Anti-Rassismus

Schule mit Courage – ein Überblick

09.07.2015

Politik und Medien sprechen viel über Integration. Doch ist diese einfach so möglich? Kann sich jemand integrieren, der in einer Gesellschaft voller Vorurteile und Ressentiments aufschlägt? Beim Netzwerk für Demokratie und Courage e.V. (NDC) engagieren sich junge Menschen ehrenamtlich für eine demokratische Kultur und gegen menschenverachtendes Denken.

Integrationswillig – ein Unwort, zeigt es doch zumeist mit dem Zeigefinger auf den Neuen. In der Realität scheitert es in wenigen Fällen am Willen der einzelnen Person. Viel häufiger fehlt die Bereitschaft der Gemeinschaft ein fremdes Mitglied in die Gesellschaft zu integrieren. Beispiele wie aktuell in Freital passieren gibt es leider viele. Vorurteile und eingeübter Alltagsrassismus sind dabei ein großes Hindernis, wenn es darum geht, Deutschland zu einem weltoffenen Land zu machen. Ein Träger, der sich für Offenheit und Toleranz einsetzt, ist das Netzwerk für Demokratie und Courage, kurz NDC. Von ihm werden in elf Bundesländern Projekttage an Schulen organisiert. Dabei geht es nicht nur um Verständnis und gegen Vorteile der Teilnehmer selbst, sondern mehr noch: Es versucht gezielt Menschen zu einem couragierten Verhalten zu bewegen, sich gegen Diskriminierung einzusetzen und mit den Opfern zu solidarisieren.

„Es geht für uns nicht darum, dass ihr zum Helden werdet. Aber wenn etwas passiert sollt ihr nicht einfach weg schauen!", erklärt Jule Schmidtberger, Teamerin bei Courage, den Schülern einer 9. Klasse bei einem Projekttag.

Gründung von Courage

Die konkreten Beweggründe für die Vereinsgründung vom NDC sind so simpel wie schockierend: Die Pogrome in Hoyerswerda und Lichtenhagen nach der Wende 1990. Im Beisein von bis zu 3.000 Bewohnern und unter Augen der Polizei, wurde ein Wohnhaus mit circa einhundert vietnamesischen Gastarbeiten angezündet und von Feuerwehr und Polizei zeitweise gänzlich im Stich gelassen. In den Folgejahren kam es zu zahllosen rassistischen Übergriffen und Brandanschlägen im ganzen Bundesgebiet. Ende der Neunziger beschloss ein Kreis von jungen Menschen, dass es so nicht weiter gehen kann. 1999 gründete der Semperkreis, ein Zusammenschluss von NaBu-Jugend, DGB-Jugend und den Falken, als Reaktion auf die Vorkommnisse, das Netzwerk für Demokratie und Courage. Ihr Ziel: Projekttage zu Antirassismus in Schulen initiieren. „Es geht um Fairness, um Sichtweisen, Vielfalt; auch zu begreifen, wie schwer es für andere Menschen sein kann, Verständnis, das Überkommen von Vorurteilen und Angst. Der Grundstein für Integration", so Schmidtberger.

So arbeitet Courage

Eine Übersicht über die praktische Arbeit der Gruppen findet sich in diesem vom Netzwerk selbst erstellten Video.

Interview mit der Koordinatorin für die Region Stuttgart

Steffi Neges vom NDC gibt im folgenden Interview Einblick in die Arbeit des Netzwerks. Sie ist 34 Jahre, studierte Sozialpädagogin und Sozialwissenschaftlerin und ist aktuell ehrenamtlich für die Einteilung der sogenannten Teamer für die Region Stuttgart zuständig. Hauptberuflich arbeitet sie für das Wohlfahrtswerk Baden Württemberg und betreut die Bildungsseminare im Freiwilligen Sozialen Jahr und Bundesfreiwilligendienst.

Schule mit Courage

Interview mit Steffi Neges vom Netzwerk für Demokratie und Courage

Ein konkreter Projekttag

Wie so ein Projekttag im Detail aussehen kann und was so alles passiert haben wir uns Mitte Juni bei einem Termin im Philipp-Mätthäus Gymnasium in Leinfelden angeschaut und protokolliert. An diesem Tag wurden 41 Schüler von Jule, 26, aus Stuttgart und Holger, 39, aus Freiburg geschult. Start ist immer zur ersten Stunde, also 7.45. Um pünktlich da zu sein musste Holger bereits um 4.30 seine Reise antreten. Man kann ahnen, die Aufwandsentschädigung von 80 Euro sowie die Übernahme der Reisekosten sind nicht der Grund, warum Holger und Jule sich für das Netzwerk engagieren. Ein Projekttag kostet das Netzwerk etwa 300 – 500 Euro.

