Spenden am Stuttgarter Flughafen

Pfandflaschen für Bedürftige

29.01.2015

Spenden kann so einfach sein. Besonders seit dem sozialen Projekt „Spende dein Pfand“ am Stuttgarter Flughafen. Passagiere können dort den Erlös ihrer eingeworfenen Pfandflasche an das Straßenmagazin „Trott-war“ spenden. Dadurch haben bereits vier sozial benachteiligte Menschen einen Arbeitsplatz erhalten. Ein Projekt mit Zukunftschancen.

Die Koffer sind eingecheckt, die Tickets gedruckt und man ist auf dem Weg zum Sicherheitsbereich. Dort eine lange Warteschlange. Manche Passagiere nehmen schon einmal ihren Schmuck ab, damit sie die Sicherheitsschleuse ohne Fehlalarm passieren können. Beim Griff in die Tasche stellt man jedoch fest, dass sich noch eine Flasche in der eigenen Tasche befindet, die nicht mit in den Sicherheitsbereich genommen werden darf. Das bedeutet schnell austrinken und die Flasche wegwerfen. Doch damit diese nicht sinnlos im Müll landet, stehen nun am Stuttgarter Flughafen in den Terminals große Behälter. Und die sind genau für diese Pfandflaschen gedacht. Durch das Einwerfen spendet jeder den Erlös der Flasche an den gemeinnützigen Verein „Trott-war", der sich schon seit über 20 Jahren für sozial Benachteiligte stark macht. Insgesamt vier Mitarbeitern des Vereins wurde durch dieses Projekt „Spende dein Pfand" eine Arbeitsstelle geboten.

Ein Arbeitsplatz für sozial Benachteiligte

Die Idee dafür entstand mit Hilfe der Teilnehmer des Enactus – Programms an der Uni Hohenheim. Ziel dieses Programms war es, einen Beitrag für Mensch und Umwelt zu leisten. Mittlerweile befinden sich neun Behälter am Stuttgarter Flughafen, die von den Mitarbeitern mehrmals täglich geleert werden müssen. Auch für den Flughafen birgt das Modell große Vorteile. Dort haben sich im Laufe der Zeit Gruppierungen von Pfandsammlern gebildet, die die Bedürftigen unter Gewaltandrohung vertrieben haben und sogar Passagiere belästigten. „Und dann hat sich der Flughafen Stuttgart dazu gezwungen gefühlt, Pfandsammeln zu verbieten", so Johannes Schumm, Pressesprecher der Nachhaltigkeitskommunikation. Doch glücklich war der selbsternannte „Fairport" mit diesem Verbot nicht. Auf Twitter wurde die Aktion sogar als „grob asozial" bezeichnet. Daraufhin ging der Flughafen auf Trott-war zu und organisierte eine Kooperation, in die auch kurze Zeit später der Grüne Punkt einstieg. Dieser holt nach der Entleerung die Säcke mit den Pfandflaschen am Flughafen ab und recycelt sie. Im Schnitt kassiert der Grüne Punkt dafür ca. 1,3 Cent pro Flasche, spendet jedoch im Gegenzug wieder einen großen Betrag an Trott-war zurück. Seit September 2013 stehen die Behälter nun schon am Stuttgarter Flughafen. Täglich werden im Schnitt 2.000 Flaschen in die Behälter geworfen. Allein im ersten Jahr waren es pfandpflichtige Flaschen im Wert von einer viertel Million Euro. Natürlich variiert diese Zahl zwischen der Hochsaison im Sommer und den etwas ruhigeren Reisemonaten im Winter. In der Urlaubszeit kann Trott-war sogar bis zu sechs Personen beschäftigen, die dann zu zweit in einer Schicht arbeiten. Auch an Sonn- und Feiertagen leeren sich die Behälter selbstverständlich nicht von selbst. Beschäftigungsbedingungen des Flughafens und auch von Trott-war, waren von Anfang an eine Mindestlohnbezahlung von 8,50 Euro. Diese wird mit Hilfe der Pfandeinnahmen und Sponsorengeldern gewährleistet.

Pfandflaschen für Bedürftige

Edeltraud Wagner, eine Mitarbeiterin der gemeinnützigen Organisation Trott-war, erzählt über ihre Arbeit am Stuttgarter Flughafen. Dort ist sie für die Entleerung der Pfandbehälter und für die Flaschentrennung zuständig.

„Win-Win Situation" der Akteure

„Spende dein Pfand" war für Trott-war bisher ein Pilotprojekt, weshalb sie keine Erfahrungswerte und Vergleichszahlen hatten. Dennoch erweist es sich als erfolgreich und wurde nach einem Testlauf von einem halben Jahr jetzt unbefristet verlängert. Zur Erweiterung stellt Trott-war nun auch Behälter an Universitäten auf. Hohenheim verfügt bereits über Behälter in den verschiedenen wissenschaftlichen Gebäuden. Auch der Flughafen kann einen Erfolg durch das Projekt verbuchen. Das Pfandsammlerproblem wurde dadurch gelöst und die wertvollen Pfandflaschen, die sonst immer im Müll gelandet sind, können nun caritativ verwertet werden. Schumm bezeichnet dies als Win-Win Situation für alle Beteiligten, da auch der Flughafen seinem Image als „Fairport" nun wieder gerecht wird.

Lieber spenden als wegwerfen

„Viele Leute die es eilig haben, schmeißen ihre Flaschen auch oft in den Mülleimer", erzählt Edeltraud Wagner, eine Arbeiterin des Projekts. Trotz der Verweise auf den herkömmlichen Müllinseln des Flughafens landen immer noch zu viele Flaschen im Müll und nicht in den Spendenbehältern. Anstatt die Pfandflaschen irgendwo einzuwerfen, wünschen sich Trott-war und der Flughafen, dass die Flaschen lieber in den speziellen Behältern landen. So erfüllen die Flaschen schließlich noch einen guten Zweck und der Aufwand für diese gute Tat ist für jeden sehr gering.

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Über den Autor

Lisa Grosch

Crossmedia-redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: SoSe 2014