Ernährung nach dem Säure-Basen-Haushalt

Sauer macht lustig – oder etwa doch nicht?

09.02.2015

Morgens das Sieben-Körner-Müsli mit Naturjoghurt, mittags vielleicht ein Vollkornbrötchen mit Mozzarella und Tomaten, zwischendurch gönnt man sich mal etwas Süßes. Abends dann die Qual der Wahl: lieber ein schnelles Nudelgericht mit frischen Zutaten oder doch lieber Fleisch? Was sich zunächst nach einer gesunden Ernährung anhört, könnte möglicherweise gar nicht so gesund sein. Einige Ernährungsexperten gehen davon aus, dass es wichtiger ist, täglich auf einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt zu achten.

Was ist der Säure-Basen-Haushalt?

Genau das habe ich mich auch gefragt, als ich bei der Arbeit bei einem Verlag das Buch mit dem Titel „der Säure-Basen-Haushalt" in den Händen gehalten habe, den meist verkauften Ernährungsratgeber der letzten Monate. „Hat das was mit Chemie zu tun?", habe ich gegrübelt. Ja hat es, konnte mir der Klappentext verraten, aber ganz nebenbei auch was mir gesundheitlich schauriges droht, wenn ich bei der Ernährung nicht auf meinen Säure-Basen-Haushalt achte. Grund genug sich darüber zu informieren.

Unsere tägliche Ernährung ist häufig mineralstoffarm und verursacht einen Überschuss an Säuren im Körper, was zu Gesundheitsproblemen führen könnte. Davon gehen zahlreiche Mediziner und Naturheilkundler aus. Dies wird dem Anschein nach durch einen übermäßigen Konsum von säurehaltigen Nahrungsmitteln wie Fleisch, Getreideprodukten oder Süßigkeiten mit zu wenigen basischen Nahrungsmitteln wie Gemüse und Obst begünstigt. Der menschliche Körper benötigt eine basische Ernährung, um ausreichend Mineralien und Vitamine zu sich zu nehmen. Fehlen wichtige Nährstoffe, kommt es möglicherweise zu Krankheiten und Mangelerscheinungen. Ziel des Säure-Basen-Prinzips ist es, täglich ein gesundes Verhältnis an basischen und säurebildenden Lebensmitteln zu sich zu nehmen.

Was darf ich demnach dann essen?

Generell werden die meisten Obst- und Gemüse-Sorten als basenbildend deklariert. Dazu gehören auch Pellkartoffeln, die meisten Pilzsorten und Kräuter. Als sauer hingegen gelten alle Fleisch-, Fisch- und Wurstwaren, aber auch alles was Zucker enthält, Getreide- und Reissorten, sowie Milchprodukte. Nahrungsmittel die im Organismus Säuren bilden, sollten dementsprechend in geringen Mengen verzehrt oder zumindest mit einem guten Ausgleich, zum Beispiel mit reichlich Kräutertee oder Wasser kombiniert werden. Dies ist der Ansatz für einen gesunden Säure-Basen-Haushalt. Gänzlich gemieden werden sollten Nahrungsmittel die Säuren bilden aber nicht. Denn es gibt auch sogenannte „gute Säurebilder" wie beispielsweise Nüsse. Sie enthalten wichtige Nährstoffe, nämlich die essentiellen Fettsäuren, die für den Körper notwendig sind.

Um ein gesundes Säure-Basen-Verhältnis zu erreichen, muss man nicht gänzlich auf Brot, Müsli, Pizza und Co. verzichten. Die richtigen Beilagen oder gelegentlich eine gesunde Zwischenmahlzeiten bewirken ein gutes Gleichgewicht. Mit Fisch oder Fleisch lassen sich z.B. Pellkartoffeln oder Salate kombinieren. Und Obst und Gemüse eignen sich genauso gut für den Snack zwischendurch. So kommt man auch dem täglich angestrebten Basenüberschuss (ca. 80 Prozent der Nahrungsmittel basisch, 20 Prozent sauer) ein Stück näher. Zusätzlich wird vor allem viel Kräutertee, natürlich ohne Süßungsmittel, empfohlen. Als Alternative gilt: Nahrungsmittel ersetzen und einen Ausgleich schaffen. Alternativen zu Weizen sind beispielsweise Dinkel oder Gerste. Aber auch hier gilt die Kombination als das A und O.

Übersicht über basen- und säurehaltige Lebensmittel (Quelle: http://www.zentrum-der-gesundheit.de/uebersaeuerung.html)

Hat eine zu sauere Ernährung gesundheitliche Folgen?