Im nachfolgenden Protokoll steht H für Holger, J für Jule und S für eine Schülerin oder einen Schüler die zitiert werden.

Früh geht es los

7.20 Die erste Aktion ist Lüften. Der alte Muff soll raus aus dem Klassenraum der Schule mit einem Baujahr in den Sechzigern.

7.30 Die ersten Schüler treffen ein.

Geteamt, wie es im Jargon von Courage heißt, wird heute mit zwei 9-ten Klassen. Zu viele für einen Raum. Die Stühle müssen zweireihig gestellt werden. Jule und Holger sind verwirrt. Es gab wohl Unstimmigkeiten in der Kommunikation. Die Kooperation mit der Schule läuft seit zehn Jahren. Irgendwas muss schief gelaufen sein. Die Schulleiterin hatte zwei Teams bestellt. Doch für heute ist es zu spät. Ein weiteres Team ist erst für morgen als Verstärkung dabei.

7.40 Holger, bereits seit vier Stunden auf den Beinen, zieht sich schnell einen Kaffee rein. Eigentlich wollte er ganz gemütlich noch was essen, doch durch die Umbauarbeiten für die große Teilnehmerzahl ging die Zeit flöten. „Neunte Klasse, heute sind gute Chancen, dass es hart wird." so Holger.

7.45 Es klingelt. Auf Wunsch der Schule muss die Anwesenheit überprüft werden, was schnell abgehakt wird. „Wir machen heute keinen Unterricht. Es gibt keine Noten." verkündet Jule. Die Beiden erzählen den Schülern kurz den Hintergrund von Courage und worum es an diesem Tag gehen soll. Ziel ist die Vermittlung von Information und Denkanstöße. Sie wollen Menschen Mut machen sich zu äußern.

8.00 H: Was ist Courage? S: Wenn jemand zusammen geschlagen wird, und ich gehe dazwischen.

Das Zeitfenster für die Schulung sind sechs Schulstunden. Bevor es losgeht werden die Schüler gefragt, was ist ihnen wichtig ist, wenn man diskutiert. Vorschläge wie keine Beleidigungen, ausreden lassen und Meinungen respektieren werden als Regeln festgelegt.

Das Kennenlernspiel muss abgekürzt werden, zu viele Leute. Die Schüler haben eine Minute Vorlauf sich zu überlegen was sie sagen wollen. Gefragt ist Name, Alter und Lieblingsgewürz. Die Frage nach dem Gewürz bringt sie aus dem Konzept. Die Schüler brechen in Geschnatter aus, nur ein, zwei am Rand sitzen ruhig und verschlafen da. So ganz sind sie noch nicht bei der Sache.

Zimt, Koriander, Chili, Thymian, Salz, Pfeffer, Basilikum, Rosmarin, Paprika (für über die Pommes), Kurkuma, Kräuter der Provence, Kräutersalz, Bruschetta, Petersilie (großer Gelächter), Muskat.

8.20 Sechs Sitzgruppen werden auf dem Boden gebildet.

H: Macht mal die Augen zu. Palmenstrand!

Bilder von weißem Strand, Liegestuhl und Urlaub schießen durch den Kopf.

H: Das Phänomen: Alle haben ein ähnliches Bild. Beispielsweise vielleicht auch bei Mitarbeitern der Müllabfuhr.

Um das zu verdeutlichen wird Montagsmaler gespielt. Ein Begriff wird an die Zeichner ausgegeben, der Rest muss raten. Begriffe wie Baum, Fee, Krankenschwester oder Bayern werden abgerufen. Alles wird schnell erraten. Die Essenz: Klischees und Symbole dienen der Orientierung, dem gemeinsamen Code.

Wie sehen Krankenschwestern denn wirklich aus?

H: Baum, ok klar. Fee? Niemand hat je eine gesehen, gibt es ja nicht in echt. Klischees funktionieren auch wenn man etwas noch nie gesehen hat.

H: Wie sehen Krankenschwestern denn wirklich aus?

S: Die haben so grüne Säcke an.

H: Wie sind den Krankenschwestern drauf?

