Plastik: Verwertung & Alternativen

Reduce, Reuse, Recycle

04.02.2015

Die „3 R“ – Reduce, Reuse, Recycle – stehen im englischen Sprachgebrauch für die Verwertung und Vermeidung von Müll. Der Musiker Jack Johnson besingt den Slogan im gleichnamigen Lied. Doch was genau steht hinter dem Reduzieren, Wiederverwenden und dem Recycling von Kunststoff? Und welche Alternativen zu Plastik gibt es bereits?

Endlich hat man mit seinem Mitbewohner oder Partner die leidige Frage geklärt, wer denn nun wann den Müll runter bringt. Damit ist das Thema wahrscheinlich für die meisten Menschen abgehakt. Doch was genau passiert mit dem Gelben Sack, nachdem er abgeholt wurde?

Wenn man wissen will, wie Kunststoffe recycelt werden, fragt man wohl als erstes Google. An oberster Stelle erscheint der entsprechende Wikipedia-Eintrag. Aber ist das Interesse wirklich so hoch, dass man sich diesen sehr langen und komplizierten Artikel, in dem Ausdrücke wie „Catcracking", „Zementdrehrohröfen" und „Shredderleichtfraktion" vorkommen, durchliest? Wohl eher nicht…. Deswegen hat Redaktion Zukunft eine Infografik zusammengestellt. Einfach und übersichtlich wird hier gezeigt, was denn nun genau mit unserem Kunststoffmüll, den wir in den Gelben Sack werfen, passiert:

Bitte hier klicken, um Infografik zu sehen (Weiterleitung zu ThingLink)

Infografik: Kunststoffverwertung (Grafik: Anja Lange)

Welche Alternativen zu Plastik gibt es bereits?

Recycling ist essenziell, doch es ist auch keine Lösung des Plastikproblems. Vor allem die Verbrennung, bei der giftige Schadstoffe frei werden, ist schädlich für die Umwelt. Besser wäre es, gar keine oder nur so wenig Kunststoffverpackungen wie möglich zu verwenden. Drei Ideen von jungen Unternehmern zeigen, wie man einen Beitrag zu einer Welt ohne Plastik leisten kann.

Der Kaffeebecher aus Blättern

Auf dem Weg zur Arbeit oder der Uni, trinken wir unseren morgendlichen Kaffee to go. Danach fliegt der Becher samt Plastikdeckel in den Müll. Keine nachhaltige und umweltschonende Verwendung, wenn man bedenkt, dass etwa 250 Millionen Tonnen Plastik weltweit pro Jahr einfach so weggeworfen werden. Was wäre also wenn der Behälter nachhaltig hergestellt und einfach so kompostierbar wäre? Das wäre eine wirklich brillante Lösung, dachte sich auch Pedram Zolgadri und gründete 2013 das Start-Up „Leaf Republic" in München. Das Unternehmen stellt Einweggeschirr und Verpackungen aus den Blättern asiatischer Bäume her, die auch nach dem Trocknen grün und dehnbar bleiben. Um aus ihnen die endgültige Verpackung zu kreieren, werden sie mit einer sehr dünnen Biokunststoffschicht aus Mais umhüllt. „Dafür brauchen wir aber nur 5 Prozent von der Menge, die sonst für andere Verpackungen aus Biokunststoff verwendet wird", erklärt Zolgadri. Die Schachteln und Becher lassen sich individuell designen.

400 Jahre dauert es, bis Plastik sich zersetzt hat. Die Verpackungen von Leaf Republic sind da dem Unternehmer zufolge schneller. Der Gründer des Start-Up betont die Umweltfreundlichkeit der Lösung: „Unsere Produkte können einfach so auf den Kompost oder in den Bioabfall geworfen werden und nach 30 Tagen haben die Blätter sich zersetzt". Eigentlich eine super Lösung. Doch wie biologisch der Abbau von Biokunstoffen wirklich sein kann, wird zurzeit sehr viel diskutiert. „Die Wissenschaftler streiten sich an der Frage, ob sich das Material im Biokompost zersetzt. Doch eigentlich ist es genau dazu erfunden wurden. Auf jeden Fall ist unser Ansatz besser und nachhaltiger, wie weiterhin das knapper werdende Erdöl als Rohstoff zu verwenden", betont Zolgadri.

Dieses Jahr soll die Produktion der Blätter-Becher beginnen. Dann erfahren wir hoffentlich auch, wie dieser „Wunderbaum" genau aussieht. Nur eines verrät Zolgadri: „Der Baum wächst auf subtropischem Gebiet und gibt drei Mal im Jahr Blätter ab, somit wird ihm nicht geschadet".

