Trend Eco Fashion

Nachhaltigkeit: von „Sweatshops“ zu „Slow Fashion“

26.01.2016

Der Einsturz des Rana Plaza Gebäudes in Bangladesch forderte im Jahr 2013 über 1000 Tote. Im Gebäude befanden sich mehrere Textilfabriken. Der Fabrikunfall ist der bislang schwerste in der Textilindustrie des Landes. Gleichzeitig wurden 2013 rund sieben Milliarden Euro durch die Modeindustrie, alleine in Deutschland, erwirtschaftet. Die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt sind fatal. Der Markt gelobt Besserung, doch wo stehen wir im Moment? Ein Zwischenbericht.

„Diese 1000 armen Mädchen haben ihr Leben verloren, weil niemand sich darum kümmerte und es allen egal war. Sie wollten nur den günstigen Preis und einen guten Gewinn. Es sollte nicht so sein. Jeder sollte die Verantwortung für diese Kinder tragen." Arif Jebtik, Fabrikbesitzer aus Bangladesch, ist empört. In der Dokumentation „the true cost" beschreibt er seine Trauer über die Tragödie im Rana Plaza Gebäude in Dhaka, Bangladesch. Gleichzeitig erzählt er von dem Preisdruck, dem er durch große Bekleidungsketten ausgeliefert ist. Sein trauriges Résumé: er kann nicht gewinnen.

Der Regisseur Andrew Morgan beschreibt in seiner Dokumentation, inspiriert durch die Ereignisse in Dhaka, schonungslos, was in der Modebranche jenseits der Laufstege passiert und welchen Einfluss die Bekleidungsindustrie auf Mensch und Umwelt haben. Kritisiert werden nicht nur die "Sweat Shops" (zu deutsch: Ausbeutungsbetriebe), die es vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern (Indien, Lateinamerika, Südasien) gibt. Es werden auch die Folgen der genmanipulierten Rohstoffe und den giftigen Chemikalien, denen sich die Arbeiter bei der Produktion billiger Mode aussetzen müssen, aufgezeigt.

Einflüsse der Modeindustrie auf Mensch und Umwelt (Quelle: statista, bpb,Dokumentation: „the true cost" ; Grafik: Elena Frater)

Veränderungen der Modezyklen bestimmen den Markt

Große Bekleidungshersteller aus Amerika behaupten, durch den Kauf ihrer Produkte würde den Arbeitern eine menschenwürdige Lebensgrundlage geschaffen. Dass diese Produktionsprozesse unter menschenunwürdigen Verhältnissen stattfinden, ist aber längst kein Geheimnis mehr. Dennoch schafft es die milliardenschwere Modeindustrie nicht, kurzfristige Lösungen anzubieten, um den Alltag für die unter der Modeindustrie Leidenden zu verbessern. Nachdem es früher nur zwei Mal im Jahr neue Kollektionen gab, wurde durch das Aufkommen von „Fast Fashion" der Modezyklus völlig durcheinander gebracht. Die früheren zwei Kollektionen pro Jahr sind längst passé. Der Markt versorgt den Kunden mit wöchentlichen Neuerungen. Bei großen Billigmarken gibt es somit praktisch 52 Kollektionen pro Jahr – mit großem Erfolg. Anstatt nur nach Bedarf neue Kleidung zu kaufen oder uns nach der Sommer- bzw. Wintersaison zu richten, kaufen wir willkürlich Outfits, die beispielsweise nur für einen Abend getragen und danach entsorgt werden. Es stellt sich die Frage, wann wir an einem Wendepunkt angekommen sind und der Hunger nach Mode gestillt ist.