S: Die sind immer ziemlich nett.

S: Fürsorglich.

S: Hektisch.

S: Hygienisch.

S: Ich finde Krankenschwestern nicht nett. Die sind immer voll unfreundlich.

H: Was ist das denn nun?

S: Vorurteil!

H: Klischee ist an der Oberfläche. Dann kommt noch eine Eigenschaft dazu. Alle sind…

Das Vorurteil

H: Wie sind denn Bayern so drauf?

S: Die Saufen immer.

H: Alle?

S: Männer.

H: Was haben wir noch?

S: Die fahren alle BMW.

S: Wählen alle CSU.

H: Wenn ein Bayern abends bei euch klingelt, würdet ihr ihn aufnehmen?

Alle S: NEIN!

Gut, Holger hatte die Geschichte etwas ausgemalt. H: Rast abends ein besoffener, bmw-fahrenden Csu Wähler bei euch in den Garten und klingelt. Würdet ihr ihn aufnehmen?

Die Schlussfolgerung: Aus Vorurteilen folgt häufig Diskriminierung.

Während er gerade darüber redet pustet ein Schüler Seifenblasen. Aus der hinteren Reihe ruft es: Bist du Schwul oder was? Scheinbar sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle Schüler sensibilisiert.

Von Bildern zur Diskriminierung

Optische Merkmale werden auf Gruppen übertragen und mit bestimmt Eigenschaften kombiniert

09.00 Die Schüler schreiben Merkmale und daraus resultierende Folgen für die Betroffenen auf. Beispiele sind: Pole, Sprachfehler, Kopftuch, Hässlich, Behinderungen, Kann sich nicht die Schuhe binden, Dick, Sexualität, Hautfarbe. Die Folgen: Ausgrenzung, Depression, Selbstzweifel, Suizidgedanken, Mobbing, sinkendes Selbstwertgefühl, Wut und Enttäuschung, zurückziehen, Angst, Aggression.

09.20 Pause. Kurz verschnaufen und was zwischen die Kiemen. Beide Teamer sind überrascht wie gut es mit der großen Gruppe funktioniert.

9.35 Alle sind pünktlich zurück. Holger merkt an: Mobbing kann völlig „grundlos" passieren, wird heute nicht behandelt. Dafür hat Courage einen eigenen Projekttag. Heute geht es um Diskriminierung. Weiter stellt er fest: Ihr habt ausschließlich negative Folgen für die Diskriminierten genannt. Wir wollen auch die positiven Möglichkeiten und Folgen hinweisen. Betroffene bilden Gruppen, man kann sich Begriffe aneignen oder neu besetzen, Protest äußern und Information an die Öffentlichkeit geben.

Was Menschen über Menschen denken.

09.50 Eine NDR Doku über ein Asylbewerberheim in Berlin Reineckendorf wird Ausschnittweise gezeigt. Die Anwohner wollen das Heim nicht. Die Kinder dürfen nicht auf dem Spielplatz spielen. Vorwürfe wie hohe Kriminalität und viel Dreck kommen. Manche wollten die Flüchtlinge da ansiedeln, wo die Schere nicht so groß ist. Ein Anwohner meint: „Das sind alles Moslems. Ich bin Christ."

10.20 Eine Diskussion geht los:

S: Schockiert wie viel Hass und Vorteile vorhanden sind.

S: Teilweise, glaube ich aber auch das was stimmt.

S: Der Film war einseitig. Der Beitrag hat auf eine bestimmte Aussage gezielt.

S: Die Leute tun mir Leid. Sie verstehen überhaupt nichts.

S: Schockierend, die Leute die die Oberschicht sind, sollten gebildet sein und reflektiert mit umgehen können.

S: Das mit der Schere stimmt doch. Das kann etwas provozieren. Kann mir vorstellen, dass jemand dann klaut oder so.

S: Das Spielplatzverbot für ein Kind. Ich hätte mit ihm gespielt. Man könnte ja einen Zeit ausmachen, wenn sie keinen Kontakt haben wollen. Ich verstehe das nicht.

S: Wie kann man Angst vor einem 4 jährigen Kind haben.

S: Im Grundgesetzt steht die Würde des Menschen ist unantastbar. Ich würde den Zaun verbieten.

J: Kriminalität; wie sieht das aus? Möchte jemand etwas dazu sagen?