Die Gurke ohne Folie

Dass zu viel Plastik produziert wird und unser Verbrauch reduziert werden sollte, ist den meisten von uns bewusst. Doch beim Gang in den Supermarkt wird klar, dass oft einfach nichts anderes übrig bleibt, als in Kunststoff verpackte Lebensmittel zu kaufen. Die Chips sind dreimal eingetütet, die Bonbons werden nicht nur mit einem Plastikbeutel verpackt, nein sie sind auch noch einzeln eingewickelt und sogar die Gurke ist in Folie eingeschweißt.

Milena Glimbovski, 24 Jahre alt, und Sara Wolf, 31 Jahre alt, hatten genug von unnötigen Lebensmittelverpackungen und haben in Berlin mit „Original Unverpackt", einen plastikfreien Supermarkt eröffnet. Lebensmittel wie Erbsen können so in selbst mitgebrachten Behältern abgewogen werden, Milch kann in Glasflaschen abgefüllt und sogar Cremes und andere Kosmetikartikel können ganz ohne Plastiktuben mit nach Hause genommen werden. Dadurch wird nicht nur Plastik gespart, es kann außerdem nur so viel gekauft werden, wie auch wirklich benötigt wird.

An spontane Einkäufer ist ebenfalls gedacht: Wer keine Tüten oder Behälter dabei hat, kann Boxen ausleihen oder recycelte Papiertüten erwerben.

Die zwei jungen Firmengründerinnen bauen momentan ein Franchise-Konzept auf und suchen Investoren. Wie stark sich die „Zero Waste"-Bewegung, bei der Müll vermieden werden soll, deutschlandweit gegen große Supermarktketten durchsetzen kann, bleibt abzuwarten.

Die Box aus Biokunststoff

Mit der Tupperdose im plastikfreien Supermarkt einkaufen gehen, das würde allerdings nicht so ganz zusammen passen. Das dachten sich auch zwei Wirtschaftsingenieure aus Filderstadt bei Stuttgart und entwickelten Vorrats-und Frischeboxen aus Zellulose, Mineralien und Wachs. In ihnen können Nudeln, Reis und Müsli, aber auch Obst, Gemüse und das Pausenbrot aufbewahrt werden. Die weißen Boxen werden unter dem Namen „Ajaa" vertrieben und können mit farbigen Ringen individualisiert werden. Sie werden ausschließlich in Baden-Württemberg produziert. „Das Endprodukt ist besonders schadstofffrei und enthält keine Weichmacher", erklärt Geschäftsführer Raphael Stäbler. Es sei außerdem recycelbar. Gebrauchte Dosen könnten zurückgegeben und zu Neuen verarbeitet werden.

Doch wenn Produkte, die eigentlich zum Essen gedacht sind, nun zu Frühstücksboxen werden, verschärft dies nicht das Welthungerproblem? „Nein. Genau das tut‘s nicht. Für die Biokunststoffe, die wir verwenden, werden nur Reststoffe aus der Agrarproduktion verarbeitet.", beruhigt Stäbler. Eine nachhaltige Lösung also. Wieso gibt es dann nicht mehr Firmen, die ihre Plastikprodukte so herstellen? Nachahmer gibt es nämlich kaum. „Vielleicht trauen sie sich nicht", vermutet der Unternehmer. „Vom Preis her ist es natürlich noch etwas teurer als normale Kunststoffe", erklärt er.

Die Aufbewahrungsbehälter kosten zwischen 16 und 22 Euro. „Es ist schon ein bewusster Kauf", sagt Stäbler, „aber wenn man uns mit Tupper vergleicht, sind wir gar nicht viel teurer." Und dafür eben umweltbewusst. Ein mit dem Vertriebsweg von Tupper vergleichbares Konzept kann sich Stäbler jedoch nicht vorstellen. Die Vorratsdosen können bis jetzt im Internet und bei bestimmten Einzelhändlern erworben werden. Bald folgt auch der Verkauf in Biosupermärkten.

Reduce, Reuse, Recycle: Die Vermeidung von Plastik steht in diesem Slogan nicht ohne Grund an erster Stelle. Es ist der wichtigster Ansatz zur Lösung des Plastikproblem und jeder von uns kann dazu ein bisschen beitragen. Das hat natürlich einen entscheidenden Vorteil: Der Mitbewohner, Partner oder man selbst, muss den Müll nicht ganz so oft runterbringen!

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Über den Autor

Anja Lange

Elektronische Medien Schwerpunkt Unternehmenskommunikation
Eingeschrieben seit: WS14/15