Wir können nicht ewig täglich Kleidung kaufen, da sich durch unseren übermäßigen Konsum eine Verbesserung für Arbeiter und Umwelt niemals einstellen kann. Deswegen hat sich der Trend „Slow Fashion" entwickelt. Dieser steht für bewussteren Konsum, weniger Kollektionen pro Jahr und einen nachhaltigeren Umgang mit Mode. „Nachhaltige Mode zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass die Kollektionen in dem Land, in dem sie hergestellt werden, auch produziert werden, faire Arbeitsbedingungen garantiert sind und lokale Produkte wie Bio-Baumwolle verwendet werden," stellt Jana Ackermann, Moderedakteurin und Bloggerin, fest. Der Trend ginge hin zu ökologischer und moralisch vertretbarer Mode. Eine bekannte Modebloggerin wäre zum Beispiel Maddie vom Blog ‘DariaDaria’. Denn diese habe sich vor einiger Zeit bereits dazu entschieden, nur noch Fair Fashion zu tragen und zu promoten. Mit ihrer Reichweite schaffe es die Bloggerin, nachhaltige Mode vor allem jungen Menschen schmackhaft zu machen.

Aus Veränderungen entstehen neue Chancen und Märkte

Im Zuge dessen haben sich neue Produktionsprozesse entwickelt, die Raum für Verbesserungen und Innovationen schaffen. Nicht nur die Bedingungen für die Arbeiter sollen besser werden, sondern auch die Rohstoffe, die verwendet werden. Die britische Modedesignerin Stella McCartney, die als absolute Pionierin in der nachhaltigen Mode gilt, benutzt seit Jahren weder Leder, noch Fell oder PVC. In ihrer diesjährigen Kollektion zeigt sie, dass Kunstpelz genau wie echtes Fell aussehen kann und nennt das Material sogar „No Fur Fur". Doch nicht nur sie liegt mit ihren nachhaltig produzierten Produkten genau im Trend. Das innovative Unternehmen Modern Meadow vervielfältigt tierische Zellen und stellt so die biologische Struktur echten Leders nach. Ebenfalls großer Beliebtheit erfreut sich auch veganes Leder, welches aus Polyurethan, einem Kunsttoff ohne schädliche PVC Beschichtung, besteht.

Die Ausrichtung auf tierfreie Materialien gelingt momentan nur wenigen Herstellern. Was aber viele große Ketten versuchen, ist eine Umstellung auf nachhaltigere Kollektionen, wie zum Beispiel H&M mit ihren „Conscious Collections". „Seit einiger Zeit entkommt einfach niemand mehr dem großen Trendthema Nachhaltigkeit in der Mode. Labels wie ‘Grüne Erde’, ‘A kind of guis’ oder ‘Matt & Nat’ haben sich vollkommen etabliert. Glücklicherweise zählt also die Ausrede, grüne Mode sehe „öko" aus, nicht mehr," weiß Jana Ackermann. „Fast Fashion rückt in den Hintergrund, die Gesellschaft sehnt sich nach Transparenz in der Herstellung und hochwertiger Bio-Qualität. Lieber weniger und bewusst einkaufen – und dafür ein gutes Gefühl mit dem Kleidungsstück verbinden."

Kunden finden sich im Öko-Dschungel oft nicht zurecht

Trotz der Bemühungen der Hersteller und dem Umdenken der Gesellschaft fällt es dem Konsumenten oft schwer, einzuschätzen, welche Kleidung nun unter einwandfreien Bedingungen produziert wurde und welche nicht. Um Unsicherheiten zu vermeiden lassen sich Marken mit den entsprechenden Gütesiegeln zertifizieren. Wer nicht nach Marken mit Siegel aufwendig suchen möchte und seinen Konsum in Richtung Nachhaltigkeit umstellen möchte, kann die erste Suchmaschine für nachhaltiges Online-Shopping „www.bonsum.de" nutzen. Damit kann nichts mehr schief gehen.

Tipps zum nachhaltigen Shoppen:

1. Auf nachhaltige Kollektionen achten (z.B.: H&M)

2. Marke auf Gütesiegel überprüfen

3. Nachhaltige Suchmaschine nutzen

Total votes: 361
 

Über den Autor

Elena Frater

Unternehmenskommunikation (Master)
Eingeschrieben seit: Wintersemester 15/16