S: Wenn da wo sie angesiedelt werden und sehen wie reich die sind. Da denken sie vielleicht, da kann ich ruhig mal was nehmen.

S: Ich glaube, dass in der deutschen Bevölkerung mehr geklaut wird.

S: Wenn ich ein Flüchtling wäre würde ich nicht klauen, weil dann ist ja klar, dass ich nicht angenommen werde.

J: Wenn man ein Verbrechen begeht ist die Abschiebung ziemlich sicher.

S: Die dürfen ja auch nicht arbeiten. Ist ja klar, dass sie trotzdem Geld brauchen und irgendwas machen.

H: Zum Thema Schwarzarbeit. Es gehört auch der Arbeitgeber dazu. In Freiburg gibt es einen Sammelplatz für Tagelöhner. Diese Arbeiten dann für 2 – 3 Euro.

S: Ich habe einen Bericht über einen Anfall von Assi-Asylanten gesehen. Sie haben randaliert und in die Kamera geposed. Diese schädigen den Ruf und erscheinen undankbar.

Jule beschreibt die Situation für viele Flüchtlinge. Von Lage, über die Reise, und das Ausgangsland, negativen und traumatisierenden Erfahrung. Zum Stichwort Residenzpflicht und überfüllte Unterkünfte. J: Wir sind alles Menschen. Wenn wir bis heute Abend hier alle zusammen sein müssten, würden wir wahrscheinlich auch Konflikte haben.

10.35 Fakten zu Asylverfahren und der Dritt-Staaten-Regelung werden vorgestellt.

Flucht – Freiheit

10.50 H: Was wären für euch Gründe Deutschland zu verlasse, freiwillig oder unfreiwillig.

Zuerst werden nur positive Dinge wie Sonne und Meer genannt, dann kommt langsam: Hunger, politische Verfolgung, Krieg, Diktatur. Holger ist verwundert: Niemand sagt liebe?!

Die meisten flüchten innerhalb ihres Land. Etwa 1% kann in ihr Heimatland zurück kommen. In Syrien gibt es Flüchtlingslager die seit 40 Jahre bestehen.

J: Welche Gründe sind nötig um in Deutschland Asyl zu bekommen?

S: Politische Verfolgung.

H: Korrekt.

S: Krieg.

H: Nein, nur weil bei dir Krieg ist darfst du nicht einfach kommen.

S: Hunger und Armut.

H: Nein, weder Hunger noch Armut.

S: Diktatur.

H: Nein, das ist persönliches Pech.

H: Es gibt auch eine Quote – humanitäre Gründen. Diese werden aber schon vorausgewählt.

J: Noch weitere Gründe?

Stille

H: Verfolgung wegen Glaube.

J: Verfolgung wegen Sexualität.

11.50 Ein weitere Film: Ausschnitt aus einem Monitorbeitrag zu Racial Profiling wird gezeigt. Es wird deutlich wie oberflächlich die Wahrnehmung ist: Ein Flüchtling, ehemaliger Lehrer an einer Mädchenschule in Afghanistan, ein schwarzer Deutscher in der BRD geboren, ein EU-Bürger (Franzose und schwarz) der als Manager in München arbeitet und eine Austauschstudentin die Jura studiert. Alles sind Ausländer und müssen mit den Vorurteilen leben und erfahren sie täglich am eigenen Leib.

Es geht für uns nicht darum, dass ihr zum Helden werdet, aber wenn etwas passiert sollt ihr nicht einfach wegschauen

Rollenspiel: Eine Busfahrt, sechs Insassen und der Fahrer sind im Bus. Eine Person wird diskriminiert, Jule steigt zu und tritt als Aggressor auf.

H: Wenn es dir zu Krass wird …, Schüler ruft rein: „Dann heult er?", … sagst du Bescheid. Wir hatten schon Leute, wo es zu krass wurde. Als das Stück losgeht wird gekichert.

Erste Runde

Jule steigt in den Bus und greift Eric, das Opfer, in seiner Person an. Das geht erst mal eine Weile so. Der Schüler fängt an sich zu wehren, beleidigt Jule. „Herr Busfahrer, wir haben eine riesen Hurensohn am Start."

Cut

H: Also ich hab wenig Interaktion gesehen. Einer hat gefilmt. Ihr habt mit Eric nach der Beleidigung abgeklatscht.

Busfahrer: Was soll ich denn machen?

Vorschläge aus der Runde: Weg setzen, Leute um Hilfe fragen.

