Shisha-Trend

Süßer Rauch als erfüllter Traum

11.05.2015

Cemil Polat kommt ursprünglich aus der Türkei und eröffnete 2013 das „Dream Istanbul“ in Böblingen. Mit uns spricht er über Klischees, den Shisha-Trend und was das Shisharauchen ausmacht.

Mittwochmittag, 15 Uhr: Ich treffe mich mit Cemil Polat, dem Besitzer der Dream Istanbul Shisha Bar in Böblingen. Schon beim Reinkommen habe ich einen fruchtigen Geruch in der Nase. Er begrüßt mich mit einem Handschlag und Lächeln im Gesicht. Seine freundliche Art fällt einem sofort auf. Ein großes Istanbul-Poster hängt an der Wand im Eingangsbereich. „Das Poster ist noch von der Shisha Bar davor, deshalb hab ich meine auch Dream Istanbul genannt. Es war mein Traum eine eigene Shisha Bar aufzumachen", sagt Cemil Polat. Der 26– Jährige ist in der Türkei geboren und kam mit zehn Jahren nach Deutschland. Bevor er 2013 das Dream Istanbul eröffnet hat, hat er bereits in einigen Shisha Bars gearbeitet.

Er bekam die Idee zur Eröffnung einer eigenen Shisha Bar während seiner Ausbildung als Einzelhandelskaufmann. „Ich habe nebenher in Shisha Bars gearbeitet und es hat mich interessiert mit Menschen umzugehen und neue Leute kennenzulernen". Vor dem Dream Istanbul befand sich eine andere Bar in den Räumlichkeiten in der Böblinger Innenstadt. Cemil gefiel es dort nicht, deshalb fasste er den Entschluss selbst eine Shisha Bar aufzumachen. Rund sechs Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern unterstützen Cemil bei seiner Arbeit. Sein Bruder, der in Kaiserslautern studiert, kommt auch ab und zu vorbei und hilft ihm. Streit gibt es dabei nie untereinander: Laut Cemil kommen sie gut miteinander klar.

„80 Prozent meiner Kunden sind Deutsch"

Die Shisha hat ihren Ursprung im 16. Jahrhundert und wurde über die Jahre ein Teil der Nahost-Kultur. Das Rauchen wird oft als Symbol der Gemeinschaft und Gastfreundlichkeit angesehen. Für Cemil hat das Shisha Rauchen folgende Bedeutung: „Man redet und unterhält sich, das Gespräch ist wichtig. Wenn du mit Freunden Shisha rauchst, dann musst du sie auch teilen. Es geht darum nicht nur an sich, sondern auch an seine Freunde zu denken".

Shisha Bars haben sich in letzter Zeit zu einem immer größer werdenden Trend in Deutschland entwickelt. Eine eigene Bar zu führen ist allerdings nicht leicht, weiß Cemil: „Die Leute sehen, es läuft überall, also machen sie das auch. Es kommt aber darauf an, wie du mit Menschen umgehst, nicht nur ob die Shisha gut ist". Dass Shisha Bars eher von Ausländern besucht werden ist ein weit verbreitetes Klischee. Er hat als Besitzer ein ganz anderes Bild von seinen Besuchern: „80 Prozent meiner Kunden sind Deutsch. Trotzdem wollen wir nicht, dass sich jemand bei uns ausgegrenzt fühlt. Es ist wichtig, dass sich jeder wohlfühlt".

Impressionen aus dem Dream Istanbul

Für Cemil ist seine direkte Art und Freundlichkeit das Besondere an der Shisha Bar.

Ein normaler Arbeitstag sieht für Cemil so aus: „Ich schaue was fehlt und gehe dann erst mal einkaufen. Danach überlege ich, wie ich den Tag gestalten kann. Ich überlege immer, was für meine Kunden, meine Mitarbeiter und für mich wichtig ist. Wenn du motiviert bist, dann wirkt sich das auch auf die anderen aus. Heute zum Beispiel empfehlen wir unseren Kunden Cocktails, weil das bei so einem Wetter erfrischend ist. Dann muss ich natürlich schauen, dass wir dafür alles da haben".

Hinter dem Shisha Rauchen steckt mehr als nur ein Zeitvertreib. Es ist ein Stück Kultur und steht für das Zusammenkommen und Teilen. Auch das Klischee der typischen Shisha Bar Besucher stimmt nicht. Mittlerweile gibt es teilweise sogar mehr deutsche als ausländische Besucher. Zum Schluss scherzt Cemil: „Wenn einer zu mir sagt, dass eine andere Shisha Bar besser ist als unserer, dann könnte ich gleich aufhören".

Schon gewusst?

Der untere Teil der Shisha nennt sich Bowle. In diesen Glasbehälter wird normalerweise Wasser eingefühlt. Man kann allerdings auch Sirup, Milch, Lebensmittelfarbe, Eiswürfel, Fruchtstücke oder Säfte hinzugeben.

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Über den Autor

Sven Braun

Crossmedia-Redaktion
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2014