Online-Volunteering

Mit Photoshop die Welt verbessern?

28.04.2017

Alten Menschen in der Nachbarschaft beim Einkauf zu helfen ist out. In einer digitalisierten Welt engagieren sich junge Leute über Internetplattformen. Eine davon: YOUVO – You create. You volunteer.

Kommunikationsdesigner Felix (29) aus Köln engagiert sich über youvo.org regelmäßig für soziale Projekte. |Foto: Jana Stäbener

Das Konzept von YOUVO ist schnell erklärt: Mediengestalter und andere Kreative setzen sich für den Erfolg sozialer Projekte ein. Sie helfen ihnen so beispielsweise bei der Entwicklung von Flyern, Logos oder Webseiten. Die Kreativszene verwächst mit dem Ehrenamt – eine Idee, die Sebastian und Simon, Mitbegründer von Youvo, während eines Freiwilligendienstes in Michigan (USA) hatten. Durch die Finanzkrise waren damals öffentliche Gelder für das örtliche Gemeindezentrum weggebrochen. „Wir mussten Fundraising betreiben, um Spenden zu sammeln", sagt Sebastian Schütz. „Da kam uns die Idee, einen Film und Bilder von den Menschen dort zu machen, damit das Ganze greifbarer wird." Mit dieser Idee trafen sie voll ins Schwarze.

Ein Marktplatz, der beide Seiten zusammenbringt

Wieder zurück in Deutschland merken die beiden, dass es noch keine Möglichkeit gibt, sich mit Kreativität zu engagieren. „Es brauchte eine Art Marktplatz, der die Kreativen und die sozialen Projekte zusammenbringt", erzählt Sebastian. Damit Kreative im Studium nicht mehr für fiktive Organisationen, sondern für echte Auftraggeber ein Design entwickeln können, entstand 2012 an der Universität der Künste in Berlin die Idee „Youvo". Eine Plattform, die als Schnittstelle fungieren soll. Im Juni 2014 ging die Webseite an den Start und erhielt seitdem Unterstützung von mehreren Stipendien.

Grafik | Jana Stäbener via Piktochart

Youvo bietet Kreativen Freiraum

Neben der Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln, mögen Kreative an Youvo vor allem die Unverbindlichkeit. Jonathan aus Weinstadt designt schon seit seiner Schulzeit für Youvo. Das erste Projekt des heute 19-Jährigen war die Entwicklung eines Logos für das Social-Start-up „One world doctors". Eine App, die Spezialisten mit Diagnostikern auf der ganzen Welt verknüpfen will. Für die Arbeit am Entwurf luden ihn die Gründer der App nach Berlin ein, um im Co-Working-Space gemeinsame Sache zu machen. „Die Zusammenarbeit dort hat mir echt Spaß gemacht! Ich hatte total viel Freiraum bei der Gestaltung", sagt er. Er mag an Youvo vor allem auch die Projektvielfalt: „Das Tolle ist eben, dass man sich nach jedem Projekt wieder was neues Schönes suchen kann. Und man lernt neue Leute kennen und ist viel unterwegs."

Der Hilfsorganisation „One world doctors" half Jonathan (19) bei ihrem Corporate Design. |Foto: Jana Stäbener

Einfach Herzenssache

Auch der 29-jährige Felix aus Köln schätzt diese Freiheit. Er studiert Kommunikationsdesign und war schon bei einigen Youvo-Projekten mit von der Partie. „Der Prozess von der ersten Kontaktaufnahme bis zu dem Punkt, an dem es dann vorangeht, ist bei Youvo sehr komplikationsfrei. Das erlebt man sonst nicht so häufig." Für ihn ist der Einsatz für Soziales auch ein Ausgleich zum Studium. „Ich bin sozusagen ein helfender Freigeist, der manchmal einfach das Gefühl von Engagement braucht", beschreibt er sich. „Für mich gibt es immer drei Faktoren die wichtig sind: Entweder stimmt das Geld, es stimmt die eigene Entwicklung oder es ist eben Herzenssache. Und ja, bei mir ist es häufig das Herzensthema – weil ich einfach Bock drauf hab."

Hör dir an, was Felix und Jonathan zu Youvo sonst noch so erzählen:

Grafik | Jana Stäbener via Piktochart und Thinglink

Das Engagement der Zukunft

Schon über 200 Projekte haben über Youvo einen Kreativen gefunden. Eines dieser Projekte ist das bundesweite Förderprogramm „CHILDREN JUGEND HILFT", das Jugendliche dazu motiviert, sich für andere Kinder einzusetzen. Für ihr Programm benötigte die Organisation einen Imagefilm, den sie über Youvo in Auftrag gab. „Wir haben auch schon mit Agenturen kooperiert. Da ist qualitativ überhaupt kein Unterschied zu Youvo", sagt Kathrin Fehse, die Leiterin des Förderprogramms. „Youvo ist eine Win-win-Situation", meint sie. Dennoch sieht sie es kritisch, dass die Freiwilligen überhaupt auf eine Plattform angewiesen sind.

Kreative könnten sich auch vor Ort erkundigen, ob Projekte Hilfe bei der Kommunikation brauchen. „Soziale Organisationen brauchen überall Unterstützung", so Fehse. „Oft stellen sich Leute, wenn sie an soziales Engagement denken, Altenpflege oder so etwas vor. Genau von dieser klassischen Vorstellung sollten wir in Zukunft wegkommen."

Realisierte Projekte

Nicht nur die sozialen Projekte profitieren von der Kooperation. Auch viele Kreative sehen die Arbeit über Youvo als eine Chance, sich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln. Sie gestalten so nicht nur „für die Schublade" sondern sammeln bei echten Auftraggebern Erfahrung.

Total votes: 31
 

Über den Autor

Jana Stäbener

Crossmedia Redaktion/PR
Eingeschrieben seit: WS16/17