Umweltpädagogik

Naturschutz fängt im Kleinen an

28.06.2017

Im Eimer tummeln sich Kaulquappen: Die Kinder der 3b sind auf der Jagd nach Wassertieren. Bei ihrem Besuch des „Klassenzimmer am See“ erforschen sie den Max-Eyth-See aus nächster Nähe – und lernen dabei ganz nebenbei, wie wichtig es ist, die Natur zu schützen.

Volle Konzentration: Die Grundschüler durchforsten das Wasser nach Kleinstlebewesen.|Foto: Tessa Hartwig

Erst Kiesgrube, dann Badesee, heute Naturschutzgebiet: Der zwischen Hofen und Mühlhausen gelegene Max-Eyth-See hat eine lange Geschichte hinter sich. Der Baggersee entwickelte sich in den Sechzigerjahren zum Naherholungsgebiet am Rande Stuttgarts. Doch ein Problem besteht: Der See ist stark verschmutzt – Tiere und Pflanzen sind bedroht. Besonders der explosionsartige Algenwuchs macht dem Max-Eyth-See und seinen Bewohnern zu schaffen. „Die Enten konnten Jesus spielen und übers Wasser laufen", erzählt der schwäbische Comedian Christoph Sonntag. Als der studierte Landschaftsökologe 2006 von einer ungenutzten Frischwasserquelle erfährt, setzt er die Initiative „Der Max-Eyth-See soll sauber werden" in Bewegung. Ziel des Projekts ist es, dem verschmutzten See sauberes Grundwasser zuzuführen. „Wir pumpen jetzt in jedem Sommer Frischwasser zu", erklärt Sonntag. Seitdem hat sich die Wasserqualität um einiges verbessert.

Die Kinder nehmen ihre gefangenen Tiere unter die Lupe. |Foto: Tessa Hartwig

Aber wie können Kinder bei der Rettung des Sees mithelfen? Christoph Sonntag erkennt das Potential in der jungen Zielgruppe: „Kinder sind die, die du noch beeindrucken kannst. Du kannst ihnen noch Inhalte mitgeben und ihre Wahrnehmung schärfen." Aus diesem Grund entwickelte er 2009 das „Klassenzimmer am See". Dort können Kinder aller Altersstufen unter freiem Himmel spielen, experimentieren und dabei etwas über die Natur lernen. Sie fangen Lebewesen direkt aus dem Wasser, beobachten und bestimmen sie. Mit Hilfe kleiner Experimente werden sie spielerisch an erste ökologische Zusammenhänge und das Thema Wasser herangeführt.

Mit Kescher und Sieb auf die Suche gehen

Jedes Jahr von April bis Oktober stehen die Türen des „Klassenzimmer am See" für kleine Forscher offen. Betreut werden sie von Praktikanten, denen Naturschutz selbst am Herzen liegt. „Ein toller Nebeneffekt der Arbeit hier ist, dass man selbst noch total viel Neues lernt", sagt Sarah Müller. Die 25-Jährige hat im Mai ihr Masterstudium in Landschaftsökologie abgeschlossen und leitet das „Klassenzimmer" in dieser Saison. Mit Keschern und Sieben bewaffnet machen sich die Drittklässler der Zazenhausener Grundschule auf die Suche nach Wassertieren. Besonders begehrt: Kaulquappen. Auch ihre Lehrerin Frau Paluschzak hält die Aktion für gelungen: „Das Besondere an dem Projekt ist, dass die Kinder etwas über Tiere aus der Umgebung lernen. Am Max-Eyth-See sind manche von uns jedes Wochenende – so erfahren sie mal, wie interessant die Natur ist, wenn man genauer hinguckt." Genauso scheint es dem Drittklässler Wasey zu gehen:

„Ich habe gelernt, dass im See viel mehr Tiere sind als es aussieht."

Wasey wirft einen Blick durch das Mikroskop. |Foto: Tessa Hartwig

Ein Gefühl für die Umwelt bekommen

In den vergangenen Jahren verbesserte sich die Wasserqualität im Max-Eyth-See um 30 Prozent. Hohe Temperaturen im Sommer 2015 ließen das Algenwachstum explodieren. Dadurch kam es erneut zu einem Sauerstoffmangel im Gewässer. Dies zeigt, dass ein See nicht so einfach gerettet werden kann. Es kostet Zeit, Geld und viel Geduld. Sarah Müller erklärt, warum Projekte wie das „Klassenzimmer am See" trotzdem helfen:

„Es ist wichtig, Kinder früh an die Natur heranzuführen und sie für das Thema Umwelt zu sensibilisieren. Sie sollen ein Bewusstsein dafür bekommen, was alles um sie herum lebt und dass das erhalten werden muss – auch für die Zukunft."

Auch Initiator Christoph Sonntag sieht in den Kindern die Zukunft des Naturschutzes. „Kinder sind die, die noch in 50 Jahren mit der Erde zu tun haben. Kinder müssen mitkriegen, dass sie auch eine gewisse Macht haben. Sie halten sich für machtlos und denken die Großen machen alles, aber das stimmt nicht!" Die Kinder können den See nicht wirklich retten. Indem sie etwas über die Natur und die Tiere im Wasser lernen, bekommen sie jedoch ein Gefühl dafür, wie wichtig es ist, unsere Umwelt zu schützen. So hilft das Projekt dabei, aus den Kindern von heute Naturschützer von morgen zu machen.

Wie sieht so ein Tag im „Klassenzimmer am See" eigentlich aus? Wir haben die 3b aus Zazenhausen beim Forschen begleitet. |Video: Tessa Hartwig, Jana Stäbener, Anja Keinath

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Über die Autoren

Tessa Hartwig

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Eingeschrieben seit: Wintersemester 2016/2017

Jana Stäbener

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Eingeschrieben seit: WS16/17

Anja Keinath

Crossmedia Redaktion / Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2016/2017