Elektroauto und Benziner im Test

Stecker rein – Vorbild sein?

15.01.2015

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist in aller Munde. Von effektiver Bauweise über Foodsharing bis zum Upcycling – Grün ist das neue Schwarz. Selbst die Automobilindustrie setzt mittlerweile auf umweltfreundlichere Fahrzeuge. Lautlos und CO2-arm über die Straßen gleiten, statt mit Porschesound und Abgaswolke davon brausen. Doch wie „grün“ ist ein Elektroauto im Vergleich zu einem Benziner wirklich? Wir haben den Test gemacht.

„Svenja, pass auf!", rufe ich voller Entsetzen. Fast hätten wir einen Fußgänger überfahren, der gedankenversunken auf sein Handy starrt und die Straße überqueren will. Wir sitzen im VW e-Golf, einem Elektroauto, das keinen Mucks von sich gibt – nicht mal beim Starten des Motors. „Ist das Auto denn überhaupt an? Kann man schon los fahren?", frage ich verwirrt den Autohändler, der uns das Fahrzeug freundlicherweise für einen Tag zur Verfügung stellt. Und eben wegen dieser Lautlosigkeit hätte der Fußgänger uns fast übersehen. Das ist also definitiv eine Gewohnheitssache.

Das „Ich bin noch schnell fünf Stunden tanken"-Problem

Der Vorteil an eines Elektroautos ist der, dass man nicht wie üblich mit Benzin oder Diesel tankt, sondern das Auto ganz bequem an eine Steckdose hängt. Das funktioniert sogar zu Hause. Der Nachteil dabei ist wiederum, dass es nicht fünf Minuten dauert, sondern fünfeinhalb Stunden. Wenn der Akku im Auto also leer sein sollte, müssen spontane Treffen wohl oder übel abgesagt werden. Eine ähnliche Einschränkung hat man in Bezug auf die Strecke, die zurückgelegt werden kann. Mit einer Reichweite von 190 Kilometern würde man nicht einmal von Stuttgart nach Frankfurt kommen. Das schließt längere Autofahrten, beispielsweise in den Urlaub, aus. Doch so ein Elektroauto hat nicht nur Nachteile. Durch das 1-Gang-Getriebe ist der Fahrspaß enorm. Man wird bei der Beschleunigung stufenlos in den Sitz gepresst. Eventuell gleicht das Mankos wie Reichweite und die Aufladezeit aus.

Grün – Grüner – Elektroauto?

Doch Fahrspaß hin oder her: Wie nachhaltig sind Elektroautos? Sind sie wirklich ökologischer als Autos mit Verbrennungsmotoren? Wir haben Prof. Dr.-Ing. Koch-Gröber gefragt, der an der Hochschule Heilbronn Automotive System Engineering lehrt. „Die Antwort ist ein ganz klares Jain", antwortet er mit einem Grinsen. Das liege daran, dass man immer die Gesamtkette der Energieumwandlung betrachten müsse. Natürlich habe ein Elektroauto während der Fahrt einen viel geringeren CO2-Ausstoß, als ein normales Auto. Doch man müsse eines bedenken: Der Strom, mit dem das Auto auflädt, komme aus einem Kraftwerkspark. Und dieser arbeitet mit Braunkohle. Nun weiß man, dass bei der Verfeuerung von Braunkohle Kohlenstoffdioxid (CO2) entsteht. „So imitiert ein Elektroauto bei gleich schneller Bewegung in etwa den CO2-Ausstoß eines sparsamen Verbrennungsmotors", sagt Professor Koch-Gröber. Sind Elektroautos also doch nicht so nachhaltig? Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Lebensdauer der Akkumulatoren, also der wieder aufladbaren Speicher für die elektrische Energie. „Schauen Sie sich Systeme an die Sie kennen", erklärt uns Prof. Koch-Gröber, „also Laptops oder ein Handy." Ein Handy, das drei Jahre alt ist, läuft vermutlich nur noch halb so lang. Nun ja, dann kauft man sich eben ein Neues. Bei einem Auto sieht die Sache dann aber anders aus. Sagen wir ein brandneues Elektroauto läuft zu Beginn circa 130km/h, nach sechs Jahren wahrscheinlich nur noch 70km/h. Was macht man dann? Ein normales Auto hat an dieser Stelle einen relativ guten Wiederverkaufswert, doch ein Elektroauto wird man wohl so schnell nicht mehr los.

Elektromotor vs. Ottomotor. Grafik: Pawlowski, Frauenhoffer

Die Qual der Wahl

Auf längere Sicht betrachtet sind Elektroautos aber wirklich eine gute Alternative. Vor allem für Leute, die ihr Auto hauptsächlich in der Stadt benutzt. Eine weitere gute Möglichkeit sind Hybridautos. Diese laufen auf kurzen Strecken mit einem Elektromotor und auf längeren Strecken mit einem Verbrennungsmotor. Durch diese Kombination kann man einiges an Kraftstoff sparen. „Mit dem Geld, das wir investieren um elektromotorisch zu fahren, könnte man aber auch an anderen Stellen forschen", sagt Professor Koch-Gröber. Gemeint ist die Idee, Biokraftstoff ausschließlich aus regenerativen Stoffen zu gewinnen. Beispielsweise aus Abfallstoffen, Forstabfall oder Stroh. Bisher wird es unteranderem aus Rapssamen gewonnen – die Frage nach „Tank oder Teller" stellt sich.

Am Ende des Tages sind wir uns aber einig: Jeder sollte das Fahrzeug nutzen, welches am besten zu seinem Lebensstil passt. Sei es nun ein Benziner, Diesel, Elektro-, Hybrid- oder Erdgasauto. Mit dem richtigen Fahrverhalten kann man Stück für Stück der Umwelt etwas Gutes tun.

Stecker rein - Vorbild sein?

Wie gut sind Elektroautos im Vergleich zu einem herkömmlichen Benziner wirklich? Wir haben den Test gemacht.

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Über die Autoren

Lisa Pawlowski

Crossmedia Redaktion/Public Relations (Bachelor)
Eingeschrieben seit: SS 2014

Svenja Frauenhoffer

Crossmedia-Redaktion / Public Relations (Bachelor)
Eingeschrieben seit: SS 2014