Nachhaltige Kleidung

Stuttgart lebt bio – auch in der Mode

13.11.2014

Spätestens seit der Eröffnung der irischen Textilkette „Primark“ in Stuttgart sind Textildiscounter an jeder Ecke zu finden. Die Kritik an den Produktionsweisen des irischen Unternehmens ist trotzdem bis heute nicht still gelegt. In Zeiten des Klimawandels und sozialer Krisen sehnen sich die Menschen nach mehr Fairness und Nachhaltigkeit. Dieser Wunsch macht auch vor der Landeshauptstadt nicht Halt. Deshalb verfügt Stuttgart über vielzählige Möglichkeiten, fair gehandelte und nachhaltig produzierte Mode zu kaufen.

Ein Großteil der deutschen Bevölkerung trägt Klamotten, die schon vor dem Kauf einen weiten Weg zurückgelegt haben. Im Laden angekommen, hat beispielsweise eine Jeans bereits mehr als 50.000 Kilometer hinter sich gebracht. Da Baumwolle nur in warmen Ländern wie Ägypten wächst, wird sie dort großflächig angebaut. Nach der Verarbeitung in Billiglohnländern wie Indonesien, landet die Ware im Einzelhandel der reichen Industriestaaten - etwa in Deutschland. Dabei gehen nur elf Prozent des Jeanspreises auf Transportkosten. Nur rund ein Prozent des Kaufpreises der Klamotten erhalten die Arbeiter als Lohn. Der Rest deckt die Materialkosten oder geht in die Tasche der Einzelhändler. Folglich sind diese gezwungen, für einen Hungerlohn und meist unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

„Wegwerf-Mode"

Dasselbe Produktionsmodell wird auch der Billig-Modekette „Primark" zugewiesen. Der Deutschland-Chef des Beratungsunternehmens Planet Retail stellt fest: „Textilien werden so unglaublich billig produziert. Wenn ein T-Shirt im Einkauf 1,05 Euro kostet, ist es nicht verwunderlich, dass Primark es für 3,50 Euro verkaufen kann." Primark steht für das Fast-Fashion-Modell, unter welchem extremer Konsum und „Wegwerf-Mode" verstanden wird. Nachdem ein Trend vorüber ist und die Qualität stark nachgelassen hat, fällt den Käufern das Wegwerfen leicht. Kleidung als Wegwerfobjekt anzusehen, schlägt sich daher in den steigenden Zahlen des Textilmülls nieder. Dieser hat seit 2004 weltweit um 25 Prozent zugenommen. In Großbritannien wird das Phänomen der wachsenden Müllberge auch „Primark-Effekt" genannt. Sandra Dusch Silva von der „Kampagne für saubere Kleidung" erkennt: „Weil es so billig ist, kauft man es und wirft es nach kurzer Zeit wieder weg." Dies ist nicht der einzige Grund für den Erfolg von Primark. Nach Angaben der Textilkette ermöglichen günstige Massenbestellungen beim Hersteller und der Verzicht auf Werbung die billigen Preise.

Das Plug-in „aVOID"

Wer hingegen weniger Wert auf Schnäppchen legt und sich stattdessen für fair gehandelte Ware interessiert, hat auch beim Online-Shopping bereits hilfreiche Möglichkeiten. Das Plug-in „aVOID" blendet beim Internet-Einkauf genau die Klamotten aus, welche durch Kinderarbeit entstanden sind. Der Begriff „aVOID" kommt aus dem Englischen und bedeutet „vermeiden". Hierbei stoßen Einkäufer in manchen Fällen auf leere Seiten.

Modegeschäfte, die Wert auf Fairness legen

Für alle, die zum Einkaufen lieber in die Stadt gehen, sind in der Google Map die Läden in Stuttgart markiert, wo Bio-Liebhaber nachhaltig produzierte Ware ergattern können. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um Kleidungsstücke. Einige dieser Stores führen auch Schuhe, Accessories und Bio-Lebensmittel. Hier klicken.

GoogleMaps

„glore" im Interview

In unserem Video haben wir Nicola Haug, die Chefin des Bio-Modegeschäfts „glore – your globally responsible fashion store" in Stuttgart für ein Interview besucht. Glore führt verschiedene Marken, die alle für nachhaltig angebaute Rohstoffe und faire Löhne für Hersteller zertifiziert sind. Diese Zertifizierung erfolgt durch das internationale Siegel GOTS (Global Organic Textile Standard). Gleichzeitig haben wir Passanten auf der Königstraße zu Themen wie Primark und Fair-Trade ans Mikrofon gebeten. Seht selbst!

Fair produziert oder billig? Mode in Stuttgart

Nicola Haug, die Chefin des Bio-Modegeschäfts „glore – your globally responsible fashion store" in Stuttgart spricht im Interview über nachhaltig angebaute Rohstoffe und faire Löhne für Hersteller. Zudem kommen Passanten auf der Königstraße zu Themen wie Primark und Fair-Trade zu Wort. Viel Spaß beim Anschauen!

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Über die Autoren

Lisa Grosch

Crossmedia-redaktion/Public Relations
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