Bezahlen per Smartphone

Smartphone statt Geldbeutel - Ein Trend mit Zukunft?

28.01.2016

„Bar oder mit Karte? – Ich zahle mit dem Handy!“ Das mobile Bezahlen nähert sich dem deutschen Markt mit großen Schritten. Zukünftig kann der Geldbeutel beim Einkaufen zu Hause bleiben, während an der Kasse sekundenschnell mit dem Smartphone gezahlt wird. Für den Durchbruch spielen der Sicherheitsaspekt und der Mehrwert eine entscheidende Rolle.

Geldbeutel oder Smartphone? Was wird sich zukünftig an den Kassen Deutschlands durchsetzen? (Quelle: Sibel Kacmaz)

„Das macht vier Euro fünfzig, bitte." Ein junger Student zückt sein Handy an der Supermarktkasse. „Sie sollen zahlen, nicht telefonieren", erklärt eine wartende Kundin hinter ihm. Der Student lächelt sie an, hält sein Handy über das Bezahlterminal und erwidert: „Genau das mache ich."

Wird das Bezahlen an der Kasse bei uns in Zukunft so aussehen? In Deutschland verbreitet sich das Bezahlen per Handy immer schneller, nachdem es in Ländern, wie in Japan oder in den Niederlanden schon zum Alltag gehört. Ob das „mobile payment" in Deutschland langfristig Fuß fassen wird oder nur eine Gruppe technikaffiner Nutzer den Geldbeutel zu Hause lässt, ist ungewiss. Denn der Datenschutz oder die Angst vor dem Versagen der Technik hält den Großteil unserer Gesellschaft noch von der Akzeptanz dieses Fortschrittes ab.

Die Technologie wartet schon auf ihren Einsatz

An ausgewählten Stellen besteht für den Nutzer hierzulande bereits seit ein paar Jahren die Möglichkeit, mit dem Handy zu bezahlen. Um die breite Masse zu erreichen, soll die Near Field Communication Technologie (NFC), also das Übertragen von Daten aus näherer Distanz, zukünftig einheitlich eingeführt werden.

Zunächst braucht man ein Handy, das NFC-fähig ist und eine NFC-SIM Karte, die beim Anbieter erhältlich ist. Installiert man eine Zahlungs-App und lädt sich Guthaben auf eine Prepaid-Kreditkarte, erfolgt noch zusätzlich die Registrierung – schon kann das Zahlen per Smartphone beginnen. An der Kasse genügt es das Handy ein paar Sekunden an das NFC-Lesegerät am Bezahlterminal zu halten und der Bezahlvorgang ist beendet. Einkäufe bis zu 25 € kann man somit ohne PIN tätigen und „die Suche nach dem Kleingeld bleibt erspart, das finde ich sehr gut", erklärt eine Studentin der Hochschule der Medien. Andere Studierende geben jedoch auch an, dass sie diesem Wandel mit Skepsis und Unsicherheit entgegentreten. So einfach das Bezahlen per Handy in der Theorie erscheint, in der Praxis ist die Technologie noch nicht bei den Nutzern angekommen.

Die Begeisterung der Deutschen hält sich in Grenzen

Insbesondere die Frage, ob das Zahlungsverfahren mit dem Handy sicher ist, hält die Studierenden bislang vom „mobile payment" ab. Wer hat Einblicke auf meine Daten und und was passiert, wenn die Technik plötzlich versagt? Für Armin Herb, der Datenschutzbeauftragte des SWR, ist die Unsicherheit der Bürger ausschlaggebend dafür, dass der Wandel nur langsam voran geht. „Ängste im Bereich des Datenschutzes waren bei der Einführung der Mobilfunkanbieter bereits ein großes Thema. Vor dem gleichen Problem steht derzeit die Bezahl-App", betont Herb. Warum soll man seine Daten an eine App weitergeben, wenn die EC-Karte eine komfortable Alternative zum Barzahlen ist? Langfristig gesehen setzt man das Bezahlen per Handy im Einzelhandel zwar ein, aber „auf den Geldbeutel werden die Deutschen nicht so schnell verzichten", prophezeit Armin Herb.

Statistiken zum Bezahlen mit dem Smartphone

(Grafik: Sibel Kacmaz, Quelle: Statista)

Der Wandel kommt schleichend

Die Angst vor dem Datenklau ist laut Stefan Koop, IT-Sicherheitsexperte bei der ROTON IT-Service GmbH, jedoch nicht der Grund, warum die Deutschen noch zögernd an den Wandel herantreten. Wo das Handy die Daten genau abspeichert oder welche Daten von anderen Apps einsehbar sind, „das ist den meisten Smartphone-Nutzern nicht bewusst", so der IT-Sicherheitsexperte. Denn die eigentlichen Hindernisse für das neue Bezahlsystem sind eher die unzähligen Angebote der Mobilfunkanbieter. Demnächst soll Apple sein Zahlungssystem „Apple Pay" für iPhones in Deutschland einführen. Das könnte die Chance erhöhen, dass sich das Bezahlen per Smartphone an der Kasse durchsetzt. „Die Hemmschwelle für die Installation sinkt, wenn mehrere große Anbieter das neue Bezahlsystem anbieten", meint Koop. Werben die Geschäfte zusätzlich für die NFC-fähige Bezahlung per Smartphone, wird das Vertrauen der Kunden auf lange Sicht gesehen kein Problem sein. Stefan Koop vermutet jedoch: „Das wird nicht von heute auf morgen geschehen."

Der Nutzer braucht einen Mehrwert

„Anbieter, die von ihren Kunden eine Gebühr verlangen oder keine zusätzlichen Vorteile, wie Rabatte anbieten, sind für den Kunden uninteressant", erklärt Arnd Engeln, Professor für Werbung- und Marktkommunikation an der Hochschule der Medien. Der Nutzer braucht einen Mehrwert, etwas das ihn dazu bewegt, sich für die Bezahl-App und gegen das Bar- oder Kartenzahlen zu entscheiden. Wenn dieser Mehrwert besteht, verzichten viele Nutzer schnell auf den Datenschutz. Der eigene Vorteil steht hierbei im Vordergrund und entdeckt man einen erlebbaren Gewinn, sind wir oft bereit Risiken einzugehen, so Engeln. Entscheidend ist zusätzlich die eigene Motivation. Ist man mit dem Bar- oder Kartenzahlen zufrieden oder misstraut man innovativen Technologien, wird man an seinem Zahlverhalten auch nichts ändern wollen. Gefragt sind also die Anbieter. Schaffen sie es ihr Angebot überzeugend zu präsentieren, dann hat das Produkt eine Chance vom Nutzer akzeptiert zu werden.

Es bleibt spannend, wie die Konsumenten in den nächsten Jahren auf den Wandel eingehen werden. Laut dem Datenverband BITKOM, liefert Mastercard seit Januar 2015 alle neuen Terminals mit NFC aus. Somit sollen alle Terminals in Deutschland bis 2018 NFC-fähig sein. Ob PayPal, Google Wallet, Apple Pay oder ob ein anderer Anbieter die Nutzer für ihre Bezahl-App begeistern wird – dem Smartphone als Geldbeutel wird man von nun an öfter an Deutschlands Kassen begegnen.

Total votes: 416
 

Über den Autor

Sibel Kacmaz

Unternehmenskommunikation (Master)
Eingeschrieben seit: Wintersemester 15/16