. Tragisch war vor allem der Tod ihrer kleinen Schwester. Stammesmitglieder ihres Dorfes waren der Ansicht, ein Dämon hätte Besitz ihrer Körpers ergriffen. Letztendlich starb sie während eines Besuches bei einem sogenannten "Hexenaustreiber”. Mit Hilfe von sexueller Aufklärung, einer richtigen Diagnose und der daraus resultierenden Medikation hätte ihre kleine Schwester noch ein langes Leben vor sich gehabt. Und dieses Schicksal ist kein Einzelfall. HIV ist nach wie vor ein großes Problem der Bevölkerung.


"Sie steckten sie in einen Schrein und wollten ihr die Dämonen austreiben”- (Ruth Nabembezi)


Kinder, geprägt durch ein schweres Schicksal, finden heute bei Organisationen wie "Social Innovation Academy”, kurz "SINA”, Halt. Die Organisation schafft Arbeitsplätze für Schulabgänger. Grund für die fehlenden Perspektiven ist beispielsweise, dass sich die Jugendlichen dort kein Studium nach dem Schulabschluss finanzieren können. Ein Studium an der Universität kostet pro Semester 1000 Euro. Bei einem monatlichen Durchschnittseinkommen von 30 Euro ist das für die meisten unbezahlbar. Viele Ugander wachsen zudem in hieraristischen Strukturen auf. Es wird ihnen von klein auf vorgegeben, was sie zu tun haben. Dadurch fehlt es ihnen vor allem an Freiraum für ihre eigenen Ideen. Demnach liegt die Jugendarbeitslosigkeit in Uganda bei 83 Prozent. SINA ermöglicht es, durch eine Art Start-Up-Center, den Jugendlichen einen Raum für ihre Ideen zu geben. Statt nach nicht vorhandenen Arbeitsplätzen zu suchen, sollen die Jugendlichen sich selbst ihre Arbeitsplätze in eigenen Sozialunternehmen schaffen. In Gruppen und unter Anleitung von Mentoren arbeiten sie dazu an kreativen Ideen bis hin zur Gründung von eigenen Unternehmen.

Arbeiten in der Social Innovation Academy in Uganda

Bei SINA werden verschiedene soziale Projekte gefördert | Fotos: Etienne Salborn

Auch Ruth Nabembezi hat von dieser Hilfe profitiert. Durch das Coaching von SINA hat sie ihr eigenes Social Business entwickelt und eine App entwickelt. "Ask without shame” gibt jungen Ugandern die Möglichkeit, anonym Fragen über Sexualität zu stellen, die dann fachgerecht beantwortet werden . Diese Idee generierte eine Nutzercommunity von mittlerweile 50.000 Menschen. Für den Einsatz, ein Problem zu beseitigen, von dem sie selbst betroffen war, erhielt Ruth Nabembezi mehrere Auszeichnungen.

Ein Paradebeispiel wie Entwicklungshilfe funktionieren soll. Etienne Salborn, Leiter von SINA, distanziert sich jedoch von dem Begriff "Entwicklungshilfe”. Er ist der Meinung, dass man den Menschen nicht nur finanziell helfen sollte, sondern ihnen den Raum geben muss, dass sie sich selbst helfen können.


"Manchmal sind Lösungen, die in Deutschland konzipiert werden, vor Ort nicht umsetzbar” (Etienne Salborn)


Die gute Absicht der deutschen Entwicklungshilfe konnte in Uganda oft nicht den gewünschten Effekt erzielen, weil sie die Menschen in ihrer Unselbstständigkeit bestärkt hat. Geld hat der Entwicklung also häufig sogar geschadet, weil es die Eigeninitiative lähmt. Einige Afrikaner beziehen klar Position gegen die Hilfe aus dem Westen. Der junge Afrikaner James Shikwati forderte 2014 in einem Interview mit der FAZ Ungewöhnliches: „Stoppt die Entwicklungshilfe!”. Er ist der Meinung, dass die internationale Hilfe korrupte Strukturen verfestige und Afrikaner davon abhalte, mehr Eigeninitiative zu zeigen. Er unterstellt den Geldgebern eigene Machtinteressen, die für Afrika letzten Endes mehr Schaden als Nutzen anrichten.


"Ich möchte nicht, dass Helfer von heute auf morgen ihre Koffer packen und die Menschen in Not zurücklassen. Ich will, dass mein Volk sein Schicksal selbst in die Hand nimmt und ihm dabei niemand im Weg steht.”- (James Shikwati)


Franz Kibler, deutscher Leiter des Projekts "Annas Kinder”, äußert sich zum Thema deutsche Entwicklungshilfe in Afrika. |Quelle: Anna-Lena Bindel und Leonie Höfer

Ein weiteres Beispiel für Hilfe zur Selbsthilfe ist das Projekt Anna’s Kinder der Stuttgarter Aidshilfe. Circa 30 Kinder leben bei der gebürtigen Uganderin Anna Namuddu und gehören zur Familie der unverheirateten Frau. Die Eltern dieser Kinder sind meist an AIDS verstorben. Mit solch kleinen Projekten wie Anna’s Kinder ist den Menschen vor Ort meist mehr geholfen als mit Projekten manch großer Organisationen, die mit ihrer vermeintlichen Hilfe meist große Teile von Spendengeldern in die eigene Tasche stecken und nicht ganz zuletzt auch den eigenen Nutzen in ihrer Hilfe sehen. Auch kommt mit der großen Armut gleichzeitig die Schwierigkeit mit der Korruption auf. Es ist also zu differenzieren, ob eine Organisation wirklich die Armut bekämpft, oder ob sie die Probleme nur verlagert.

Warum scheitert Entwicklunsghilfe? |Quelle: Anna-Lena Bindel und Leonie Höfer

In weniger als 20 Jahren wird sich die Bevölkerung durch das enorme Bevölkerungswachstum auf 80 Millionen verdoppeln. Die sozialen und auch die ökologischen Schwierigkeiten werden sich zuspitzen. Daher braucht Uganda starke Organisationen mit dem Willen zu handeln. Eigene Ideen sollen anstelle der Fremdförderung an erster Stelle stehen. „Profit darf nicht durch Ausbeutung der Umwelt oder Gesellschaft entstehen. Auch darf Erfolg nicht daran gemessen werden, wie viel Profit erwirtschaftet wird.”, so Shikwati. Sind diese Faktoren nicht gegeben, ist eine nachhaltige Entwicklung schlicht nicht möglich.

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Über die Autoren

Anna-Lena Bindel

Medienwirtschaft
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2015

Leonie Höfer

Medienwirtschaft
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2015