Der Weihnachtsbaum-Check

Oh Tannenbaum!

05.02.2015

Nach Weihnachten ist Vor Weihnachten! Und dann ist neben dem Weihnachtsmann der passende Weihnachtsbaum die Hauptattraktion. Ob er echt sein muss oder man zur nadelfreien Plastikvariante greifen soll, sorgt für ordentlich Diskussionsstoff. Der beliebteste Naturbaum ist die Nordmanntanne. Doch bei all den bunten Lichtern bleibt oft die Umweltfreundlichkeit unbeleuchtet. Welcher Weihnachtsbaum ist der nachhaltigere?

Rund 2,5 Millionen Weihnachtsbäume werden jährlich in Baden-Württemberg verkauft. Der absolute Star unter den Weihnachtsbaum-Kandidaten ist die Nordmanntanne. Mit 75 Prozent ist sie seit den 1980-er Jahren der meistverkaufte Weihnachtsbaum, erzählt der Geschäftsführer des Christbaumverbands Baden-Württemberg, Martin Rometsch. Die Blaufichte schaffe es mit 15 Prozent auf Platz zwei und die Rotfichte mit fünf Prozent auf den dritten Platz.

Die Gründe der Beliebtheit sind deutlich: Die Nordmanntanne piekst nicht und bietet breitere Flächen zum dekorieren. Dagegen haben Fichten ein stacheliges Nadelkleid und weniger Dekorationsraum.

Haltbarkeit als K.O.-Kriterium

Bei den Fichten könnte man bereits an Silvester Gefahr laufen, bei jeder Berührung eine Nadel-Lawine auszulösen. Die Angst, beim Korkenknallen vor einem kahlen Ast stehen zu müssen, haben Käufer einer Nordmanntanne nicht. Denn diese kann ihr Nadelkleid sogar bis Ostern tragen. Allerdings riecht die Tanne nach nichts. Weihnachtsfeeling durch Tannenduft scheint hier Fehlanzeige. Da könnte man sich demnach auch einen Plastikbaum in die Wohnung stellen. In vielen Kulturen ist dieser sogar Standard. In Italien beispielsweise käme kaum einer auf die Idee sich einen echten Tannenbaum ins Haus zu holen. Da wird das jahrealte Plastikbäumchen gezückt, wie ein Sonnenschirm aufgeschoben und zack steht er da: Opulent geschmückt und fast zu klein für die vielen Kugeln, Lamettaschlangen und blinkenden Lichterketten.

Plastik oder echt - welcher Weihnachtsbaum gefällt Ihnen besser?

Der echte Baum wird hier bevorzugt. Vom Samen bis zum stämmigen Pfundskerl vergehen 14 Jahre: Vier Jahre verbringt er als Setzling in der Baumschule und kommt als junge Pflanze zu einem landwirtschaftlichen Betrieb. Dort wächst er die restlichen zehn Jahre. Und dann wird er abgehackt und per LKW zu uns transportiert. Hier stellt sich die Frage nach der Umweltfreundlichkeit.

Denken Sie bei Ihrer Baumwahl auch an die Umwelt?

Echt oder unecht – wer gewinnt in puncto Umweltfreundlichkeit?

Antwort auf diese Frage hat das Fraunhofer Institut in Stuttgart. Mit der sogenannten Ökobilanzierung stellte man beide Baumvarianten gegenüber.

,,Zunächst schauen wir uns an, woher welches Produkt kommt, wie es verarbeitet und transportiert wurde, um es ins weihnachtliche Wohnzimmer zu bringen’’, erklärt Matthias Fischer, Leiter der ganzheitlichen Bilanzierung.

Es gibt keinen eindeutigen Sieger

,,Ökologisch besser, ist keiner von Beiden‘‘, weiß Fischer. Es gäbe allerdings gewisse Eckdaten. Der echte Baum sei dann die bessere Wahl, wenn die Verbraucher die Logistik der Unternehmen nutzen und nicht mit dem eigenen Auto weite Strecken fahren, um ihren Baum zu finden. Die Fahrt zur nächsten Verkaufsstelle sei die klügste Entscheidung. Die Herkunft der Bäume spielt eine entscheidende Rolle. Bäume aus dem Schwarzwald haben einen geringeren Transportweg zurückgelegt als die dänischen Importe. Ein weiterer Tipp vom Experten: FSC-zertifizierte Bäume kaufen. Dadurch wird gewährleistet, dass der Baum auf faire und verantwortungsbewusste Weise gezüchtet wurde.

Die Plastikvariante – auf die Pflege kommt es an

Für die Herstellung des Plastikbaumes entstehen deutlich höhere Emissionen, als bei der Aufzucht eines echten Baumes. Hier kommt allerdings die längere Nutzungsdauer ins Spiel. ,,Wenn ich ihn natürlich 20 Jahre nutz‘, dann ist der Plastikbaum besser‘‘, sagt Fischer. Bereits ab sieben Jahren rentiere sich der Kunststoffbaum für die Umwelt. Fraglich sei nur, ob der Baum so lange standhält. Laut Fischer verfallen Plastikbäume oftmals schon ab dem vierten Jahr.

Matthias Fischer fügt als Fazit hinzu, es käme an Weihnachten auch einfach auf die persönliche Vorliebe an. Ihm persönlich kommt nur ein echter Weihnachtsbaum ins Haus.

Hat man seine Wahl getroffen, geht’s anschließend ans Dekorieren.

Umfrage auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt zur persönlichen Weihnachtsdeko

Ganz egal wie man ihn schmückt und ob man sich für einen echten Baum oder die Plastikvariante entscheidet, letztlich zählt bei den Meisten nicht der perfekte Weihnachtsbaum, sondern all Diejenigen, die um ihn herum sitzen. In diesem Sinne – ein vorzeitiges HO, HO, HO!

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