Ein unausgeglichener Säure-Basen-Haushalt soll eine Übersäuerung zur Folge haben. Laut Kennern und Anwendern des Säure-Basen-Prinzips sind die ersten Anzeichen dafür beispielsweise gelblicher, übel riechender Urin, Haarausfall oder Hautprobleme. Eine Übersäuerung kann auch Müdigkeit oder Sodbrennen verursachen. Dann können weitere Symptome folgen: Säuren, die der Körper nicht abbauen kann, werden ins Bindegewebe verschoben, was Falten und Cellulite hervorrufen soll. Außerdem schiebt der Organismus die überschüssigen Säuren in die Gelenke ab – Arthritis, Arthrose und Gicht seien das Resultat. Gewisse Schlacken (im Bindegewebe gespeicherte Gifte und Säuren) würden sogar in die Blutgefäße eingelagert, was zu Bluthochdruck führen könnte. Schlimmstenfalls könnte ein Herzinfarkt oder Schlaganfall das Ergebnis sein.

Wie ernst zu nehmen ist eine „Übersäuerung"?

In der Allgemeinmedizin ist der Begriff der Übersäuerung umstritten, da es bisher keinen wissenschaftlichen Beweis für diese Theorie gibt. Allgemeinmediziner wie Diana Bianchi treten dem Ernährungsprinzip kritisch entgegen: Der menschliche Körper sei auf einen recht genauen pH-Wert eingestellt und habe die Möglichkeit diesen Wert immer zu regulieren. Eine Übersäuerung würde in biochemischem Sinne einem zu hohen pH-Wert zum Beispiel im Blut entsprechen, so die Allgemeinmedizinerin. Das würde ein großes gesundheitliches Problem für den gesamten Stoffwechsel und damit für die Lebensfähigkeit des Menschen nach sich ziehen.

Das Säure-Basen-Prinzip ein Heilmittel?

Grundlegend ist festzuhalten, dass das Säure-Basen-System der Naturheilkunde angehört. Hierbei liegt der Schwerpunkt darauf die Selbstheilung des Körpers zu „aktivieren", also auf den Körper zu achten und Krankheiten vorzubeugen oder die Heilung zu unterstützen. Extremfälle gibt es überall. So mancher Alternativmediziner behauptet, dass mit dieser Ernährungsform chronische Krankheiten geheilt und Nierensteine gelöst würden, Übergewicht reduziert werde, die Sehstärke zunehme und Allergien und auch chronische Krankheiten geheilt würden. „Die Sehstärke könnte bei vorherigem Mineralstoffmangel oder der Verbesserung einer leichten Diabetes zunehmen", erklärt Bianchi. Dass Übergewicht durch eine Ernährungsumstellung reduziert werden kann ist allgemein bekannt. Dass allerdings Nierensteine hierdurch aufgelöst werden oder eine wesentliche Besserung einer Allergie die Folge wäre, schließt Bianchi hingegen aus: „Allergien verschwinden – aber oft ganz von selbst."

Welche Form der Ernährung ist die Richtige?

Die Theorie der Übersäuerung gibt es bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Menschen ernähren sich dadurch etwas gesünder und profitieren dann davon, erklärt Bianchi den positiven Effekt dieser Kostform. Ernährungswissenschaftler raten ebenfalls dazu, weniger Fleisch und Fisch und mehr Obst und Gemüse zu sich zu nehmen, was mit dem Ansatz des Säure-Basen Prinzips übereinstimmt. Ein Unterschied zur allgemein bekannten Ernährungsempfehlung ist der Ausgleich mit Säuren und Basen sowie eine stärkere Reduzierung von Milchprodukten. Dazu äußert sich Bianchi so: „Der Mensch ist biologisch gesehen ein Allesfresser und sollte sich auch so ernähren. Wobei es immer auf das Maß ankommt. Dabei muss auch jeder für sich den Weg finden, mit dem es ihm gut geht. Alles Extreme – gar kein Fleisch, gar keine Kohlenhydrate, gar kein dies oder jenes – ist auf Dauer nicht gesund. Es ist wahrscheinlich sinnvoll, viel Gemüse, Obst, Salat und Vollkornprodukte zu essen, aber die Ernährung darf auch Milch, Fleisch, Fisch und Fette enthalten." Die Ernährung nach dem Säure-Basen-Prinzip fördert das Bewusstsein für eine gesündere und ausgewogenere Ernährung. Gerade mehr Obst und Gemüse zu essen, Wasser oder Kräutertees anstatt von zuckerhaltigen Limonaden zu trinken, kann allemal nur gesünder sein. Insofern ebnet das Säure-Basen-Konzept eine gesündere Einstellung zu den täglichen Essgewohnheiten. Der Verzicht auf Milchprodukte oder andere „säurehaltige" Lebensmittel sind aber nicht von Nöten. Wer also auf sich achten möchte, sollte sich ausgewogen ernähren, in Maßen genießen und dabei vor allem sein eigenes Wohlbefinden berücksichtigen. Auch ausreichend Bewegung sollte hierbei nicht vergessen werden.

Total votes: 421
 

Über die Autoren

Christian Meeh

Crossmedia-Redaktion/Public Relations (Bachelor)
Eingeschrieben seit: SS 2014

Sabrina Schöllhorn

Crossmedia Redaktion/Public Relations
Eingeschrieben seit: WS14/15