Zweite Runde

Deutlich stiller. Kein Gelächter mehr.

Der Platz wird getauscht. Eine anderer greift ein. Ein ganz motivierter will sich prügeln. Jule lässt sich in andere Gespräche verwickeln.

Cut

H: War es jetzt für dich anders, Eric?

Eric: Ja man möchte sich die ganze Zeit rächen oder so! Ich hätte ihr gern eins in die Fresse gehauen.

Dritte Runde

Ein kurzes Vergnügen Eric geht sofort zum Busfahrer. Sie packen dann einfach zu viert Jule und schmeißen sie aus dem Bus. Es wird reflektiert. Warum mache ich eventuell nichts? Gründe könnten sein: Distanz, Allein gegen Gruppe, Peinlichkeit, Angst vor Gewalt oder Angst selbst diskriminiert zu werden. Was für Möglichkeiten gibt es denn? Leute gezielt ansprechen; Polizei rufen, am besten die 112; das Opfer fragen, ob es Hilfe möchte.

„Was passiert wenn ich Hilfe schreie könnt ihr auf Youtube sehen", bemerkt Holger zynisch, „bei Hilfe passiert manchmal was, aber Feuer ist besser."

Strukturelle Schranken

12.24 Die Gruppen vom Montagsmahlen finden sich wieder zusammen. Rollenkarten werden verteilt, eine Person aus der Gruppe kennt die Rolle die sie übernimmt nicht. Es werden Fragen an die Gruppe gestellt und positiv oder negativ beantwortet. Entsprechend dürfen die Personen auf dem Spielfeld nach vorne Rücken oder müssen stehen bleiben.

Kannst Du überall Urlaub machen?

Kannst Du im Kaufhaus einfach einkaufen ohne dass dich die Verkäufer komisch anschauen?

Kommst Du ohne Probleme in eine Disco?

Kannst du mit deinem Freund oder Freundin in der Öffentlichkeit Händchenhalten oder nicht?

Du bewirbst dich auf einen Job für den du qualifiziert bist. Denkst Du, dass du ihn ohne Probleme bekommen kannst?

Die Schüler die ihre Rolle nicht kennen dürfen nun raten, welche Rolle sie haben.

Schüler rät: Weißer, Abiturien, normal - Rolle: Männlicher weißer Arzt

Schüler: Minderjährig - Rolle: Deutsche mit Kopftuch

Schüler: Penner? - Rolle: alleinerziehende Mutter, Hartz 4

Schüler: Migrationshintergrund? - Rolle: behinderte Schülerin

Eric: Ausländer, minderjährig? - Rolle: 29, illegal in Deutschland.

Das Spiel soll strukturelle Hürden aufzeigen, welche Handlungsräume überhaupt zur Verfügung stehen.

Holgers Pausen werden immer länger. Die Aufmerksamkeitspanne der Schüler ist erschöpft. Der letzte Punkt vom Workshop kann nicht mehr durchgeführt werden. Es soll auch noch Zeit fürs Feedback sein. Die Schüler schreiben Zettel und geben diese ab. Die Teamer werten sie erst aus, wenn die Schüler weg sind.

Ein paar Minuten später stürmen die Schüler freudig aus dem Zimmer. Nur eine bleibt noch kurz. Die zierliche Yana fragt die beiden wie man sich für Courage schulen lassen kann. Das Seminar hat sie offensichtlich inspiriert.

Das Feedback:

Negativ: Zu lange, manchmal wurde nur die eine Seite gesehen, Mehr pausen, zu lange sitzen, zu viel Infos, viel geredet

Positiv: Filme, Bilder, spiele, Interessantes Thema, Theaterstück, Eingehen auf alle Meinungen, gute Überleitungen, Rollenspiele, gut erklärt, abwechslungsreiches Programm, ihr seid voll chillig, Vereinbarungen selbst diskutieren, respektvoller Umgang

Holger ist platt. Während er das Feedback der Schüler durchliest sagt er immer wieder: „cool, das gefällt mir" oder: „das würde euch so passen, dass ihr früher heim kommt." Das Feedback mit den Lehrkräften wird auf den nächsten Tag verschoben. Die beiden sind sichtlich geschafft nach der Arbeit. Und morgen sind sie wieder da um in den zwei anderen neunten Klassen für Zivilcourage zu werben.

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Über den Autor

Gunnar Weber

Medienwirtschaft
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2013/2014