Tabuthema weibliche Masturbation

Selbstbefriedigung: Ein tieferer Einblick

31.05.2016

Masturbation ist in unserer Gesellschaft ein Thema, über das konsequent geschwiegen wird. Vor allem Frauen bekennen sich ungern dazu, dass sie sich selbst befriedigen. Aber woher kommt diese Scham vor der eigenen Sexualität? Und was denken Männer eigentlich über Frauen, die masturbieren?

Warum ist Masturbation eigentlich ein Tabuthema? |Bild: Aline Spantig

Masturbieren, onanieren, wichsen – egal, wie wir es nennen, wir machen es sowieso (fast) alle. Zu dem Ergebnis ist zumindest die Bonner Universität vor einigen Jahren gekommen. Laut deren Studie masturbieren 90 Prozent der Männer und 86 Prozent der Frauen regelmäßig.

Vor allem zwischen den Geschlechtern sind trotzdem viele gehemmt, über Masturbation zu sprechen. Aber auch der kulturelle Hintergrund wirkt sich auf das Verhältnis zur eigenen Sexualität aus. So bekennen sich im liberalen Schweden circa dreimal so viele Menschen – Männer wie Frauen – dazu, zu masturbieren, als im konservativen China.

Religion als Weichensteller

Dabei masturbieren Menschen schon seit Jahrtausenden. Das Wort „Masturbation" kommt aus dem Lateinischen. „Manu strupare" bedeutet wörtlich „mit der Hand entehren", sinngemäß: „sich selbst schänden". Denn unser religiöses Gedankengut basiert auf der Idee, dass Körper und Geist, Böse und Gut, Himmel und Erde gespalten sind. Laut diesem Ansatz besteht die erste Sünde unseres Lebens darin, als Ergebnis von Geschlechtsverkehr geboren worden zu sein. Körperliche Bedürfnisse und Begierden gelten als sündhaft, als Zeichen von Schwäche.

Der amerikanische Sexualforscher Edward Rowan schreibt in seinem Handbuch ‚Schamlos eigenhändig‘: „Bei der Entwicklung der gesellschaftlichen Einstellung zu den sexuellen Verhaltensweisen stellt die Religion in jedem Kulturkreis einen wichtigen Einflussfaktor dar – ganz sicher auch für die westliche Welt."

Erst in den 1960er bis 1970er Jahren wird die Masturbation in der Sexuallehre als wichtiger Teil sexueller Gesundheit anerkannt. Bei Männern führt regelmäßiges Masturbieren zum Beispiel dazu, dass öfter frisches und leistungsfähiges Sperma nachproduziert wird. Bei Frauen sorgen die beim Orgasmus freigesetzten Endorphine dafür, dass sie besser einschlafen können. Außerdem trainiert das Fingerspiel die Beckenbodenmuskulatur.

Wer nichts wagt, der nichts gewinnt

Und doch will niemand so wirklich öffentlich darüber reden. Stattdessen gibt es immer noch die Ammenmärchen davon, dass Masturbation blind macht oder der liebe Gott uns dabei zuschaut. Daran glauben zwar heutzutage nur noch wenige, aber es gibt tatsächlich einige Leute, die der Masturbation sehr negativ gegenüberstehen.

Die Sexualtherapeutin Dr. Heike Melzer kann dies wieder und wieder in ihrer Praxis beobachten. „Ich sehe immer noch Paare, die es als unnormal ansehen, in einer Beziehung zu masturbieren." Männer sehen es teilweise als Betrug an, wenn Frauen in der Beziehung masturbieren, aber nicht immer Lust auf partnerschaftlichen Sex haben. Dabei kann Selbststimulation den Sex sogar noch besser machen. Denn wer weiß, was einem selbst gefällt, der kann auch seinem Partner mitteilen, was funktioniert. Dr. Heike Melzer rät ihren Patienten deshalb dazu, Selbstbefriedigung ins Liebesspiel einzubauen. Sie ist sich sicher: „Ein offener Austausch über Masturbation kann Sex erfüllender machen."

Was denken eigentlich Männer über das Thema? Wir haben uns auf Stuttgarts Straßen umgehört.

Was sagen die Männer?

In den Zeiten der Digitalisierung ist es deutlich einfacher geworden sich aufzuklären. Heute ist mit ein paar Klicks getan, wozu sich Jugendliche noch vor wenigen Jahren mit Zeitschriften weiterhelfen mussten. Trotzdem haben Frauen oft den Eindruck, sich nicht dazu bekennen zu können, dass sie masturbieren. Das hängt auch damit zusammen, wie sie den Blick der Männer auf die weibliche Sexualität einschätzen. Viele haben Angst, von Männern als billig betrachtet zu werden, wenn sie offen über ihre Freude an der eigenen Weiblichkeit sprechen. Ein reger, offener Austausch würde diesem Tabuthema, wie vielen anderen Tabuthemen, den Schrecken nehmen.

Hier könnt ihr lesen, welche Erfahrungen Frauen mit dem Thema gemacht haben!

Total votes: 113
 

Über den Autor

Muriel Gévaudan

Crossmedia Redaktion/ Public Relations
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2015