Verhütung bei Männern

Nur Frauensache?

22.12.2016

Früher oder später stolpern junge Paare über die Frage: „Wie verhüten wir?“ Das Ergebnis ist in den meisten Fällen nicht überraschend: Antibabypille für die Frau, Kondom für den Mann. Eine sichere Alternative für den Mann ist derzeit noch nicht auf dem Markt. Ist Verhütung in Zeiten von Feminismus und Frauenquote damit also doch noch Frauensache?

Sichere Verhütung ist in unserer Generation ein Muss. Doch wer trägt die Verantwortung? | Quelle: Margarita Fangrat

Die Einnahme der Pille gehört zur täglichen Routine vieler Frauen, Männer nehmen das meist nur passiv wahr. Wie Frauen mit der Verhütung umgehen ist daher kein Mysterium, bei Männern allerdings schon. Um uns über deren Ansichten ein genaues Bild zu machen, haben wir 100 junge Männer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren online befragt.

Aufgrund des Alters der Befragten und der Verbreitung der Umfrage via sozialer Medien können wir davon ausgehen, dass der Großteil der Teilnehmer Studenten sind. 58 Prozent der Befragten gaben an, sich zurzeit in einer festen Beziehung zu befinden. Außerdem ist die Verhütung für 95 Befragte wichtig oder sogar sehr wichtig. Ein wenig überraschendes Ergebnis, da man im Freundeskreis eher an die Party- statt Familienplanung denkt. Zudem möchten wir in der heutigen Zeit erst abgesichert sein, bevor wir Kinder in die Welt setzen.

Paare verwenden hauptsächlich die geläufigen Verhütungsmittel. Nur ein kleiner Teil verlässt sich auf Spirale, Kupferkette oder natürliche Methoden. Fahre über die Grafik für weitere Informationen. | Grafik: Margarita Fangrat via Piktochart und Thinglink, Quelle: Eigene Umfrage

Zusätzlich zu unserer anonymen Umfrage haben wir die persönliche Einschätzung eines Studenten eingeholt. Er führt uns in die Gedankenwelt vieler Männer.

Wir haben nachgehakt: Julian (22) gibt uns einen Einblick, wie Männer über Verhütung denken.

Forschern zufolge gibt es zwei Hauptgründe, wieso momentan noch keine alternativen Verhütungsmittel für den Mann auf dem Markt sind. Zum einen ist es biologisch deutlich schwieriger, die Produktion von einer Million Spermien am Tag einzustellen, als die Reifung einer Eizelle zu verhindern. Zum anderen gibt es kaum Finanzierungen für klinische Studien, da der Markt für Frauen größer ist. Dennoch gibt es Hoffnung: Der passende Hormoncocktail für den Mann ist möglich – bis jetzt scheiterten Studien aber an Nebenwirkungen. Hauptsächlich traten diese in Form von Gewichtszunahme, Akne, Verlust der Libido, und Stimmungsschwankungen oder Depressionen auf.

Eine weitere vielversprechende Methode ist das Vasalgel. Das Präparat wird in den Samenleiter injiziert und soll die Spermien bis zu zwölf Monate hemmen. Für abschließende Studien finden sich allerdings noch zu wenig Probanden, Mediziner schätzen die Chancen für das Gel deshalb eher gering ein.

Der Urologe Dr. Lange aus Stuttgart über Vasektomie und die Psyche der Männer.

Als Alternative zur Vasektomie könnte zukünftig das manuell bedienbare Hodenventil zum Einsatz kommen. Erfinder Clemens Bimek ist Tischler und der bislang einzige Benutzer seines Ventils. Nach seiner Theorie erfolgt die Regulation mit einem Kippschalter im Hoden, durch den der Samenleiter temporär abgeklemmt werden kann.

Für die große Mehrheit ist Verhütung keine Frauensache. Dennoch würden sich 27% der Teilnehmer keine Alternative für den Mann wünschen. Passt das zusammen? | Grafik: Margarita Fangrat via Piktochart, Quelle: Eigene Umfrage

Wenn es also für den Mann keine anerkannte Verhütungsmöglichkeit neben dem Kondom gibt, und laut 85 Befragten Verhütung keine Frauensache ist, was trägt Mann dann zur weiblichen Verhütung bei? 80 Männer unterhalten sich mit der Partnerin darüber. 34 Prozent informieren sich sogar selbstständig. Anfallende Kosten für Pille und Co. übernehmen nur 18 Befragte teilweise. Immerhin begleiten zwölf Teilnehmer ihre Freundin zu Arztbesuchen. Ein fürsorglicher Teilnehmer äußerte, dass er seine Freundin daran erinnert die Pille zu nehmen und sie bei Stimmungsschwankungen aufmuntert. Und dann gibt es noch zwölf Befragte, die das Ganze gerne kompromisslos den Frauen anvertrauen.

Unter Berücksichtigung seiner Erfahrungswerte konnte Urologe Dr. Lange im Interview die Ergebnisse unserer Umfrage nachvollziehen und empfand sie als sehr schlüssig.

Kommentar: Keine Frauensache!
Wir mussten im Laufe unserer Recherche feststellen, dass Männer die Verhütung gerne den Frauen überlassen. Sei es aus Gewohnheit oder gar Bequemlichkeit. Erschreckenderweise ist es in den meisten Fällen nicht selbstverständlich, dass Kosten für die Verhütung aufgeteilt werden. Aber gerade weil die Männer die Verhütung bis dato kaum alleine in die Hand nehmen können, müssten sie sich umso mehr um die weibliche Verhütung und damit um das Wohl ihrer Partnerin bemühen.

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Über die Autoren

Katja Stäbler

Crossmedia-Redaktion / Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2016

Margarita Fangrat

Crossmedia Redaktion / Public Relations
Eingeschrieben seit: Sommersemester 2016