Fusionsküche

Spätzle süß-sauer

04.05.2015

Isst du diese Woche schon das dritte Mal Maultaschen mit Ei? Wünschst du dir ein bisschen mehr internationales Flair auf deinem Speiseplan? Dann schau doch einfach mal in die Töpfe deiner Mitmenschen. Lies hier, was der Profi dazu sagt und wie Diya den Selbsttest macht!

„Fusion cuisine" – auf Deutsch Fusionsküche – ist die Vermischung von klassischen Elementen verschiedener nationaler Küchen. Wie so viele Trends kommt auch dieser aus den USA und schwappt seit einigen Jahren zu uns nach Europa herüber... Die Welt rückt zusammen, Globalisierung ist vom Zauberwort zum Alltag geworden. Eine Entwicklung, die sich auf unseren Tellern fortsetzt. Also gut, denke ich, warum nicht? Aber funktioniert das überhaupt mit der deutschen Küche, besonders mit der schwäbischen? Soll ich jetzt Linsen über mein Sushi kippen?

Das sagt der Sternekoch dazu...

Ich beschließe, zunächst einmal den Fachmann zu fragen und muss dafür nicht mal in die Ferne schweifen. Bernd Bachofer ist Koch und seit einigen Jahren mit genau diesem Konzept in Waiblingen sehr erfolgreich; seine schwäbisch-asiatischen Kreationen wurden vor einigen Monaten sogar mit einem Michelin-Stern geadelt. Bachofer beschreibt seine Arbeit als „grenzenlose Küche, ein Husarenritt über die Kontinente." Übrigens hat er jedes Land, an dessen Esskultur er sich versucht, selbst besucht. „Warum soll man sich beschränken, wenn doch so viele wunderbare Dinge auf der Welt passieren?" Seine These: „Alles fließt." Beispiel: Italien. Die Deutschen denken da, platt gesagt, an Pizza und Pasta. Dabei sah das vor 500 Jahren noch ganz anders aus. Tomaten hat ein gewisser Kolumbus erst aus Amerika mitgebracht, Nudeln kannten die Chinesen vermutlich lange vor den Italienern, Vorläufer der Pizza kannten schon die Assyrer (Gebiet des heutigen Irak).

Diese Erkenntnis lässt mich erstmal ernüchtert zurück. Aber Bernd Bachofer hat noch ein weiteres gutes Argument, dass für die Aufnahme von asiatischen Gerichten in meinen studentischen Speiseplan spricht: „Die asiatische Küche ist eine einfache Küche. Vom Handwerk her ist sie einfacher als die europäische Hochküche. Die Zutaten sind oftmals austauschbar, die Küche ist sehr gesund und irre bekömmlich. Es muss doch einen Grund haben, dass die Japaner statistisch gesehen alle älter werden als wir!"

...und so funktioniert’s bei uns!

Nach unserem Gespräch habe ich dann doch richtig Lust bekommen, mich an asiatischer Küche zu versuchen. Und wenn ich dabei nicht einmal auf meine geliebten Spätzle verzichten muss, umso besser! Also kontaktiere ich sofort meine Kommilitonin Sonja, die chinesische Wurzeln hat. Sie erklärt sich netterweise zu einer Kochsession bereit und am nächsten Tag bin ich im Supermarkt auf der eifrigen Suche nach Sojasoße, Zitronengras und Kokosmilch. Um das gleich vorwegzunehmen – beim Zitronengras bin ich im normalen Supermarkt nicht fündig geworden, eine kurze Internetsuche ergibt aber, dass Zitronensaft und -schalenabrieb als Ersatz taugen.

Spätzle süß-sauer

Wir beginnen mit einem einfachen Rezept, schließlich koche ich weder gut noch gerne. Eine einfache süßsaure Soße soll es sein, die gut zu Reis passt – ob sie auch mit Spätzle schmeckt, werden wir gleich herausfinden. Die Zubereitung der Soße ist wirklich kinderleicht: man muss einfach alles schnippeln und zusammenrühren. Da ist das Spätzledrücken deutlich anstrengender. Meine chinesische Freundin macht das übrigens zum ersten Mal – wer sagt denn, dass hier nur eine Seite noch dazu lernen kann? Der beste Teil am Kochen ist bekanntlich das Essen, und ich werde nicht enttäuscht. Die Kombination ist überraschend lecker, die Soße erinnert geschmacklich sehr an die einer gewissen Fastfood-Kette mit dem goldenen M – nur, dass wir dieses Mal wissen, was drin ist. Das wird in Zukunft auf jeden Fall nachgekocht. (Rezept s.u.)

Maultaschen-Curry

Durch das erste Erfolgserlebnis bestärkt nehmen wir jetzt ein Curry-Rezept in Angriff. Das Rezept ist variabel: Man kann Huhn, Pute oder Schweinefleisch verwenden. Super, dann nehmen wir doch einfach klein geschnittene Maultaschen! Diesmal nimmt das Kochen etwas mehr Zeit und Konzentration in Anspruch, da man den Aromen Zeit geben muss, sich zu entfalten. Am Ende haben wir eine Pfanne mit angebratenem Gemüse und Maultaschen in Soße und eine mit Reis, vermischt mit gerösteten Pinienkernen. Da wir heute schon das zweite Mal kochen und der Hunger dementsprechend klein ist, kommen noch zwei Mitbewohner in den Genuss der Gratis-Verköstigung. Das Fazit fällt gemischt aus. Zweimal ein klares „Ja", zweimal (und dazu gehöre ich) bleibt es eher beim „Najaaa". Am Ende steht die Erkenntnis, dass Maultaschen eben doch nicht einfach nur Fleisch sind und die Kombination aus Nudel(teig) mit Reis eher gewöhnungsbedürftig ist, wobei der Reis mit den Pinienkernen absolut lecker ist- ein kleiner Twist, den ich mir aber auf jeden Fall merken werde. Auch die Soße mit dem Gemüse ist sehr gut – das nächste Mal aber lieber doch wieder mit „normalem" Fleisch.

Mein Fazit: einmal Volltreffer, einmal noch Luft nach oben. Die wichtigste Erkenntnis ist für mich aber, dass man beim Kochen ruhig kreativ sein darf – und dass es sich lohnt, einmal über den eigenen sprichwörtlichen Tellerrand hinaus zu blicken.

Unser Rezept für Spätzle süß-sauer:

Hier siehst du, welche Zutaten wir verwendet haben und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

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Über den Autor

Cristin Gehrlein

Medienwirtschaft
Eingeschrieben seit: Wintersemester 2013/2014