Einsatz auf europäischer Ebene

Pulse of Europe – eine Bürgerinitiative für ein vereintes Europa

27.06.2017

In Zeiten von Brexit und einer zunehmenden Rechtspopularisierung unserer Gesellschaft gerät die europäische Gemeinschaft zusehends ins Wanken. Die Bürgerinitiative Pulse of Europe kämpft deshalb gegen den Verfall der europäischen Union und setzt sich mit nationenübergreifenden Aktionen für ein Wiederaufleben und die Stärkung des europäischen Bewusstseins ein.

Mit Europa- und Peace- Flaggen setzen die Anhänger von Pulse of Europe auf den Straßen ein Zeichen. | Foto: Hanna Weil

„Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium, Wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum!" – so tönt es am Pfingstsonntag über den Stuttgarter Karlsplatz. Mehrere hundert Menschen haben sich versammelt, um gemeinsam als Pulse of Europe für den Zusammenhalt der europäischen Gemeinschaft zu demonstrieren.

Ob Jung oder Alt, Hipster oder Alternativer, mit Familie, Freunden oder allein – auf dem Karlsplatz vereint alle das gleiche Ziel: der Erhalt eines friedlichen und solidarischen Europas. Eine ambitionierte und mitreißende Stimmung, die auch Passanten zum Stehenbleiben bewegt. Menschen schwenken die Europa-Flagge, blau-gelbe Luftballons wehen im Wind und die Initiatoren verteilen Flyer, Postkarten, Buttons und Aufkleber mit der Aufschrift „I love Europe" oder „Was ist das für 1 Europa" gegen eine Spende. Die Bürgerbewegung finanziert sich nämlich ausschließlich durch Spenden.

„Let’s be the Pulse of Europe!"

Highlight der zwölften Kundgebung der Bürgerinitiative in Stuttgart ist die ergreifende Rede des Friedenspolitikers Erhard Eppler. Der 90-Jährige erzählt von seinen Kriegserlebnissen und warnt gleichermaßen, wie wichtig die europäische Gemeinschaft für den Erhalt eines friedvollen Miteinanders ist. „Europa wird nur durch Solidarität einiger und handlungsfähiger, nicht durch irgendwelche anderen Parolen", betont der ehemalige SPD-Landesvorsitzende von Baden-Württemberg.

Wie bei allen Treffen ist auch am 4. Juni das obligatorische „Offene Mikro" Programmpunkt. Hier kann jeder seine Gedanken, Wünsche und Anliegen für Europa teilen. Junge Menschen trauen sich ans Mikrofon, erzählen von ihrer deutsch-französischen Familiengeschichte, tragen Gedichte vor und appellieren an die europäische Gemeinschaft.

Pulse of Europe – eine Bürgerinitiative kämpft für ein vereintes und solidarisches Europa. |Video: Hanna Weil und Caroline Kühn

„Optimismus statt Populismus"

So lautet das Motto von Pulse of Europe, einer Bürgerbewegung, die sich Ende des Jahres 2016 in Frankfurt gegründet hat. Seitdem finden monatliche Kundgebungen in zahlreichen europäischen Ländern statt, Deutschland als Vorreiter. „Wir haben die Power, die Menschen auf die Straße zu bringen", so die Organisatorin von Pulse of Europe Stuttgart, Annette Ruess. „Das hat sich wie ein Schneeballsystem ausgebreitet. Mittlerweile sind rund 100 deutsche Städte und viele Nachbarländer wie Frankreich, Spanien, Holland, aber auch Griechenland, Großbritannien oder Albanien dabei."

Die Pulse of Europe Länder |Grafik: Caroline Kühn via Piktochart

Die Bewegung ist als Reaktion auf den Brexit und die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten entstanden und kämpft für ein vereintes, demokratisches Europa und gegen Abschottung und Nationalismus. Dabei werden die Problemfelder der derzeitigen EU aber keinesfalls abgetan oder ignoriert. Ganz im Gegenteil: Den Aktivisten ist bewusst, dass aktuelle Herausforderungen thematisiert werden müssen und die EU einer Reformation bedarf, um auch in Zukunft nationenübergreifenden Frieden garantieren zu können. Gerade der jungen Generation soll bewusst werden, wie wertvoll es ist, in einer friedlichen Welt aufzuwachsen.

Wir machen Europa auf der Straße sichtbar

Wie es für Pulse of Europe genau weitergeht, kann uns Annette Ruess nicht genau sagen. „Wir haben uns ursprünglich bis zur Präsidentschaftswahl in Frankreich gegründet, wollen jetzt aber auf jeden Fall bis zur Bundestagswahl in Deutschland weitermachen." Geplant sind weiterhin Kundgebungen, sowie weitere Aktionen mit Flashmobs oder zum Beispiel ein Europäisches Fimfestival in Karlsruhe. „Was wir allein bisher erreicht haben, ist toll. Wir machen Europa auf den Straßen sichtbar. Mit uns kommen auch Leute auf die Straße, die das sonst niemals tun würden", zieht die Initiatorin als Fazit. Aber eins ist klar: „Wir wollen keine Partei werden."

Die Europäische Union |Grafik: Caroline Kühn via Piktochart

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Über die Autoren

Caroline Kühn

Medienwirtschaft
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2014/2015

Hanna Weil

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